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Professional School soll Fach- und Führungskräfte der Wirtschaft weiterbilden

Leuphana-Experten trainieren Manager in der Mongolei

Mongolei

Personalchefin Bazarsuren hat ein Problem mit den Mitarbeitern an ihrer Khan-Bank in Ulan Bator. Wenn andere Kreditinstitute der Stadt ein etwas höheres Gehalt anbieten, dann wechseln bereits einige Angestellte zum Wettbewerber. Das Anwerben und Einarbeiten neuer Mitarbeiter kostet der Bank jedes Mal wieder Geld und Zeit. „Wenn Nomaden anderswo eine fettere Weide sehen, ziehen sie gleich dorthin“, meint die studierte Betriebswirtin und spielt dabei auf die nomadischen Vorfahren an. - Herr Munkhbolor (Namen geändert) ist Direktor eines 5-Sterne-Hotels. „Meine Manager erteilen Anweisungen an unser Personal und überprüfen dann die Durchführung nicht.“ Andere Teilnehmer berichten über Personalprobleme in einem Bergbauunternehmen, im Einzelhandel, in einer Brauerei, in einem Lederverarbeitungsbetrieb. Sie sitzen in der mongolischen Hauptstadt in einem Seminar von Professor Ullrich Günther, Leuphana Universität Lüneburg. Zusammen mit seiner mongolischen Kollegin Professor Tsogbadrakh Tsetsegmaa bieten sie ein Seminar über Personalführung an. Zugleich erfragen sie den Bedarf an betrieblicher Weiterbildung bei Firmen in Ulan Bator und anderen Städten. Günther und Tsetsegmaa wollen eine Professional School an der Wirtschaftshochschule ICB aufbauen. Die Professional School soll Fach- und Führungskräfte der mongolischen Wirtschaft weiterbilden. Sie soll aktuelles Managementwissen schneller von der Hochschule und von westlichen  Beratern an die lokale Wirtschaft übermitteln.

 

 

Finanziert wird das zweijährige Projekt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst im Rahmen seines „Beraterprogramms“. Der DAAD erhält hierfür wiederum das Geld vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Deutsche Hochschullehrer sollen in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit unter anderem den Aufbau von Hochschuleinrichtungen und deren Kooperation mit Unternehmen fördern.

 

 

Zentraler inneruniversitärer Bestandteil des Projektes ist der Aufbau eines Studiengebietes Wirtschaftspsychologie. Der Lüneburger Wirtschaftspsychologe Günther und Leiter des Projekts: „Die Mongolei ist wirtschaftskulturell zum Teil noch von ihrer Vergangenheit als sozialistisches Partnerland der Sowjetunion geprägt. Jetzt hat ihre Wirtschaft ein jährliches Wachstum von 9 Prozent. Sowohl im Bereich Personalmanagement als auch in der Markt- und Konsumentenforschung gibt es einen erheblichen Nachholbedarf an qualifiziertem Personal in der Wirtschaft. Das hat auch unsere Umfrage in mongolischen Unternehmen gezeigt. Der Studiengang Wirtschaftspsychologie soll das benötigte Fachpersonal ausbilden.“

 

 

Nach mehreren vorbereitenden Gesprächen im mongolischen Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft wurde jetzt ein mehr als hundert Seiten umfassender Antrag auf Zulassung des Studiengangs dem Ministerium übergeben.

 

 

In der Mongolei arbeiten bisher kaum einschlägig ausgebildete und erfahrene Wirtschaftspsychologen. Dies ist eine Schwierigkeit für den Studiengang und die Professional School. In Lüneburg fand jetzt eine Konferenz mit Professor Tsetsegmaa, zwei ihrer Mitarbeiterinnen sowie Leuphana-Professoren und wirtschaftspsychologischen Praktikern statt, um unter anderem eine Lösung für dieses Problem zu finden. Ein konkretes Ziel der Konferenz  war es deshalb, den Einsatz von deutschen Wirtschaftspsychologen in der Mongolei vorzubereiten und zu koordinieren. Tsetsegmaa informierte die Konferenzteilnehmer über die Situation des Personalmanagements in mongolischen Firmen und Behörden. Als Präsidentin der Mongolischen Gesellschaft für Personalmanagement hat sie zahlreiche Kontakte zu Personalfachleuten und Unternehmern. Außerhalb der Tagung besuchten die Gäste aus der Mongolei eine andere Hochschule mit einem wirtschaftspsychologischen Studiengang und ein Hamburger Großunternehmen.

 

 

Warum sind deutsche Experten bereit, für einige Wochen oder Monate in die Mongolei zu gehen? Dr. Gerd Meier, Leuphana-Professor für Konsumentenpsychologie und Marktforschung findet: „Psychologische Grundlagen sind für Marketing sehr wichtig, auch in einem Entwicklungsland wie der Mongolei. Ein solches Projekt ist für den Aufbau einer sozialen Marktwirtschaft förderlich.“ Unternehmensberater und Psychologe Dr. Hansjörg Hitziger lehrt auch an der Universität Lüneburg. Ihn reizt besonders „als Berater für Führungsentwicklung derartige Prozesse in einer mir noch wenig bekannten Kultur wie der mongolischen zu unterstützen.“. Den Personaltrainer und Leuphana-Lehrbeauftragten Dr. Wolfram Sperber fasziniert „der Gegensatz zwischen städtischer, aufstrebender Gesellschaft und dem nomadisch geprägten Leben in der Steppe“.  Zusammen mit Günther wollen die Wirtschaftspsychologen in Ulan Bator mongolische Professoren für den Studiengang Wirtschaftspsychologie qualifizieren, Lehrveranstaltungen für Master-Studenten durchführen und in der betrieblichen Weiterbildung für Führungskräfte tätig werden. Damit möglichst oft ein deutscher Berater vor Ort ist, werden  sie einzeln in die Mongolei reisen. Dr. Sperber auf die Frage nach möglichen Schwierigkeiten bei einem Mongolei-Aufenthalt: „Der extrem kalte Winter mit Temperaturen bis minus 40 Grad.“

 

 

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09.02.2009
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