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Leben mit Arm- oder Beinamputation – ein Einschnitt ins Leben!

Foto: nh/Reha-OT Lüneburg Melchior und Fittkau GmbH

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Jedes Jahr erleiden durchschnittlich 60.000 Menschen in Deutschland eine Amputation an der unteren Extremität durch unterschiedliche Faktoren wie Erkrankungen und Unfälle. Der Großteil der Amputationen geschieht aus lebenserhaltenden Maßnahmen, um einer Erkrankung Einhalt zu gebieten oder schlimmeren Folgen vorzubeugen. Haupterkrankung und steigend ist hier die Diabetes. Armamputationen kommen weniger häufig vor, aber auch angeborene Fehlbildungen wie fehlende oder stark verkürzte Extremitäten zählen zu den Amputationen dazu. Eine Amputation stellt für den Betroffenen und die Angehörigen einen massiven Einschnitt in das Leben dar und wird dieses tiefgreifend verändern: In der Beinamputation mit Einschränkungen in der Mobilität des Gehens, im Alltag und Beruf, in der heute nicht wegzudenkenden Mobilität mit Auto oder Fahrrad fahren, aber auch sportlichen Aktivitäten. Bei Armamputationen sogar mit Einschränkungen zum Beispiel in der Nahrungsaufnahme, Körperhygiene etc.

Viele Betroffene fragen sich bereits vor der Amputation, ob und wie es danach weitergehen kann und ob man in ein selbstbestimmtes Leben zurückfinden kann. Der Weg dahin zurück ist für viele Betroffene lang und nicht einfach, aber er ist mit einem Expertenteam an der Seite der Familie und zuletzt mit dem Willen machbar. Für Betroffene und ihre Angehörigen stehen vor und nach der Amputation Ärzte, Psychotherapeuten, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Orthopädietechniker und Reha-Manager oder auch Selbsthilfegruppen wie zum Beispiel der Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e.V. (BMAB) mit sogenannter PEER zur Verfügung. PEER steht für gleichgestellt, hier berät ein Betroffener den Betroffenen vor und nach einer Amputation.



Nach der Amputation ist es im Rahmen der Genesung wichtig, dass frühzeitig mit Physiotherapie begonnen wird, und auch bereits schon ohne dass ein prothetisches Hilfsmittel dazu genutzt wird. Wichtig sind hier zum Beispiel Kräftigungsübungen des gesamten Körpers sowie ein gezieltes Training und die richtige Lagerung der Amputationsseite. Auch hierbei unterstützt das Klinikpersonal, die Physiotherapie oder die Orthopädietechnik. Wichtig ist, dass unter allen Beiteiligten ein fachlicher Austausch stattfindet, damit die Versorgung bestmöglich begleitet und später eingesetzt werden kann.

Arm- wie beinprothetisch sind die Techniken heute so weit, dass fast alles mit Prothesen wieder möglich ist. So fertigt die Orthopädietechnik Arm- und Beinprothesen für den Alltag, den Sport und auch in wasserfesten Ausführungen. Auch im Bereich der kosmetischen Gestaltung ist es möglich, dass zum Beispiel Armprothesen täuschend echt aussehen und von der erhaltenen Seite kaum zu unterscheiden sind. Die Prothesen sind heutzutage aus modernen Hightech-Materialien und es werden fortlaufend neue innovative Techniken und Materialien entwickelt. Hier leisten Informationen der Experten über neue Möglichkeiten einen wichtigen Beitrag.

Im Bereich der Armprothetik haben sich mittlerweile viele Firmen mit einem Qualitätssiegel zertifizieren lassen. Der Verein zur Qualitätssicherung der Armprothetik hat einen Versorgungsleitfaden entwickelt, der eine einheitliche und qualitativ hochwertige Versorgung für die Patienten und zudem Transparenz für die Kostenträger sicherstellen soll. Wichtig für Ihr individuelles und auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittenes, nahezu perfektes Hilfsmittel ist, dass Sie umfangreich informiert werden und auch den Experten Fragen stellen sowie Ihre Ziele äußern. Die Orthopädietechnik bietet bereits in vielen Bereichen eine hoch digitalisierte Prothesentechnik zum Beispiel zur Maßnahme der Schafttechniken mittels 3-D-Scan oder Fertigung im 3-D-Druck.



Ihre Prothese ist in Zukunft ein entscheidender Teil und ewiger Begleiter Ihres Alltages. Da eine Prothese bei aller Technik nicht eigenständig funktioniert, und damit Sie mit der Prothese Ihren Alltag meistern können, wird nach der ersten Reha immer empfohlen, wiederkehrend eine Gang- oder eine Gebrauchsschulung durchzuführen. Auch hierfür finden Sie versierte Experten oder ihren Arzt sowie die Orthopädietechnik, die hier Empfehlungen aussprechen können. Sinnvoll ist es, Therapeuten oder Einrichtungen zu wählen, die sich auf die Prothetik spezialisiert haben und auch für ihre Prothesentechnik zertifiziert sind. Ebenso wichtig ist es, dass die Therapie sich mit den Leistungen und den Grenzen der individuellen Prothese auskennt und diese auch in das Training einbindet. Eine Prothese bedeutet für den Betroffenen ständiges Training, damit die Mobilität und die Selbstbestimmung erhalten bleiben und die Ziele des Alltages erreicht werden können. Für Angehörige bedeutet die Amputation, den Betroffenen zu unterstützen und Verständnis für ihn aufzubringen, wenn dieser nicht mehr ganz so schnell ist oder mal einen schlechten Tag hat.

EXPERTENTIPP


Anja Ebener, Orthopädietechnikmeisterin und Expertin für Hand- und Armprothetik
„Herauszufinden, was die individuellen Bedürfnisse und Wünsche sind, und welche Anforderungen das zukünftige Hilfsmittel im Alltag des Betroffenen erfüllen soll, ist entscheidend für die Auswahl der technischen Komponenten. Es gibt heute unzählige Möglichkeiten – eine Beratung klärt auf und informiert und ist der Grundstein für eine optimale und langfristig erfolgreiche Versorgung, die einen Zugewinn an Lebensqualität verspricht.“

Foto: ©Ottobock

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