- Hochschule
Studenten führen durchs Rathaus
Widerspruch erwünscht
st Lüneburg. Die Spinne im Glaskolben webt an ihrem klebrigen Netz. Ines Raub will ihre Besucher in eine Diskussion verstricken. "Warum wird die Kunst von Frauen nicht anerkannt?", fragt sie provozierend. Kunst ist Kommunikation, diese Ansage des Sammlers Rik Reinking hat Raub verinnerlicht. Sie will diskutieren. Raub ist eine von sieben Studentinnen, die durch die Ausstellung "Alle Rechte vorbehalten" im Lüneburger Rathaus führen.
Ohne Anleitung liefe der Besucher Gefahr, die Kunstwerke zu übersehen. Unaufdringlich, beinahe versteckt präsentieren sich die Ausstellungsstücke in den prunkvoll ausgeschmückten Räumen des Rathauses. Besucher entdecken die Kunst nicht auf den ersten Blick.
Es ist Teil des Konzeptes, das die Studentinnen mit dem Hamburger Sammler Reinking und der Dozentin Dr. Barbara Uppenkamp erarbeitet haben. Hier ist meine Sammlung, bedient euch, lautete Reinkings Angebot. Und die Studentinnen griffen zu: Sie wählten die Stücke aus, die ihnen gefielen und die ins Rathaus passen. Intelligent nimmt die Ausstellung Bezug auf Gemälde, Schnitzereien und Wandgemälde der Rathaus-Räume. In der Großen Ratsstube etwa wurde früher Recht gesprochen - und auch die Kunstwerke greifen das Thema Ordnung und Chaos auf.
Für die Studentinnen der Kulturwissenschaften ist "Alle Rechte vorbehalten" eine Riesenchance: "Wir waren an allem beteiligt, durften kuratieren, Öffentlichkeit informieren und Katalog schreiben. Das hat Spaß gemacht", berichtet Raub. Nach dem Studium weiter in diese Richtung arbeiten zu dürfen, sei für sie ein Traum.
Der Auslöser für die Debatte über die Rolle der Frau in der Kunst versteckt sich in einem kleinen Schränkchen in der Gerichtslaube, gleich neben dem Eingang zum Alten Archiv. In diesem ältesten Teil des Rathauses hat früher der Rat - und damit Männer - die Geschicke Lüneburgs bestimmt.
Und genau dort haben die Studentinnen den Glaskolben der Künstlerin Rosemarie Trockel platziert. Eine lebende Spinne sitzt darin, webt ein Netz. "Jedes Tier ist eine Künstlerin", erklärt Raub den Gedanken dahinter. Das soll heißen: Was Frauen schaffen, was vielleicht eher in Richtung Kunsthandwerk geht, wird nicht anerkannt. "Die Kunstszene wird auch heute immer noch von Männern dominiert", formuliert Raub spitz. Und lauert auf Widerspruch.
- Kommentare (0)
Heute
15 - 25
Morgen
17 - 27
Suche
Anzeige
Magazine der Landeszeitung
- Flash ist Pflicht!
Kommentare
Mehr Taschentücher, bitte!
(Gast) querulant
Nur selten schluchze ich beim Leser der...
mehr 16.09.2011--19:56
Vergessen ...
(Gast) Caroline Z.
... haben Sie, einen ganz wichtigen "link" auf...
mehr 16.09.2011--17:30
Weiter so HS 1
(Gast) unbeteiligte Stude
obwohl der Großteil sich nicht direkt an den...
mehr 15.12.2009--21:23
Leupahan-Homepage in Ostfalia
(Gast) Caspar Heybl
Nicht nur das Schild sieht falsch aus, auch ein...
mehr 08.10.2009--16:21


