Donnerstag , 20. September 2018
Aktuell

Jubiläum zu 50 Jahren Fußgängerzone


Einst war sie die Hauptverkehrsstraße der Stadt, sogar die Bundesstraße 4 verlief einmal durch die Bäckerstraße. Waren, Kulturgüter, politische Meinungen - all das wird von Passanten seit Jahrhunderten in der "Bäcker" ausgetauscht. Mit ihnen tummelten sich zunächst Pferdewagen, Handkarren und Fahrräder auf der 265 Meter langen Meile. Später zwängten sich Autos, Busse und Lastwagen durch das Nadelöhr in der Altstadt.

Dann der radikale Wandel: Vor rund einem halben Jahrhundert wurden die Große und die Kleine Bäckerstraße zu Lüneburgs erster Fußgängerzone umgebaut. Das hatte Auswirkungen nicht nur auf den Verkehr, sondern auch auf den Handel und das Leben auf Lüneburgs Flaniermeile Nummer 1.

Die Landeszeitung feiert das Jubiläum der beiden Straßen Online und in der Zeitung mit einer Serie. Ab 6. März 2018 gibt es wöchentlich eine Folge zu einem der Schwerpunktthemen Verkehr, Architektur, Handel, Politik und Lebensart auf der Bäckerstraße mit vielen Fotos, Filmsequenzen, Erzählungen von Zeitzeugen, Tondokumenten und mehr. Begeben Sie sich mit der Landeszeitung auf einen "Bäckerbummel" durch die Jahrzehnte. Wir wünschen viel Vergnügen!

Folge 8: Lebensart in der Bäckerstraße

Laut, bevölkert und voller Leben - so würden die meisten Besucher der Bäckerstraße die Meile zwischen Sand und Markt beschreiben. LKWs beliefern die Geschäfte. Touristen bestaunen die alten Gemäuer. Werbetreibende versuchen Passanten abzufangen. Kinder spielen auf den letzten verbliebenen Spielgeräten und beäugen die Straßenkünstler, während Shopping-Wütige von Laden zu Laden tingeln. Anwohnerin Ingeborg Bellmann bekommt den Rummel in ihrer Straße tagtäglich hautnah mit. An Markttagen oder bei Großveranstaltungen wird ihr das auch schon einmal zu viel, berichtet sie im Interview.

Doch die Bäckerstraße kann auch anders. Nach Ladenschluss liegt sie leise da und jeder Schritt auf dem Pflaster hallt beim Gang durch die Gasse von den Häuserfassaden wieder. Dann gehört die Bäckerstraße wieder ihren Bewohnern, die die zentrale Lage im Kern der Stadt und das zum Teil herrschaftliche Wohn-Flair in den historischen Häusern schätzen.

In der letzten Folge der Multimedia-Reihe "Alles Gute, Bäckerstraße!" zeigen wir diese beiden Seiten vom Leben auf der Bäckerstraße. Ingeborg Bellmann und Rüdiger Golumbeck berichten im Audio-Interview, wie sie als Anwohner den Rummel vor ihren Fenstern wahrnehmen. Zu den Klängen von Wolle Kawohls "Bäckerbummel" aus dem Jahr 1977 zeigen wir außerdem historische Bewegtbilder aus den 1920er bis 70er Jahren von der Bäckerstraße. Begleiten Sie uns auf einen letzten Bäckerbummel - viel Spaß!



Ingeborg Bellmann über das Leben in der Bäckerstraße

Rüdiger und Barbara Golumbeck und ihr Bäckerstraßen-Garten

Folge 7: K-Gruppen und Anti-Atomkraft-Bewegungen auf der Bäckerstraße


Noch heute stehen - zu Wahlkampfzeiten - Stände von unterschiedlichen politischen Parteien in der Bäckerstraße und versuchen mithilfe von Flyern, Werbegeschenken und Gesprächsangeboten potentielle Wähler anzulocken. So weit, so üblich. In den 70er- und 80er-Jahren ging es hier um einiges revolutionärer zu: Studenten machten die nationalsozialistische Vergangenheit ihrer Väter zum Thema, sie wollten mehr Demokratie wagen, und Sex and Drugs and Rock‘n‘Roll machten auch Spaß. Es war die Zeit, in der in der Bäckerstraße die - untereinander häufig zerstrittenen - K-Gruppen ihre Sicht der Dinge der Welt verkündeten. Und später gesellten sich noch die Atomkraft-Gegner dazu.


Auch LZ-Chefreporter Carlo Eggeling gehörte als Jugendlicher kurze Zeit zu denen, die in den 70er- und 80er-Jahren auf der Bäckerstraße sich für linke Ideen und gegen Atomkraft einsetzten. Im LZplay-Video begleitet Eggeling Bettina Küntzel auf einem Spaziergang über die Bäckerstraße und erinnert sich an längst vergangene Zeiten.

 

Die nächste - und letzte Folge zum Thema Lebensart in der Bäckerstraße erscheint am 17. April.

Folge 6: Straßenkunst in der Bäckerstraße


Was wäre die Bäckerstraße ohne Straßenmusiker, Kleinkünstler und Schauspieler, die an Markttagen die Passanten zum Innehalten verleiten? Schon früh haben Künstler die Flaniermeile als Bühne für sich entdeckt. Musiker aus der ganzen Welt haben bereits auf der "Bäcker" Halt gemacht - einige nutzten sie als Sprungbrett zur, andere als Rückzugsort von der großen Karriere.

