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Übung macht den Meister
23.04.09, veröffentlicht von Heinzer in Politik
Wer heute noch ohne arbeitet, der handelt politisch nicht korrekt und ohne ethisch-moralischen Kompass. Ein Leitbild ist das A und O in Politik und Betrieb. Darin steht zum Beispiel, dass man gut zur Umwelt und zu den Mitarbeitern ist und Gewinne nichts Böses sind, solange man nur die ersten beiden Punkte beherzigt. Auch der Lüneburger Rat könnte sich einmal ein Leitbild geben, aber erstmal ein einfaches. Ein Vorschlag zur Güte: Übung macht den Meister.
So könnte der Rat die Not kaschieren und in eine Tugend münzen und weiter fleißig das Abstimmen üben. In Lüneburg scheint da nämlich eine Grauzone zu existieren. Bestes Beispiel ist das leidige Lampen-verpachten-oder-verkaufen-Dauerthema. Ende April muss der Rat nun zum dritten Male in der Sache abstimmen, weil dauernd was schief läuft, oder besser der Rest-Rat - denn viele Damen und Herren müssen den Huldigungssaal verlassen. Interessenkonflikt. Wer im Dunstkreis der Luna GmbH sitzt, die die Lampen pachten will, also in Beiräten oder Aufsichtsräten der Gesellschafter E.ON Avacon und Abwassergesellschaft, ist nicht dabei. Das hat ein Oberlandesgericht verfügt.
Damit Fehltritte für alle Zukunft vermieden werden, haben alle Ratsherren gelobt, bei Abstimmungen künftig kräftig Adrenalin fließen zu lassen: Worüber stimmen wir ab? Dürfen wir überhaupt? Und vor allem, wer stimmt mit ab, und darf der das auch wirklich?
Schon bei der nächsten Ratssitzung ist eine Doppelübungsstunde angesetzt. Es wird nicht nur über Lampen abgestimmt, sondern auch über eine Ordnung für den Kurpark. Da wird sich dann des Trainings wegen jeder enthalten, der mal am Gradierwerk geschnuppert oder die Enten gefüttert hat.
Der Rat beschäftigt sich aber auch mit der Sparkassenfusion. Da könnte die Frage lauten: Darf mitstimmen, wer auch im Verwaltungsrat der Sparkasse sitzt, ja wer ein Konto oder gar einen Kredit bei diesem Institut unterhält? Kluge Juristen sagen: Ja, man sei geradezu aufgefordert. Gleichwohl stellt sich noch die Frage, worüber stimmt man überhaupt ab. Denn der gewünschte Name "Sparkasse Süderelbe" für das fusionierte Institut steht erstmal auf dem Gerichts-Index. Vielleicht also sollte man einfacher beginnen.
Da böte sich eine Straße des Ruhms an so wie in Hollywood der "Walk of Fame". Denn findige Werber wollen in Lüneburg gegen reichlich Pacht mächtige Hansetaler ins Pflaster einlassen. Wer aber dort erwähnt werden darf, darüber könnte der Rat abstimmen. Das wäre unverfänglich, hätte Glamour wie in Los Angeles, wenn wieder ein Star seinen Stern bekommt. Das Fernsehen könnte senden, Lüneburg wäre nicht nur bei Rote Rosen im Bild. Bestens geeignet wäre die Waagestraße. Dann könnte auch die Kämmerin ab und an aus dem Rathaus auf die lange, glänzende Talerreihe schielen und wie eine Goldmarie im Märchen träumen: drei, zwei, eins - alles meins.
Hans-Herbert Jenckel
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