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Rund 100 Millionen kostet der Libeskind-Bau, und das Land zahlt

Lüneburg, 6. Dezember 2016

Gut hundert Millionen Euro sind aktuell zur Finanzierung des Zentralgebäudes der Universität Lüneburg aufgerufen. Damit nimmt der Libeskind-Bau im kleinen Lüneburg – was Bauverzögerung, Kostensteigerung und Debatten-Dauer und Ungereimtheiten angeht – schon einen Sperrsitz in der Loge hinter der Elbphilharmonie und dem Hauptstadtflughafen ein.

Die Finanzierung des Baus, der anfangs 58 Millionen Euro kosten sollte, weist eine Millionen-Lücke auf, die, daran besteht kaum Zweifel, das Land schließen muss. Die Uni würde sich daran vermutlich verschlucken, trotz des guten Marktes für ihre Immobilien.

Der Bau, das sei gesagt, ist atemraubend, ein Solitär, der aber, am Rande des Campus,  wie vom Himmel gefallen aussieht. Außer-lüneburgisch in jedem Fall.

Warum also sollte das Land für Libeskind zahlen? Weil die Regierung und die Politiker mehrere rote Ampeln übersehen haben.

Die Oberfinanzdirektion in Hannover und das Rechnungsprüfungsamt haben schon zu Beginn und mehrfach vor der riskanten Finanzierung, der Unterveranschlagung und dem überdimensionierten Bau gewarnt.  31,4 Millionen Euro, prognostizierte das Rechnungsprüfungsamt 2011, wären ausreichend für einen Uni-Zweckbau. Aber das reichte dem Uni-Duo Spoun/Keller nicht fürs Prestige, nicht für die Symbolkraft und schon gar nicht für Libeskind, den US-Stararchitekten. Und als das Land aus dem Tiefschlaf aufwachte und die Kontrolle verschärfte, war es zu spät.

Spätestens der Olaf-Bericht des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung, in dem die Verben „umgehen“ oder „verschleiern“ feste Größen sind, hätte das Land und die Politiker aufschrecken müssen.

Der Libeskind-Bau könnte so für die Regierung-Weil zu einem Sprengsatz im Landtagswahlkampf Anfang 2018 werden. Denn die Schlussrechnung für den Bau, den die Oberfinanzdirektion im schlimmsten Fall bei 125 Millionen Euro angesetzt hat, lässt lange auf sich warten.

Danach ist das Audimax-Management in der Pflicht. Im Gutachten zum Finanzierungskonzept aus dem Jahr 2013 , das noch von 78 Millionen Euro Kosten ausgegangen war, betragen die Jahres-Mieteinnahmen mindestens 300 000 Euro. Und zwar schon 2016.

Holm Keller, Wegbereiter des Baus, ehemaliger Vize-Präsident und heutiger Berater der Uni , wird das vermutlich alles für Gewäsch halten. Wer groß denkt, darf sich nicht von Krämerseelen und ein paar Millionen aufhalten lassen.

Dafür hat er in Lüneburg eine feste Fan-Gemeinde an Honoratioren, die als Claqueure jeden Kritiker als Brandstifter beschimpfen. Diese Fans haben natürlich auch immer gewusst, dass es teurer wird, sie haben über Kellers Extravaganzen gelächelt und waren der Meinung: Wenn der Bau fertig ist, hat der Mohr seine Schuldigkeit getan. Aber bei so einem Glanzlicht fragt man doch nicht nur nach Nutzen, Funktionalität und Kosten. Da freut man sich erstmal. Für den Kater bleibt doch später Zeit. Dann, wenn der Teufel, der im Detail steckt, sich zeigt. Wenn der Schlussstrich gezogen wird. Dann ducken sich diese Freunde am Bau kurz weg und schweigen. Und wenn hoffentlich Gras auf dem Libeskind-Dach wächst, dann werden sie mit Sorgenfalten im Gesicht streuen: Tief im Herzen hätten sie ja immer gewusst, dass das ’ne Nummer zu groß ist. Genau.