Die Darbietungen sind nicht Jedermanns Geschmack - vor allem nicht in der Dauerschleife. Gelegentliche Ärgernisse gipfelten im Sommer 1992 in massiven Beschwerden von Anwohnern und Geschäftsleuten, gefolgt von einer Bürgerversammlung Mitte Oktober, bei der die Genervten ihrem Anliegen Luft machten. Im Februar 1993 verpasste der Rat der Straßenkunst in der Innenstadt einen Maulkorb: Ab diesem Zeitpunkt brauchten Straßenmusiker eine Genehmigung der Stadt. Maximal zwei Gruppen gleichzeitig dürfen seitdem in der Bäckerstraße im Abstand von mindestens 70 Metern auftreten, nach 30 Minuten muss der Standort gewechselt werden. Diese Regeln gelten bis heute, lediglich die maximale Gesamtspieldauer wurde zwischenzeitlich von damals eineinhalb auf heute eine Stunde begrenzt.

Trotzdem kehren viele Künstler immer wieder gern zurück in die Bäckerstraße. "It's a beautiful town", schwärmte schon 1987 der schottische Gitarrist Stanley Hooker. Die Auftritte lohnen sich, für die Musikerseele und für das Gagenkörbchen: "Lüneburg war das beste Pflaster", so der Pianist Arne Schmitt im Jahr 2000 über die damalige Tournee mit seinem Klavier. Welche Straßenkünstler sind Ihnen in Erinnerung geblieben? Welche Gesichter kommen Ihnen noch bekannt vor? Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zu unserer digitalen Bildermappe mit Straßenkünstlern der letzten Jahrzehnte auf der Bäckerstraße.

Montage: kg, Fotos: Verschiedene

Die nächste Folge zur Bäckerstraße als Politmeile erscheint am 10. April 2018.

Folgen 4 und 5: Handel auf der Bäckerstraße


Im Jahr 1960 stellt das Lebensmittelgeschäft "Thams & Garfs" auf Selbstbedinung um."Herrenkleidung ist nicht nur Männersache allein. Wir legen Wert auf das modische Fingerspitzengefühl der Frau.", schreibt das Spezialhaus Kreplin in seiner Werbeanzeige. In den Schuhläden ist gerade der "Herren-Sling" en vogue und das Musik-Fachgeschäft Bohnhorst annonciert 1969 als neue Attraktion drei Hörkabinen mit Stereo-Wiedergabe.



All das geht aus Anzeigen der 1960er-Jahre von Geschäften der Großen und Kleinen Bäckerstraße in der Landeszeitung hervor. Angebot, Produkte, Slogans und Grafiken geben Einblick in das gesellschaftliche Leben der Zeit, als sich die Bäckerstraße von der Durchgangsstraße zur Flanier- und Konsummeile verwandelte.


Die nächste Folge zu Kunst und Kultur auf der Bäckerstraße erscheint am 3. April 2018.

Folge 3: Baukultur auf der Bäckerstraße


Erinnern Sie sich noch an die Vitrinen und Blumenkübel in der Großen Bäckerstraße, die bis in die 1990er Jahre das Straßenbild prägten? Oder das alte Kaufhaus F.C. Meyer? Wir lassen die Architektur der unterschiedlichen Jahrzehnte auf der Flaniermeile bei einem virtuellen Spaziergang wieder aufleben: Rechts sehen Sie eine Landkarte, auf denen die insgesamt 18 Stationen markiert sind. Wir starten den Bäcker-Bummel vor der Einhorn-Apotheke am Sande, arbeiten uns durch die Kleine und Große Bäckerstraße hindurch und landen am Ende am Marktplatz. Tauchen Sie mit uns ein in längst vergangene Zeiten.






Die nächste Folge über den Handel in der Bäckerstraße erscheint am 27. März 2018.

Folge 2: Verkehrsberuhigung auf Lüneburgs Hauptgeschäftsstraße


Rund 800 Fahrzeuge und 5000 Fußgänger drängten sich zur Verkehrszählung an Pfingsten 1962 in einer normalen Vormittagsstunde auf der einspurigen Fahrbahn und den viel zu engen Bürgersteigen durch die Hauptgeschäftsstraße von Lüneburg. Die LZ schrieb damals: "Die Belastung der kleinen Bäckerstraße zeigt wieder einmal eindeutig, dass hier etwas geschehen muss!" Die einstige Vorzeige-Straße galt Anfang der 1960er Jahre als voll, dreckig und laut. Eine Geschäftsstraße, in der die Kunden nicht mit dem Auto bis vor die Ladentür fahren können, war trotzdem für viele Menschen immer noch undenkbar.


Doch andere Städte machten es vor, schon in den 1950er Jahren wurden in Kassel, Kiel und Stuttgart die ersten Fußgängerzonen eingerichtet. 1965 zieht Lüneburg mit der Kleinen, 1968 mit der Großen Bäckerstraße nach und befreit die Verkehrsader vom Blech. Eine Entwicklung, die bis heute andauert, weiß der Lüneburger Verkehrsgeograf Prof. Peter Pez:

 

Die nächste Folge zu Architektur auf der Bäckerstraße erscheint am 20. März 2018.

Folge 1: Vom Mittelalter bis zur Neuzeit


In der Multimedia-Serie legen die Autoren den Fokus auf die Zeit nach dem Umbau der Bäckerstraße zur Fußgängerzone. Doch wie entwickelte sie sich vor den 1960er-Jahren? Eine Bilder-Galerie gibt zum Auftakt der Serie Einblick in die Geschichte der Straße und ihre Namensgeber.

 

Die nächste Folge über den Verkehr auf der Bäckerstraße erscheint am 13. März 2018.

Ein Projekt von Carlo Eggeling, Katja Grundmann und Robin Williamson.
Mit Unterstützung von Heidi Staack (LZ-Archiv) und dem Stadtarchiv Lüneburg.

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