- Sport
Harmonie statt Konkurrenz ist das Motto von Frederike und Ursina Schütt, den Torhüterinnen des MTV Embsen
Schon immer einen ganz engen Draht
upo Embsen. Eigentlich sind Torhüterinnen im Handball Konkurrentinnen, weil eben nur eine im Kasten stehen kann. Doch bei Frederike und Ursina Schütt ist das grundsätzlich anders. "Wir sind ein Team", sagen die beiden Schwestern unisono. Und wer sich länger mit der 26-jährigen Fredi und der 30-jährigen Ursina unterhält, merkt schnell, dass das bei ihnen wirklich stimmt. Sie sind wie beste Freundinnen, lachen viel gemeinsam, antworten mal für die andere, strahlen zusammen eine unheimliche Ruhe aus. Die LZ traf sich mit den beiden Torhüterinnen des MTV Embsen zum morgendlichen Kaffee.
"Wir haben uns immer gut verstanden, hatten immer einen ganz engen Draht", sagt Ursina. Ihre kleine Schwester nickt. "Wir haben uns viel weniger gestritten als andere. Ich hatte es leicht. Ich durfte als kleine Schwester in ihrem Freundeskreis immer dabei sein." Von früh an waren sie ein Team, haben sich auch bei ihren Eltern in Embsen stets wohlgefühlt. "Deshalb war es auch klar, dass ich nach dem Studium hierher zurückkomme", erzählt Fredi, wie sie alle nur nennen. Sie hat gerade ihr Psychologiestudium in Saarbrücken erfolgreich abgeschlossen. Das ging Ursina bei ihrem Uniaufenthalt in Wuppertal ähnlich. Deshalb arbeitet die Sozialpädagogin auch in Tostedt. "Hier ist unsere Familie, hier ist unser Zuhause." Fredi ergänzt: "Wir ziehen Norddeutschland dem Süden vor."
Und wer sich so gut versteht, der betreibt eben auch den gleichen Sport zusammen. Aber warum gerade Handball? "In Embsen spielt man Handball", stellt Fredi sachlich fest. Dabei hat Ursina auch Judo und Volleyball beim MTV ausprobiert, im Studium Beachvolleyball betrieben und beim MTV Treubund sogar höherklassig gebaggert und gepritscht, glücklich wurde sie aber nur beim Handball. "Das ist Herausforderung, das macht Spaß. Und ich wollte auch immer ins Tor, habe keine Angst vor dem Ball." Irgendwie logisch, dass Fredi sich dann auch zwischen die Pfosten stellte. "Und wir haben dann immer öfter Witze gemacht, dass wir mal zusammen in einer Mannschaft spielen müssen."
Irgendwann 2007 - wann, fällt beiden nicht ein - war es dann so weit. In Celle renkte sich Fredi nach fünf Minuten den Finger aus. Ursina, damals nur Aushilfstorhüterin, musste einspringen. Und war völlig hibbelig. "Aber nur, weil ich nicht wusste, wie es Fredi geht. Es tut mir weh, wenn ich sehe, dass es ihr schlecht geht." Ihr damaliger Trainer Hashem Amirmontaghemi hatte mehr Mühe, Ursina zu beruhigen als die eigentlich Verletzte . . .
Jahrelang standen drei Torhüterinnen im Embsener Kader, weil eine der beiden Schwestern gerade studierte und oft nur zu den Spielen pendelte und einsprang. Das ist nun anders. Seit 2010 stehen nur noch die Schwestern im MTV-Gehäuse. Sie stiegen gemeinsam in die Oberliga auf und kassieren nun gemeinsam viele Tore - denn Embsen ist Schlusslicht in der neuen Klasse. "Es ist manchmal sehr frustrierend", weiß Fredi. "Aber wir wollten gefordert werden, und wir nehmen die Herausforderung auch an", erklärt Ursina weiter. "Wir lernen aus den Niederlagen."
Mittlerweile ist die Mannschaft in der Liga angekommen, hält viel besser mit - auch weil die Schütts im Tor immer besser halten. "Wir mussten lernen, dass die Würfe härter und platzierter kommen", so Fredi. "Und wir haben gezeigt, dass wir es können", ergänzt Ursina. Zeigen wollen sie es besonders heute, wenn in Lüneburg das Derby beim HVL ansteht. "Die Halle ist doppelt so voll wie sonst, wir freuen uns sehr", sagen beide. "Spiele gegen Lüneburg sind immer besondere. Die willst du nicht verlieren."
Und wer steht zuerst zwischen den Pfosten? "Das entscheiden wir immer beim Reingehen in die Halle", erzählt die kleinere und jüngere Schwester. Das macht nicht Trainer Marcus Krause? "Nein, Marcus vertraut uns da ganz. Wir entscheiden auch, wann wir wechseln." Will nicht jede immer im Tor stehen ? Die beiden müssen nicht lange überlegen: "Wir freuen uns, wenn die andere stark hält." Wer die beiden erlebt, hat daran keinen Zweifel.
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