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"Brief an mein Leben" -- Prof. Dr. Miriam Meckel über Karriere und Therapie
Wenn der Kopf brummt
dpa Lüneburg/Berlin. Sie ist eine Karrierefrau und zahlte dafür mit einem Hörsturz. Miriam Meckel war die jüngste Professorin Deutschlands, Regierungssprecherin und Staatssekretärin, heute lehrt sie in der Schweiz und sitzt seit 2008 im Stiftungsrat der Leuphana Universität Lüneburg. Sie hat Bücher geschrieben, geforscht, gelehrt, Kongresse bereist und nebenher eine Talkshow moderiert. 15 Jahre lang hat die Medienwissenschaftlerin Karriere gemacht, buchstäblich bis der Arzt kam. Die Diagnose: Burnout.
Sie ist vollkommen überreizt. Über diese Erfahrung und den Aufenthalt in der Klinik hat die 42-Jährige ein analytisches und persönliches Buch geschrieben: "Brief an mein Leben". Dass Meckel auch als Freundin von Anne Will bekannt ist, wird einige Leser neugierig machen. Eine große Rolle spielt es aber nicht.
Meckel hat in "Das Glück der Unerreichbarkeit" (2007) noch vor Frank Schirrmacher die Tücken des Handyzeitalters und des "Multitasking", des Alles-auf-einmal-schaffen-Wollens, beschrieben. Die moderne Welt und der ständige Stress, in der Informationsflut etwas zu verpassen, sind schwer zu meistern. Das weiß sie, aber: "Zwischen Wissen und Anwenden klafft im Leben häufig eine tiefe Kluft."
Das Leben war für Meckel eine einzige logistische Herausforderung. Um vier Uhr nachts aufzustehen, um Mails zu schreiben -- das kann nicht gesund sein. So klappt die Karrierefrau eines Tages zusammen. Der Körper rebelliert. Das Brummen kommt nicht von der Heizung, es ist in ihrem Kopf. Die Kommunikationsexpertin, die alles aufsaugt und sogar an der Warteschlange an der Kasse liest, landet in einer Klinik im Allgäu beim "medizinischen Stubenarrest". So beginnt das Buch: mit der Erfahrung, wie es ist, nichts zu tun, nichts zu hören und zu lesen. Wie es ist, wenn die Welt aus Müsli mit Dinkelflocken und Rehen vor dem Fenster besteht.
Meckel scheute -- wie wohl viele Akademiker -- eigentlich die Welt der Selbsthilfegruppen und der Therapie, das merkt man. Das Buch zeichnet den Weg nach, auf dem sie als Patientin erkennt, was daran das Gute ist. Die Klinik verlangt ihr einiges ab, vom Schlafentzug bis zur Gruppensitzung, in der die Teilnehmer sagen, mit wem sie verreisen würden und mit wem auf keinen Fall. Ihr Privatleben gibt Meckel in dem Buch nicht preis, gleichwohl kommt die Freundin Anne Will vor: Diese schneidet ihr nach einem philosophischen Gespräch dazu passend ein Stück aus einem Geschirrhandtuch heraus, das sie bei sich trägt. (Rowohlt Verlag, Reinbek 224 Seiten, 16,95 Euro)
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Kommentare
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(Gast) querulant
Nur selten schluchze ich beim Leser der...
mehr 16.09.2011--19:56
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(Gast) Caroline Z.
... haben Sie, einen ganz wichtigen "link" auf...
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