Aktuell
Home | Allgemein | Mehr Sicherheit an der Ilmenau
Im Oktober war eine junge Frau am Behördenzentrum in die Ilmenau gestürzt. Ihr Fall hat nun Konsequenzen. Foto: t&w

Mehr Sicherheit an der Ilmenau

Lüneburg. Die Radlerin selber räumte ein, sie sei wohl „etwas unbedacht“ gewesen als sie in Höhe des Behördenzentrums über die Kopfsteinpflasterstrecke strampel te – nahe an der Ilmenau. Sie rutschte weg und stürzte rund drei Meter tief in den Fluss. Nur mit Mühe kam sie wieder an Land: Aufstiegshilfen fehlen dort. Das war im Oktober. Nach einigem hin und her will die Verwaltung nun handeln, das bestätigt in der Pressestelle des Rathauses Suzanne Moenck: „Die Planungen für ein Geländer und eine Aufstiegshilfe laufen.“ Im Laufe des Jahres soll die Aktion Sicherheit am Flussufer umgesetzt werden: „Es ist eine präventive Maßnahme.“ Abstimmen müsse man sich unter anderem mit der Denkmalpflege.

Das Schicksal der 36-Jährigen ist ein Einzelfall, weitere Unfälle von Radlern in den vergangenen Jahren sind nicht bekannt. So erklärt Suzanne Moenck denn auch: „Aus Sicherheitsgründen wäre ein Geländer nicht zwingend erforderlich.“ Doch man wolle vorsorglich handeln, denn dadurch, dass der Abschnitt zur Fahrrad- und Fußgängertrasse am Treidelpfad entlang der Ilmenau gehöre, seien dort viele Menschen unterwegs. So könne man die Situation entschärfen.

„Zu exquisit” solle es nicht werden

Rettungsringe wurden bereits aufgehängt. Neben einem Geländer soll es auch Aufstiegshilfen geben. Eben das hatte die abgestürzte Radlerin moniert: Da vor der alten Kaimauer ein etwa 50 Zentimeter breiter Betonsockel verlaufe, habe sie zunächst keine der Eisenleitern erreichen können, die am Gemäuer in die Höhe führen. Nur mit Mühe erhaschte die sportliche Frau schließlich eine der Sprossen und konnte sich emporziehen.

Im Rathaus will man die Absicherung in das Konzept Grünband Innenstadt einbeziehen. Kurz erklärt meint das unter anderem, Flächen zwischen Kalkberg, Kreidebergsee und der sogenannten Bastei, dem Park am Schifferwall, sollen als Naherholungsgebiet für Lüneburger und Touristen attraktiver werden. Für die Vorhaben winken aus einem Programm des Bundes Fördermittel.

Was die Einfassung zwischen Ilmenaubrücke an der Reichenbachstraße und der Warburg kosten wird, sei noch nicht kalkuliert, berichtet Suzanne Moenck. Auch zum Aussehen des Geländers kann sie keine Aussagen treffen. Zwar werde der Denkmalschutz eingebunden, aber „zu exquisit” solle es nicht werden.

Von Carlo Eggeling

Riskant

Von Carlo Eggeling

Das Leben ist immer lebensgefährlich”, notierte der Schriftsteller Erich Kästner. Nun sind wir in einem Land zu Hause, in dem alles noch besser geregelt werden soll, zum Ausschalten jeglicher möglichen Gefahr; denn das Leben kann so gemein sein. Die Sehnsucht nach einem Leben ohne Risiko lässt sich wahrscheinlich künftig an den Resten des historischen Hafens besichtigen. Weil eine Frau, die sich offenbar nicht gerade klug verhielt, in den Fluss stürzte, soll ein Geländer her. Ähnliche Abstürze sind nicht bekannt. Und: Wer ein bisschen nachdenkt, der radelt auf einem breiten Weg nicht so eng an der Kante entlang. Dass es Möglichkeiten geben muss, im Fall der Fälle, um aus dem Wasser an Land zu gelangen – na klar. Aber dass für Tausende von Euro ein Zaun gegen die Unbedachtheit aufgestellt werden soll, wirkt – gelinde gesagt – eigenwillig. Was kommt als nächstes: Fangnetze am Ufer des Treidelpfads, um gefallene Mädchen vor dem Fluss zu bewahren? Schirme im Wald, die abenteuerlustige Jünglinge, die nach Stürmen mit dem Mountainbike unter angeknacksten Bäumen herumtollen wollen, vor herunterfallenden Äste bewahren? Verschandelt ist die Ecke bereits genug durch den Behördenklotz. Das bisschen Würde der uralten Kaimauern sollte man dem Hafen lassen, der zur DNA des historischen Lüneburg gehört. Und wie gesagt: Das Leben ist immer lebensgefährlich.