Hans-Herbert Jenckel

101 Kommentare

  1. „Wer allerdings die Zeche zahlt, lässt die Leuphana-Spitze offen. Sie zitiert da die Wissenschaftsministerin Dr. Heinen-Kljajic, die habe bereits im Juni angekündigt, das Land werde sicherstellen, dass die Finanzierung des Bauvorhabens nicht zulasten von Forschung und Lehre gehe“ steht hier: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/384689-libeskind

    Das war das Muster des Vorgehens der „Leuphana-Spitze“ von Anfang an: Luftschlösser ausmalen, Geltungsgier wecken, Fakten schaffen, Unterfinanzierung verschleiern, Loyalitätszusagen erbetteln, Jubelperser engagieren, ein Dauerfeuerwerk von narkotisierend-suggestivem Reklamegequatsche inszenieren und alles zusammen benutzen, um Geldzuwendungen und mediale Zuversichtsheuchelei zu erpressen („nach dem Kader-Kanon: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“), wobei zusätzlich immer die Studierenden „argumentativ“ in Geiselhaft genommen werden.

    Schon vor zweieinhalb Jahren – in einem von erbittertem Sarkasmus nur so schäumenden Kommentar – haben Sie, Herr Jenckel, der geschäftsführende Redakteur der Landeszeitung (Sonnabend, 19. April 2014, LZ Nr. 92, Seite 11), empfohlen, sich an der Leuphana „neuen Lehr- und Studieninhalten (zu) widmen: Potenzial gäbe es mit dem Audimax als Re-ferenzbau für einen Schwerpunkt Architektur. Schließlich hat man nebenberuflich mit Daniel Libeskind schon einen der ganz großen Baumeister an Bord. Medienrecht und Pressefreiheit als Vertiefungsfach böte sich an. Kritischer wird es bei Kostenrechnung. Es sei denn, es stört niemanden, dass, wenn man mit 57 Millionen kalkuliert, auch 125 rauskommen kann. Das könnte als Lüneburg‘sche Standard-Abweichung in die Lehrbücher Einzug halten.“

    Unter den wenigen Lüneburgern, die sich über viele Jahre hinweg echten kunstgeschichtlichen Sachverstand erworben haben und über die Jahrmarktskategorie des „Spektakulären“ hinausdenken (können), haben Sie, Herr Jenckel, als einziger darauf aufmerksam gemacht, dass ein mega-anspruchsvoll auftrumpfendes Architekturdenkmal wie der in seinen schieren Maßen und Proportionen gewaltige Libeskind-Bau (ohne dass über das Eingelöstsein oder auch nur über die Einlösbarkeit dieses Anspruchs bereits etwas gesagt wäre) eben nicht wirken kann, wie er möchte oder soll, weil er in eine bieder beklemmende Enge gezwängt ist, die sein Dasein zu einer Groteske des Wichtigtuerischen macht, wie sie auch entstehen würde, wenn etwa ein Beziehungsreichtum behauptendes Monumentalwerk von Anselm Kiefer oder Andreas Gursky in einer Telefonzelle ausgestellt würde. Schade, Herr Jenckel, dass außer Ihnen bisher noch niemand den Versuch gemacht hat, die ästhetischen Zumutungen neben den ökonomischen Taschenspielertricks und neben den „kommunikativen“ Unverfrorenheiten zu würdigen.

    • Tarnen, tricksen, täuschen

      „Libeskind-Prachtbau in Lüneburg / WER SOLL DAS BEZAHLEN? /Die Leuphana-Uni erntet ERNEUT Kritik wegen des Prestigeprojekts: Rechnungsprüfer stellen das Finanzkonzept der Hochschule in Frage – und werfen ihr vor, Informationen zurückzuhalten.“

      Überschrift und Teaser eines langen Artikels von VOR VIER JAHREN: Der Spiegel, Donnerstag, 07.06.2012, 15:28 Uhr, http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/uni-lueneburg-landesrechnungshof-kritisiert-leuphana-libeskind-bau-a-837511.html

      (P. S.: „Tarnen, tricksen, täuschen: Das erfolgreiche Projektmanagement“ ist der Titel eines Buches von Gerhard Krug aus dem Jahr 2008 / Als Tarnen und Täuschen werden im militärischen Sprachgebrauch alle Maßnahmen bezeichnet, die dazu dienen, einen einzelnen Soldaten oder eine militärische Einheit vor feindlicher Beobachtung bzw. militärischer Aufklärung zu schützen oder den Feind zu falschen Annahmen und Maßnahmen zu verleiten. Der Einsatz von Täuschmaßnahmen erfolgt nur auf Grund eines gesonderten Befehls. Siehe: Der Reibert – Das Handbuch für den deutschen Soldaten, Verlag E.S. Mittler & Sohn GmbH, Abschnitt C, Seite 189 ff.)

