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Und jetzt mal alle an den grünen Tisch!

A lake in the shape of the world's continents in the middle of untouched nature. A metaphor for ecological travel, conservation, climate change, global warming and the fragility of nature.3d rendering

A lake in the shape of the world's continents in the middle of untouched nature. A metaphor for ecological travel, conservation, climate change, global warming and the fragility of nature.3d rendering

Wenn wir unsere Energieversorgung langfristig sichern wollen, müssen wir mutig neue Wege einschlagen. Dialogbereitschaft gehört dazu.

Nie waren die Deutschen so bereit wie heute, den Ausbau der erneuerbaren Energien mitzugehen: Die weltpolitische Situation hat die Energiewende enorm beschleunigt. Über das Ziel ist man sich im Wesentlichen einig, allein der Weg wird nicht unbedingt ein leichter sein. Doch schon jetzt setzen sich mehr Menschen denn je mit den Möglichkeiten auseinander, diese Wende so sicher, nachhaltig und sozialverträglich wie möglich zu realisieren.

Die Energiewende benötigte schon länger einen ordentlichen Ruck in die richtige Richtung. Denn vieles läuft bei uns trotz guten Willens etwas zäh: So hat sich mancher, der sein Eigenheim mit Solarenergie umweltfreundlich ausrüsten will, durch ein Dickicht von Gesetzesvorschriften und Auflagen zu kämpfen – und die machen es uns nicht unbedingt leichter. Auch der Ausbau von Windkraft ging in den letzten Jahren eher schleppend voran, juristische Auseinandersetzungen zogen Prozesse oft um Jahre in die Länge. Mit dem Preisschock und der wachsenden Angst um unsere Versorgungssicherheit scheinen sich hier grundlegende Veränderungen anzubahnen: Der Ausbau soll einfacher und unkomplizierter laufen. Der europäische "Grüne Deal" nimmt möglicherweise schneller Fahrt auf als viele EU-Länder zu hoffen wagten. Und vielleicht könnte auch manche bürokratische Hürde für den Endverbraucher gesenkt oder gar ganz abgebaut werden.

Her mit den Erneuerbaren – aber nicht um jeden Preis.

Schon im Zuge der Corona-Pandemie hatte die Offenheit der Deutschen für grüne Alternativen stark zugenommen: So geben laut einer McKinsey-Umfrage über die Hälfte der Befragten seit der Pandemie mehr Geld für nachhaltige Produkte aus. Jeder zweite bestätigte, mit seiner Produktauswahl den ökologischen Fußabdruck reduzieren zu wollen – zwei Drittel allerdings würden noch mehr davon kaufen, wenn's günstiger wäre. 1 Mit den aktuellen Entwicklungen in der Gasversorgung haben vor allem nachhaltige Energiequellen an Popularität gewonnen, wobei der Wunsch nach mehr Sicherheit und Unabhängigkeit für die Teilnehmer einer Forsa-Umfrage klar im Zentrum steht: Eine große Mehrheit der Deutschen spricht sich heute für die Nutzung erneuerbarer Energien aus. Für 75% der Befragten steht Solarenergie dabei auf Platz Eins der Hitliste, erst danach folgt die Windenergie.2 Auch Führungskräfte der Wirtschaft zeigen sich zunehmend offen für neue nachhaltige Energielösungen – wenn sie denn der Ökonomie ebenso nutzen wie der Ökologie. Oder ihr zumindest nicht schaden.3

Das energiepolitische Zieldreieck: ein Balanceakt.

Energie, die ebenso sicher wie preiswert und nachhaltig ist? Diese Herausforderung wird uns noch lange beschäftigen: In den kommenden Jahren wird es in erster Linie darum gehen, die unterschiedlichen Interessen auf einen gemeinsamen grünen Nenner zu bringen. Denn Ökonomie, Ökologie und Soziales beeinflussen sich wechselseitig und sind nicht getrennt voneinander zu betrachten, wenn nachhaltige Veränderungen auch nachhaltig stabil bleiben sollen.

