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Der Darchauer Franz von Rautenkranz löst heute zum 16. Mal die Eiswette auf
"Franz, was mookt de Elv?"
off Darchau. Als im November 1989 der graue Streckmetallzaun hinter seinem Haus das erste Loch bekommt, gibt es für Franz von Rautenkranz nur ein einziges Ziel. Keine 200 Meter muss er gehen, bis der Darchauer am Ufer der Elbe steht, die Hände ins Wasser hält und auf die andere Seite blickt - zum ersten Mal nach mehr als 30 Jahren. Bei eisigem Wind gewinnt er vor 22 Jahren das Leben am Fluss zurück, das er heute zum 16. Mal als Eissachverständiger der Darchauer/Neu Darchauer Eiswette feiert. In schwarzem Anzug, weißen Handschuhen, mit schwarzem Zylinder und weißem Schal wird der 62-Jährige um 11 Uhr auf der Fähre "Tanja" stehen und die Frage des Tages beantworten: "Franz, was mookt de Elv?"
Der Familienvater ist der erste und bisher einzige Eissachverständige der Darchauer Eiswette, prüft jedes Jahr mit Sorgfalt und Krückstock von Bord der Fähre aus den Zustand der Elbe. Am Biertisch sei die Idee zu dem Wettspektakel 1997 entstanden, erzählt der Darchauer, "drüben in Neu Darchau". Heute ist die Eiswette eines der größten gemeinsamen Feste der gegenüberliegenden Elbdörfer, abwechselnd feiern die Teilnehmer in Darchau und Neu Darchau. In diesem Jahr geht es nach der Auflösung der Wette am West- zum Essen zurück ans Ostufer - ins Café Rautenkranz, einer weiteren Errungenschaft des wiedervereinten Deutschlands.
Kein Jahr nach dem Mauerfall, am 18. August 1990, eröffneten Heidemarie undFranz von Rautenkranz das Café an der Elbe. Zu DDR-Zeiten undenkbar. "Unser Haus lag im Schutzstreifen, streng bewacht direkt hinterm Zaun", sagt von Rautenkranz, "hier war das Ende der Welt." Bis 1952 betrieb noch sein Großvater eine Gastwirtschaft in dem roten Backsteinhaus, doch dann musste er sie auf Anordnung des Staates schließen. Die Familie lebte von der Landwirtschaft, und auch Franz von Rautenkranz arbeitete in der örtlichen LPG, der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Sein Zuhause, umzingelt von Streckmetall auf der einen und Schlagbäumen auf der anderen Seite, gehörte unterdessen zu den streng bewachtesten Orten der Region. Heute unvorstellbar.
Noch im November 1989 rückte von Rautenkranz' Zuhause vom Ende der Welt ins Zentrum, saßen im ersten Stock Politiker aus Ost und West zusammen, um die Einrichtung einer Fährverbindung zu organisieren. Am 25. November ist es dann so weit, die "Kleine Luna" fährt zum ersten Mal von Darchau nach Neu Darchau - an Bord auch Franz von Rautenkranz, der Mann, der heute auf der Fähre "Tanja" stehen und dem Publikum zurufen wird, "ob de Elv geit oder steit".
Überraschungen erwartet der 62-Jährige bei der diesjährigen Darchauer/Neu Darchauer Eiswette nicht. Seine Diagnose verspricht dieselbe zu sein wie die vergangenen 15 Male: De Elv geit. "Zwar schwammen schon einige Male dicke Eisschollen auf der Elbe", sagt er, "aber richtig zugefroren war der Fluss nur 1995/1996, ein Jahr, bevor die Eiswette ins Leben gerufen wurde." Damals konnte Franz von Rautenkranz zum ersten Mal in seinem Leben über die zugefrorene Elbe gehen. Als Eissachverständiger allerdings liegt die Premiere noch vor ihm, bei der er verkünden kann: "De Elv steit."
Die Auflösung der Eiswette verkündet Franz von Rautenkranz heute, 28. Januar, 11 Uhr am Fähranleger Neu Darchau.
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Kommentare
Für wie lange wollen die Politiker
(Gast) der rote Baron
uns noch für blöde verkaufen ? Da wird einfach...
mehr 20.02.2012--22:14
Roter Landrat
(Gast) der rote Baron
es wird seit Jahren, seit der rote Landrat am...
mehr 18.02.2012--10:13
Korrektur
(Gast) Bevenser
Ich meinte natürlich, dass das Standesamt Nie im...
mehr 17.02.2012--13:58
Fehlerhafter Artikel
(Gast) Bevenser
Nicht nur, dass Herr Kammer seit dem 1.11.2011...
mehr 17.02.2012--13:51


