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Der Ex-Bundeswirtschaftsminister im Interview

„Nie wieder BWL“

Bei der Begrüßung der Erstsemester hielt er die Festrede: Ex-Bundesfinanzminister Manfred Lahnstein spricht im Interview mit Startwochenzeitungs-Redakteurin Susanna Andrick über Studiengebühren, seine Zeit als Jazz-Musiker und den Wert eines Bachelor-Abschlusses.


LSZ: Herr Lahnstein, es gibt eine Vielzahl an Universitäten in Deutschland. Sie haben selbst studiert – nach welchen Kriterien würden Sie sich heute eine Hochschule auswählen?

 

Lahnstein: Ich selbst hatte damals keine Wahl. Die Universität musste ich mit der Bahn erreichen können, deswegen kam nur Köln in Frage. Wenn ich mich heute nochmal entscheiden müsste, würde ich vor allem auf die Qualität der Lehre Wert legen. Ich würde mich informieren, wo die besten Dozenten sind und wo es die besten Rahmenbedingungen gibt. Wir hatten damals fast nur Vorlesungen – wir saßen mit 400 oder 500 Leuten in einem Raum und mussten zuhören. Wenn ich abends dann mal bis um drei Uhr als Jazz-Musiker Geld verdient habe, war das gar nicht so einfach (lacht).

 

LSZ: Sie mussten also neben dem Studium arbeiten?

 

Lahnstein: Ja, damals gab es noch keinerlei staatliche Zuschüsse und man musste zusätzlich zu den Semesterbeiträgen für jede Vorlesung Gebühren zahlen.

 


LSZ: Befürworten Sie Studiengebühren?

 

Lahnstein: Ich habe Studiengebühren immer befürwortet, aber unter einer Bedingung: Jeder, der nicht zahlen kann, muss auch nicht zahlen. Gebühren sind also nur sinnvoll, wenn es ein effektives System von Stipendien gibt. Sonst wären sie sozial ungerecht. In Deutschland wird diese Debatte ideologisch geführt, das gefällt mir nicht. Da wird gesagt, dass sich nur noch Reiche ein Studium leisten könnten. Aber die entscheidende Frage ist doch: Was machen wir mit denen, die es sich nicht leisten können?

 


LSZ: Was würden Sie studieren, wenn Sie noch einmal die Möglichkeit hätten?

 

Lahnstein: Betriebswirtschaftslehre würde ich im Nachhinein nicht nochmal studieren, sondern lieber Philosophie oder Kunstgeschichte.

 

LSZ: Würden Sie einen Bachelor-Studenten einstellen?

 


Lahnstein: Das kann ich nicht beurteilen. Natürlich gibt es Unternehmen, die keine Absolventen mit Bachelor-Abschluss einstellen. Wichtig ist es meiner Meinung nach aber, überhaupt einen Master zu machen. Ob man ihn direkt an das Bachelorstudium anhängt oder erst einmal Berufserfahrungen sammelt, ist egal. Nur: Drei Jahre sind einfach zu kurz, um die eigenen geistigen Potenziale voll auszuschöpfen und den Lernstoff zu reflektieren. Deswegen würde ich immer dazu raten, zusätzlich einen Master zu machen.


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05.10.2009
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