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Wendepunkt
Sozialpädagogin Wencke Rudolph-Ziethen (rechts) im Wendepunkt, zusammen mit Meik Schwenk und Anastasia Köhler aus dem Team. (Foto: lat)

Wendepunkt sucht Waschmaschine

Im Wendepunkt, der Anlauf- und Beratungsstelle für Wohnungslose in Lüneburg, gibt es eine warme Dusche, eine warme Mahlzeit und auch wärmende Gespräche für alle, die darauf angewiesen sind. Was es derzeit aber auch gibt, ist Stau vor der Waschmaschine, denn davon gibt es nur eine – dabei wollen viele Menschen ihre Sachen waschen.

Lüneburg. Der Wendepunkt des Lebensraum Diakonie in der Salzstraße bietet ein sogenanntes Basisangebot für wohnungslose Menschen. Es ist ein Ort, an dem sich Leute aufhalten, aufwärmen, duschen und ihre Wäsche waschen können. Auch Verpflegung gibt es dank der Küche.

Besonders wichtig ist aber die Beratung vor Ort, etwa bei Sozialpädagogin Wencke Rudolph-Ziethen. Sie sagt, im Wendepunkt sind derzeit 422 Personen postalisch gemeldet. Eine Adresse sei unerlässlich für den Nachweis im Jobcenter, damit ein Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 bestehe. Diese 422 Menschen habe keine eigene Wohnung, sie wohnen mal bei Bekannten oder mal in der Herberge. "Das ist die versteckte Wohnungslosigkeit. Aber Menschen, die wohnungslos sein wollen, das gibt es im Grunde gar nicht mehr", sagt Wencke Rudolph-Ziethen. Es gebe nur Leute, die es in gewissen Unterkünften nicht aushalten würden.

Maximal 525 Euro kalt für 50 Quadratmeter

Doch eine 50 Quadratmeter-Wohnung im Sinne des Jobcenters darf für Alleinstehende maximal 525 Euro kalt kosten. Eine kaum zu lösende Herausforderung. Aktuell kommt als Schwierigkeit Corona dazu, denn dadurch dürfen sich nicht mehr so viele Personen gleichzeitig im Wendepunkt aufhalten. Der hat sowieso nur drei Stunden am Tag geöffnet, für mehr fehlt die Finanzierung. "Dabei wäre der Bedarf auf jeden Fall da", weiß die Sozialpädagogin – besonders in der Weihnachtszeit.

"Weihnachten ist schwer für viele. Da fühlen sich manche allein, und nichts hat geöffnet." Im Wendepunkt versucht man daher, dagegen zu steuern. Der Tannenbaum wurde zusammen geschmückt, und Wencke Rudolph-Ziethen und ihr zwölfköpfiges Team überlegen, welche Angebote es für die Weihnachtstage geben kann. Einen ganz praktischen Wunsch hat das Team dabei auch. "Eine zweite Waschmaschine wäre wirklich toll. Aktuell haben wir nur eine, und die schafft nicht so viel, wie wir gerne schaffen würden." lat/lvc

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