- Lüneburg
Margi Tiedemann ist Krebs-Patientin
"Die Chemo ist nicht mein Feind"
as Lüneburg. Der Weltkrebstag am heutigen 4. Februar hat zum Ziel, über Vorbeugung, Erforschung und Therapien von Krebserkrankungen aufzuklären. Eine der Behandlungsmöglichkeiten ist die Chemotherapie. In der onkologischen Schwerpunktpraxis Dr. Goldmann/Dr. Heinkele/Dr. Ebert/Dr. Rutjes, die Kooperationspartner der Tumorzentren im Klinikum ist, werden täglich rund 40 bis 50 Krebstherapien durchgeführt. Eine der Patientinnen ist Margi Tiedemann.
Im vergangenen Jahr wurden bei der Wittorferin Metastasen infolge einer jahrelang zurückliegenden Brustkrebs-Erkrankung diagnostiziert. "Als ich hörte, dass ich um eine Chemotherapie nicht herumkomme, war da totale Angst", erzählt sie, in einem der Behandlungsräume der Praxis sitzend. Mit dem Wort habe sie nur eins assoziiert: "Das ist mein Todesurteil." Dazu kamen Vorstellungen von Haarausfall, Dauer-Übelkeit und angegriffenen Schleimhäuten, die viele Menschen mit dieser Behandlung verbinden. Ein bisschen beruhigt habe sie, als sie im Internet unter anderem gelesen habe, "dass die Chemo inzwischen schonender geworden ist. Ausschlaggebend war aber, dass ich von Frau Dr. Goldmann im Vorfeld umfangreich und einfühlsam informiert wurde. Das hat mir die Angst genommen." Für sie habe dadurch schnell festgestanden: "Die Chemo ist nicht mein Feind, sondern mein Freund. Es ist die einzige Möglichkeit, wieder gesund zu werden."
Vor der ersten Infusion im vergangenen April machte sie einen radikalen Schnitt: "Ich habe meine Tochter gebeten, mir die Haare abzurasieren. Ich wollte nicht, dass sie büschelweise ausfallen." Die Angst keimte kurz wieder auf, als die Infusion über einen Port im Schulterbereich in ihren Körper tröpfelte. "Vier, fünf Stunden dauert das. Viel mitbekommen habe ich nicht, denn ich bin eingeschlafen, von Übelkeit war keine Spur." In den Tagen danach sei sie schon schlapp gewesen und der Geschmackssinn habe sich geändert. Doch andere Begleiterscheinungen habe es nicht gegeben, wenn sie an der "Flasche ohne Alkohol gehangen" habe. 18 Zyklen hat sie hinter sich. "Mir geht's blendend. Ich bin überzeugt, die Erkrankung wird zum Stillstand kommen." Dass sie so offen über ihre Erfahrungen berichtet, hat sie sich gut überlegt. "Aber ich möchte anderen Mut machen", sagt sie mit fester Stimme.
Bei der Chemotherapie werden Zytostatika eingesetzt, die die Krebszellen - knapp gesagt - zerstören. Dr. Beatrice Goldmann, Gynäkologin, erläutert: "Bei einigen Krebserkrankungen, zum Beispiel Darm- oder Brustkrebs, wird adjuvant behandelt. Nach einer Operation erfolgt die Chemotherapie, um das Wiederkehren der Erkrankung zu verhindern." Trotz mittlerweile guter Begleitmedikamente können bei manchen Patienten die Nebenwirkungen wie Übelkeit und Schleimhautreizungen erheblich sein. Eine palliative Behandlung erfolgt, wenn sich Metastasen gebildet haben. Die Chemotherapie soll dann den Krebs zurückdrängen und die krankheitsbedingten Beschwerden lindern. "Es handelt sich dann um eine chronische Erkrankung, die in wiederkehrenden Abständen erneute Behandlungen - nicht immer nur Chemotherapie - erfordert", sagt Dr. Goldmann.
Bevor es zur Behandlung kommt, werden Patientenfälle bei der wöchentlichen Tumorkonferenz im Klinikum besprochen, an der Mediziner verschiedener Disziplinen teilnehmen, erläutert Dr. Juliane Ebert, Gynäkologin in der onkologischen Praxis. Bei den Konferenzen wird festgelegt, ob Operation, Strahlen- oder/und Chemotherapie notwendig sind, beziehungsweise, ob eine adju-vante oder palliative Chemo erfolgen sollte. "Die Therapie orientiert sich an Leitlinien, die von verschiedenen wissenschaftlichen und medizinischen Fachgesellschaften herausgegeben sind."
Mit dem Patienten werden dann die Ergebnisse und Möglichkeiten der Behandlung wie auch die Erfolgsquote besprochen. Dr. Beatrice Goldmann: "Die Entscheidung liegt letztendlich beim Patienten." In manchen Fällen müsse man allerdings abwägen, ob die möglichen Erfolge einer Chemotherapie in einem vernünftigen Verhältnis zu den potenziellen Nebenwirkungen stehen, räumt die Medizinerin ein. Eine Gratwanderung, bei der die Patienten und ihre Angehörigen in die Entscheidungsfindung eng mit eingebunden werden.
Unterstützend für das körperliche und seelische Wohlbefinden seien Autogenes Training, Yoga und Sport, "also Dinge, die der Patient selber in die Hand nehmen kann", rät Dr. Beatrice Goldmann. Margi Tiedemann hat Meditation und Reiki genutzt, um zur inneren Ruhe zu kommen. Aufgefangen worden sei sie von ihrer Familie. "Ganz wichtig, zumal sich manche Freunde und Bekannte distanzieren, weil sie mit der Erkrankung nicht umgehen können."
Aus Sicht der Medizinerinnen kommt der psycho-onkologischen Betreuung außerdem ein ganz besonderer Stellenwert zu, denn eine Krebserkrankung ist für viele ein lebenslanger Schock. "Wir würden uns wünschen, dass es da mehr Möglichkeiten gäbe."
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Kommentare
Passt noch nicht
(Gast) Luna-Lukas
...die sachliche Begründung wäre, dass die...
mehr 02.02.2012--00:03
Wahrnehmung
(Gast) Prozessbeobachterb
Was ist denn daran falsch? Wenn ein Angeklagter...
mehr 01.02.2012--20:13
Vorsicht
(Gast) Prozessbeobachter
Man sollte sich bewusst sein, daß der Artikel die...
mehr 01.02.2012--13:01
Alternativen Prüfen
(Gast) Hypokrates
Alternative Standorte sollten doch in jedem Fall...
mehr 31.01.2012--20:33



Aber nur für die kleinen bitte.....
Ohha, Frau Gundermann so ein Sinneswandel, oder wird Sallier und Co von der neuen Regel ausgenommen. Um weiterhin, Zitat "Akkzente schaffen" zu können siehe Frommestraße.