      MlG, Gabi Kollert

  2. Was die Ungereimtheiten angeht, nimmt der Libeskind-Bau bestimmt keinen Sperrsitz, sondern einen vorderen Platz in der Loge neben der Elbphilharmonie und dem Hauptstadtflughafen ein.

  3. …Wenn es denn wenigstens irgendwann einen Schlussstrich geben würde..
    Dummerweise ist zu befürchten, dass der absehbar überproportionale Unterhaltsaufwand für dieses
    exklusive Gebäude, zu nicht absehbaren Folgekosten führen wird.

    • Karsten und was meinst du, wann werden Sascha Spoun und sein damaliger Vizepräsident Holm Keller für diese von sachverständigen Personen vorhergesagte und auf betrügerischen Kostenkalkulationen beruhende Verschwendung zur Rechenschaft gezogen? Wahrscheinlich nie! Oder?

  4. Man darf gar nicht daran denken was mit dem Geld, das dieses auf den Campus implantierte Geschwür verschlingt, für Bildung und Forschung getan werden könnte. Und hat eine Universität nicht zuerst einen Bildungsauftrag vor Größenwahn?

  5. Gerfried Krüger

    Sehr geehrter Herr Jenckel,

    in Ihrem „Angespitzt“-Kommentar von Sonnabend, den19. April 2014, aus dem Jan Kernig oben zitiert und den auch ein listenreicher Krawall- und Sparfuchs wie Jochen R. für wenige Cent im LZ-Archiv finden kann, schreiben Sie mit beißender Ironie in Richtung Uni-Präsidium und Rathaus: »In zehn Jahren fragt doch keiner mehr, wie viel Steuer-Millionen im Audimax oder in der Hamburger Elbphilharmonie versenkt wurden. Atemraubende Architektur, das hat Bestand. Und eventuell als Störgeräusch auch ein paar Folgekosten.«

    Oberbürgermeister Ulrich Mädge dagegen sorgte am 6. Juli 2016 beim zehnten »Dies Academicus« — dem Abschluss und Höhepunkt des akademischen Jahres auf dem Hauptcampus der Leuphana in der Scharnhorststraße »kurzzeitig für drückende Stille im Saal«, als er mit fassungslos machender Ignoranz bekanntgab, er stelle dem Gespann Spoun/Keller/Meyer-Guckel blanko einen Freifahrtschein zum Steuergeldverbrennen aus: »„Die Universität macht einen Quantensprung, wenn das Audimax kommt. Ich werde im ganzen Land darauf angesprochen.“ Eher nebensächlich seien daher die Kosten, wichtiger die Bedeutung für die Region. „Bei der Elbphilharmonie redet auch niemand mehr über Geld. Ob das Zentralgebäude jetzt nochmal fünf oder zehn Millionen Euro teurer wird, sollten wir nicht mehr diskutieren“, sagte Mädge, der vor allem die Zukunftsfähigkeit der Hochschule lobte.« (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/343403-leuphana-feiert-akademischen-jahresabschluss)