Als ein Modell für diese Abhängigkeiten hat sich das sogenannte "energiepolitische Zieldreieck" etabliert. Seine drei Eckpunkte Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit zeigen, dass auch der Aspekt der Nachhaltigkeit als Teil des Ganzen mit ökonomisch-gesellschaftlichen Entwicklungen und sozialen Interessen in Einklang gebracht werden muss. Was erstmal sehr theoretisch klingt, wird bereits vielfach praktiziert: zum Beispiel, wenn Firmen auf Produkte mit langen Lebenszyklen setzen statt auf schnellen Umsatz – und damit nicht nur Umwelt und Kundschaft einen Gefallen tun, sondern sich auch positiv von der Konkurrenz abgrenzen. Oder wenn Neubauprojekte mit innovativen Kreislaufsystemen dazu führen, dass Mieter langfristig nicht nur nachhaltiger, sondern auch günstiger leben. Anders ausgedrückt: Eins hängt mit dem anderen zusammen. Wenn wir in der Energiewende nachhaltig vorankommen wollen, müssen wir aufeinander zugehen, wir müssen ganz sicher mutiger und vielleicht auch kompromissbereiter sein als bisher.

Für die Energiewende brauchen wir Mut, Geduld und Dialogbereitschaft.

Gerade im Bereich der Erneuerbaren gehen aktuell viele Länder mit gutem Beispiel voran. So kombiniert man z. B. auf Madeira Wind- und Wasserkraft zu einem innovativen Speichersystem, über das man auch bei Windstille jederzeit sauberen Strom gewinnen kann. Die Isländer wiederum nutzen die Geothermie des Landes zur Gewinnung besonders günstigen grünen Stroms, ziehen damit viele Firmen an und schaffen neue Arbeitsplätze.4 Auch bei uns geht man bereits mancherorts neue Wege: Der Salzgitter-Konzern realisiert z. B. zusammen mit Linde und Avacon die erste industrielle Sektorenkopplung Deutschlands an einem Standort. Für die Veredlung der Stahlprodukte wird hier grüner Wasserstoff eingesetzt, der direkt vor Ort erzeugt wird.
Nicht jede Krise ist eine Chance, und manche Krisen sind schlicht zu gravierend, um sich einfach in Chancen verwandeln zu lassen. Dennoch lässt die Beschleunigung der Energiediskussion hoffen, dass wir jetzt die Situation nutzen können, um selbst neue, kreative Lösungen zu entwickeln.


EXPERTEN-MEINUNG
Marten Bunnemann, Vorstandsvorsitzender der Avacon AG, über die Energieversorgung in Lüneburg

„Wenn wir unsere Energieversorgung langfristig sichern wollen, müssen wir jetzt noch stärker in intelligente Stromnetze investieren.



Die aktuelle Situation zeigt überdeutlich, wie wichtig die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten für unsere Versorgungssituation ist. Den Weg dahin schaffen wir langfristig nur mit erneuerbaren Energien und einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur, die unsere Kapazitäten besser und intelligenter verteilt! Mit dem Leuchtturmprojekt „Smart Energy Region Lüneburg“ setzen wir deshalb schon jetzt den ersten Meilenstein für das Stromnetz der Zukunft: Damit machen wir einen Riesenschritt hin zu einer dezentralen, hochgradig auf den Erneuerbaren basierenden Energieversorgung. Das wird uns auf Dauer auch resilienter machen gegenüber externen Einflüssen."

Zeitenwende: Herausforderung für unsere Energiewelt (Puls auf Grün Episode#1 anschauen) https://www.youtube.com/watch?v=oJmNh8wQn-Y

Textquellen:
1 Zur Befragung McKinsey & Company, Mai 2021:
www.mckinsey.com/de/news/presse/2021-05-17-pm-nachhaltiger-konsum

2 Zur Forsa-Umfrage vom April 2022:
www.welt.de/politik/deutschland/article238884877/Forsa-Umfrage-Deutsche-plaedieren-fuer-mehr-erneuerbare-Energien.html

3 Deloitte Sustainability Report:
www2.deloitte.com/de/de/pages/sustainability1/articles/cxo-sustainability-survey-2022.html

4 Phönix Mediathek:
www.phoenix.de/sendungen/nachrichten/gute-nachrichten-vom-plan-a-2850173.html

Bildquellen:
Titelbild: Foto Petmal/iStock
Portrait Marten Bunnemann: Foto André Walther

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