• Der LZ-Kommentar

Ein Stern sinkt, der andere leuchtet


Von Christoph Steiner


Möglicherweise wird man in Reihen der Opposition mit Blick auf die erstaunlichen Werte des neuen ARD-Deutschlandtrends allmählich umdenken müssen. Dauerfeuer gegen Bundespräsident Christian Wulff, das in Wirklichkeit auf die Kanzlerin gerichtet ist, hat Angela Merkel bisher offenbar nicht geschadet, eher genützt. Denn je mehr die angebliche Unredlichkeit Wulffs angeprangert wird, desto heller leuchtet im Kanzleramt ihr Stern der Redlichkeit - und beschert der Regierungschefin in der repräsentativen Umfrage seit Jahren nicht gekannte Zustimmung.
Nicht einmal ein Papiertaschentuch würde sie für umsonst nehmen, raunt man sich in Berlin halb scherzhaft, halb bewundernd über Merkel zu. Wenn überhaupt noch jemand für grundanständig gehalten wird in der Politik, dann sie. Außerdem, bei all dem Naserümpfen über Schloss Bellevue: Das Pulver der Opposition hat selbst Feuchtigkeit abgekriegt, seitdem in diesem Eldorado der Handaufhalter, Vorteils- und Schnäppchenjäger rund um einen schillernden Eventmanager auch bekannte Größen aus dem SPD- und dem Grünen-Lager geoutet wurden. Und ungewöhnliche Stille, die in anderen Ecken des etablierten Parteienspektrums herrscht, lässt auch da nicht eben die absolute Reinheit der Seelen erahnen.
Halten wir uns also an die unbestechliche Kanzlerin als Fels in der Brandung auch in der Euro-Schuldenkrise. Das unbeugsam und unbeirrbar anmutende Auftreten Merkels im Kreise der Euro- bzw. EU-Partner, die weder mit Kritik noch mit Wünschen und Forderungen an Deutschland geizen, macht bei der Bevölkerung hierzulande Eindruck. Vielen gefällt ihr Beharrungsvermögen beim Fiskalpakt, ihr Bemühen um die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ebenfalls. Merkels Nein zu Euro-Bonds spricht dem Volk ebenso aus der Seele wie ihre Abwehr von Forderungen nach immer höheren Milliardenbergen. Davon profitiert laut der ARD-Umfrage offenbar auch die schwarz-gelbe Regierung in Gänze. Es heißt schon was, dass inmitten der Euro-Turbulenzen auf der Sympathieskala ausgerechnet der Bundesfinanzminister ganz oben steht.
Ein gerüttelt Maß an Wertschätzung legt man für die Deutsche auch in China an den Tag. Die Ehre, dass der Regierungschef der Wirtschaftssupermacht seinen Gast auf dessen Abstecher in die Provinzen begleitet, wird nicht jedermann, pardon: jederfrau, zuteil. Gleichwohl darf diese Geste nicht darüber hinwegtäuschen, dass Merkels Dialogversuche mit Regimekritikern von ihren Gastgebern rigoros ausgehebelt worden sind. Mehr als ein Ansprechen des Themas Menschenrechte und die Übergabe einer Liste von Fällen, um deren Überprüfung die Bundesregierung bittet, waren bei den Spitzentreffen für die Berliner Besucherin nicht drin.
Zudem blieben die Herren der gewaltigsten Devisenreserven in Peking sehr vage, was ihr Engagement für den Euro-Rettungsschirm angeht. Mehr als ein "Schaun mer mal" war den Oberen nicht zu entlo-cken. Doch vielleicht heben sich die Kapitalisten-Kommunisten Konkreteres ja für den anstehenden EU-China-Gipfel am 14. Februar auf.
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