    Haben Sie eine Erklärung dafür, Herr Jenckel, wie der Oberbürgermeister einer bis über die Hutschnur verschuldeten »Mittelstadt« derartig naiv daherreden kann? Ist leuphanatische Großspurigkeit vielleicht ansteckend? Weder gibt es irgendeinen irgendwie begründbaren Zusammenhang zwischen der Existenz eines modernen Renommierpalastes und der »Entwicklung« einer Hochschule, noch besagt die Tatsache, dass einer auf etwas angesprochen wird, irgendetwas anderes, als – eben – dass er auf etwas angesprochen wird. Dass der Libeskind-Bau irgendetwas »für die Region bedeuten« könnte, ist erstens, außer dass es von Herrn Spoun und seinem tausendköpfigem Marketingbataillon immerzu wiederholt wird, völlig ungewiss und zweitens kann die »Bedeutung für die Region« ebenso gewiss nicht der Grund sein, warum von Land, Kreis und Stadt Unsummen öffentlicher Gelder in das »außer-lüneburgische« Raumgleiterwrack gepumpt werden. Das soll nämlich den Zwecken der Forschung und Lehre genügen, aber nicht, wie Herr Mädge zu wähnen scheint, der Förderung des städtischen Fremdenverkehrs und des Ansehens der hanseatischen Verwaltungsspitze. Wenn Herr Mädge weiter behauptet: »Bei der Elbphilharmonie redet auch niemand mehr über Geld«, dann weist er zum einen unfreiwillig auf die Dimension des Lüneburger Skandals hin und zum anderen verschweigt er, dass hinter der scheinbar ungetrübten Fassade des Hamburger Baudesasters seit Jahren ein erbitterter juristischer Krieg tobt, dessen Ausgang den Stadtstaat höchstwahrscheinlich noch sehr viel weiteres Geld kosten wird. Am Ende lobt Ulrich Mädge »vor allem die Zukunftsfähigkeit der Hochschule«. Wie kann er etwas loben, von dem niemand, aber ganz sicher nicht er, das Allergeringste wissen kann? Zu fragen, ob der Aplomb, mit dem vom Uni-»Management« an aufdringlich »kommunizierten« Schaufensterdekorationen eifriger gearbeitet wird als an der Akkumulation wissenschaftlicher Kompetenzen, mit anderen Worten, ob derartiger »Schaustellerehrgeiz« in irgend einer Relation zu der fintenreich ins Werk gesetzten Baugigantomanie am Bockelsberg stehen könnte, darauf kommt der Oberbürgermeister scheinbar nicht. Stattdessen gibt er das Kriterium bekannt, auf welches es ihm ankommt, wenn er in ungeheuerlicher Leichtfertigkeit verfügt: »Ob das Zentralgebäude jetzt nochmal fünf oder zehn Millionen Euro teurer wird, sollten wir nicht mehr diskutieren«! Dieser Maßstab, nach welchem »fünf oder zehn Millionen« mehr für unseren Oberbürgermeister nicht ins Gewicht fallen, ist allein das »Gerede«. Wenn der Pöbel aufhört zu schwatzen, ist für Ulrich Mädge alles gut. Die Hauptsache ist offenbar, er wird von denen, die auch so denken wie er, im ganzen Land auf seinen vermeintlich imagefördernden »Millionenknaller« angesprochen.

    Haben Sie eine Erklärung dafür, Herr Jenckel, wie der Oberbürgermeister einer bis über die Hutschnur verschuldeten »Mittelstadt« derartig naiv daherreden kann?

    • Hallo Herr Krüger,

      Der Aussage: „Die Universität macht einen Quantensprung, wenn das Audimax kommt. Ich werde im ganzen Land darauf angesprochen.“ – wohnt die ganze Selbstherrlichkeit eines Ulrich Mädge inne.
      Ihm geht es scheinbar bei „SEINER“ Stadt Lüneburg nur um ihn selbst, da er ja schon sooo lange Bürgermeister von Lüneburg ist und da er immer wiedergewählt wurde, ihn auch die gesamte Lüneburger Bürgerschaft zu Füßen liegt.
      Schließlich möchte er ja auch noch vor seiner Pension Oberbürgermeister einer Großstadt Lüneburg werden -siehe Bauwahn und Zuzug.
      Vielleicht sind es diese Worte – frei nach Percy Bysshe Shelly – die in ein paar Jahrzehnten auf seinem Grabstein stehen werden:

      „Mein Name ist Ulrich Mädge, Oberbürgermeister aller Oberbürgermeister –
      seht meine Werke , ihr Mächtigen , und verzweifelt!“

      • Die Universität macht einen Quantensprung, wenn das Audimax kommt. Ich werde im ganzen Land darauf angesprochen.
        der sprung in der schüssel war wohl schon vorher da. ich frage mich nur, warum wurde dieser von allen protagonisten übersehen? wer hat da alles seine schäfchen ins trockene dabei gebracht? heidschnucken haben da bekanntlich einen schwarzen kopf. und rot ist die rose , die in der heide erblüht. schmunzel

  6. Krähe: Ok, er ist ein Mann aus dem Weltraum, versteht ihr, und wir bringen ihn zu seinem Raumschiff.

    Henne: Kann er nicht einfach – hochgebeamt werden?

