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Christian von Estorff setzt sich für die Restaurierung des Reiterdenkmals im Clamartpark ein

Dragoner mit Barnstedter Wurzeln

kre Barnstedt/Lüneburg. Es ist ein trauriges Bild, das der einsame Reiter im Clamartpark bietet. Der Sockel des Denkmals bröckelt. Die Standsicherheit, argumentiert die Stadt, sei nicht mehr gegeben. Deshalb sichert jetzt ein hässlicher Bauzaun das Ehrenmal, das einen Dragoner mit Pickelhaube und Lanze zeigt. Und schon bald sollen Ross und Reiter sogar abgebaut und eingelagert werden. "Solange, bis genügend Geld vorhanden ist, um es in Ruhe zu sanieren", heißt es aus dem Rathaus. Doch in diese Debatte schaltet sich jetzt auch Christian von Estorff ein. Der Barnstedter hofft, dass der Dragoner-Reiter restauriert wird und erhalten bleibt. Denn mit dem Denkmal verbindet er auch einen Teil seiner eigenen Familiengeschichte.

 

Von Estorffs größte Sorge: "Ist der Reiter erst einmal abgebaut, besteht die Gefahr, dass er demontiert bleibt und in Vergessenheit gerät." Ganz nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn . . .

 

Das will er verhindern, denn er ist überzeugt: "Es gibt bestimmt viele Menschen, die den Zustand des Denkmals ebenfalls bedauerlich finden und sich mit Sicherheit auch finanziell an der Restaurierung des Reiters beteiligen würden." So wie das bei dem ebenfalls eingezäunten Ross an der Reichenbachbrücke der Fall ist. Für dieses Standbild gibt es Sponsoren, die Interesse signalisiert haben, die Sanierung und die anschließende Umsetzung in den Lünepark finanziell zu unterstützen (LZ berichtete).

 

Doch warum interessiert Christian von Estorff das Schicksals des Standbildes im Lüneburger Clamartpark überhaupt?

 

Der Barnstedter deutet in seinem Gutshaus auf ein Gemälde, das über dem Kamin hängt. Es zeigt einen stattlichen Mann in der Uniform eines Husaren-Offiziers. "Das ist mein Ur-Ur-Ur-Großvater Albrecht von Estorff", erklärt Christian von Estorff.

 

Geschichtsinteressierte kennen diesen Namen: Der Vorfahre des heutigen Gutsherren war es, der bei der Schlacht in der Göhrde entscheidend mit zur Niederlage der napoleonischen Truppen beitrug. Dazu hatte er ein Husaren-Regiment aufgestellt und ausgebildet, aus dem später dann das Dragoner-Regiment wurde.

 

Und auch in der Folgezeit blieb dieser Verband eng mit dem Namen von Estorff verbunden. "Meine beiden Großväter hatten ebenfalls bei den Dragonern gedient - und die Schrecken des Ersten Weltkrieges erlebt", berichtet Christian von Estorff.

 

Wohl auch deshalb hat der Barnstedter mit einer alten Familientradition gebrochen. Denn statt Offizier zu werden, hat er bewusst den Wehrdienst an der Waffe verweigert und dafür Zivildienst geleistet.

 

"Ich habe selbst noch erlebt, wie einer meiner Großväter am Dragoner-Denkmal Kränze niedergelegt und um seine gefallenen Kameraden getrauert hat", berichtet von Estorff.

 

Für ihn habe das Reiterdenkmal auch nichts Heldenhaftes, sondern zeige vielmehr die ganze Absurdität und den Wahnsinn des Krieges: "Mit Pferd, Pickelhaube und Lanze sind die Dragoner losgezogen in einen Krieg, der mit Maschinengewehren, Panzern und Kanonen geführt wurde."

 

Christian von Estorff weiß, dass der Dragoner im Clamartpark heute von vielen kritisch gesehen wird - als Relikt aus einer Zeit, als Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln galt. Dennoch warnt der Barnstedter davor, die Berechtigung von Denkmäler danach zu beurteilen, "ob wir sie heute verwerflich finden oder nicht". Denn dann dürfe es auch keinen Arc de Triomph-Bogen in Paris oder auch das Bismarck-Denkmal in Hamburg geben.

 

Für Christian von Estorff jedenfalls ist klar: "Bevor das Denkmal aus dem Clamartpark auf immer und ewig auf einem Bauhof verschwindet, biete ich dem Dragoner-Reiter bei mir an geeigneter Stelle ,Asyl' an."

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28.01.2012
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