    Fuchs: Das hier ist die Realität, Michel.

    • Gleichnis vom Überbau

      Es gibt nette Kellner und auch recht garstige. In einem anscheinend gutbürgerlichen Restaurant ließ der Ober meine Begleitung und mich erst mal geraume Zeit warten. Dann kam er mißgelaunt an unseren Tisch, schob mir den nassen Lappen über den Tisch und forderte mich auf, zu wischen, seine Arme wären zu kurz. Bis heute frage ich mich, warum ich das dann auch noch tat.

      So oder so ähnlich geht´s vielen Landtagsabgeordneten in Hannover mit den Leuphana-Obern Spoun, Keller und Volker Meyer-Guckel. Mehr: http://www.zeit.de/2014/31/leuphana-universitaet-lueneburg-libeskind/komplettansicht

      Miriam Wurster

  7. Falls das Gebäude jemals fertig wird: wie hoch werden denn die laufenden Bauunterhaltskosten eingeschätzt? Damit dürfte sich die Stadt Lüneburg ein „schwarzes Loch“ ans Bein gebunden haben, Abreissen und ein vernünftiges Funktionsgebäude bauen kommt vermutlich preiswerter.

  8. wer regt sich noch über die elb- phil auf? genau, niemand. und warum ? genau das gleiche wird in lüneburg passieren. und da es mindestens ein politiker gibt , der dort den prof macht und der gern in der ,,champingpong-leag,, spielt ,wird man von der spd-seite zumindest den ball flach halten.

  9. Sehr geehrter Herr Jenckel,

    Sie schreiben: „Der Libeskind-Bau könnte so für die Regierung-Weil zu einem Sprengsatz im Landtagswahlkampf Anfang 2018 werden.“

    Könnte der Libeskind-Bau, neben manchem anderen Dynamit, an dem die Zündschnur schon züngelnd zischt, nicht auch für unseren lieben, (wegen der blöden Bernd Busemannschen Borkum-Bredouille, einer leidvollen Spätfolge der böse betriebenen Bundespräsidenten-Blamage) von seiner Partei not- und zwangspromovierten CDU-Kandidaten Althusmann noch zu einem Sprengsatz im Landtagswahlkampf Anfang 2018 werden?

    Wer sich daran erinnert, wer die eigentlichen Treiber auf Landesebene gewesen sind, die im Lüneburger Auftrag den Audimax-Wahnsinn in Hannover mit Brüllen und Toben über ihre Zuständigkeits- und Ressortgrenzen hinweg „über den Zaun gehoben haben“, der wird ebenfalls wissen, dass diese Herrschaften auch am 8. Mai 2011 bei der Grundsteinlegung nicht gefehlt haben, sondern in den Farben der reinen, treuherzigen Unschuld dabei fotografiert worden sind, wie sie des Kaisers neuen Kleidern zujubelten, von denen jeder einzelne im Grunde seines Herzens genau wusste, dass es sie gar nicht gab.

    Stehen sie hier nicht, als strahlten sie für einen kleinen glücklichen Augenblick des gelungenen Selbstbetrugs ihre Lügen weg?
    http://www.leuphana.de/fileadmin/_processed_/csm_1105_gsl_totale_e6af393d5a.jpg

  10. Sehr geehrter Ratsherr Michèl Pauly

    was würden Sie denn unternehmen, wenn Sie als leitender Generalstaatsanwalt des Bezirks Celle auf diese desaströse Bescherung schauen würden? Alle Verantwortlichen zu Uli Hoeneß und Martin Winterkorn ins streng demokratiepädagogisch ausgerichtete Umerziehungs- und Arbeitslager „Gute Hoffnung“ schicken? Oder doch einfach die GEZ-Gebühren um zwanzig Euro erhöhen?

    MlG, Ihre Beverli-Chantal Schmalke

    • »Alle Verantwortlichen zu Uli Hoeneß und Martin Winterkorn ins streng demokratiepädagogisch ausgerichtete Umerziehungs- und Arbeitslager „Gute Hoffnung“ schicken?«

      Haha, dazu fällt mir der zappende Zippert ein:

      »Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik in Gang gesetzt. Die deutsche Regierung soll nicht entschieden genug gegen betrügerische Autohersteller vorgegangen sein. Wie stellen sich die weltfremden Technokraten in Brüssel das vor? Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt wird direkt aus Wolfsburg ferngesteuert. Selbst wenn er wollte, könnte er keine Strafen gegen VW verhängen, das ist in seiner Programmierung nicht vorgesehen. Dobrindt gilt als erstes selbstfahrendes Ministermodell, das von Volkswagen auf die Straße geschickt wurde. Sämtliche Steuerelemente sind in seiner überdimensionalen Brille versteckt. Dobrindt kann sich vollkommen autonom im Parlament bewegen, aber bei kritischen Entscheidungen wird er sicherheitshalber von Wolfsburg aus gelenkt, so wie alle anderen Verkehrsminister vor ihm. Fast die gesamte niedersächsische Regierung gilt als Unterabteilung des VW-Konzerns, und der Ministerpräsident wird immerhin von einem umweltfreundlichen Biomassemotor angetrieben.«
      (Quelle: Die Welt, heute, 9. Dezember 2016, Seite 1)

  11. Gemessen an solchen Summen bringen es Unternehmen wie Solarworld (Börsenwert:50 Millionen Euro) Beate Uhse (56 Millionen) oder das Studio Babelsberg (15 Millionen) gerade mal auf Ramschniveau! Selbst die Bäckerei-Kette BackWerk mit ihren 300 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird derzeit für gerade mal 100 Millionen Euro feilgeboten. Ein gutes Audimax-Management kann man sich damit eben auch nicht backen.

  12. „Dafür hat er in Lüneburg eine feste Fan-Gemeinde an Honoratioren, die als Claqueure jeden Kritiker als Brandstifter beschimpfen. Diese Fans haben natürlich auch immer gewusst, dass es teurer wird, sie haben über Kellers Extravaganzen gelächelt und waren der Meinung: Wenn der Bau fertig ist, hat der Mohr seine Schuldigkeit getan. Aber bei so einem Glanzlicht fragt man doch nicht nur nach Nutzen, Funktionalität und Kosten. Da freut man sich erstmal. Für den Kater bleibt doch später Zeit. Dann, wenn der Teufel, der im Detail steckt, sich zeigt. Wenn der Schlussstrich gezogen wird. Dann ducken sich diese Freunde am Bau kurz weg und schweigen. Und wenn hoffentlich Gras auf dem Libeskind-Dach wächst, dann werden sie mit Sorgenfalten im Gesicht streuen: Tief im Herzen hätten sie ja immer gewusst, dass das ’ne Nummer zu groß ist. Genau.“

    Ja, ja, Herr Jenckel, so ist das wenn Honoratioren zu Claqueuren werden: „Lasst wohlbeleibte Männer um mich sein, / mit glatten Köpfen und die nachts gut schlafen.“ Warum will ein Caesar dicke Männer um sich haben? Weil sie ihm nicht unruhig und bedenkenträgerisch erscheinen wie LZ-Redakteure: „Der Jenckel dort hat einen hohlen Blick. / Er denkt zu viel. Die Leute sind gefährlich!“

    Anscheinend haben ALLE immer gewusst, dass es teurer und zwar sehr, sehr, sehr viel teurer wird, Herr Jenckel. Klaus Bruns hat es gewusst, die Mitglieder der Universitätsgesellschaft haben es gewusst, Herr Mädge hat es gewusst, die Oberfinanzdirektion hat es gewusst, Herr Althusmann hat es gewusst, Heidi hat es gewusst, Herr McAllister hat es gewusst, meine Oma Suse hat es gewusst und sogar Herr Michael Zeinert hat es gewusst. Wie kommt es bloß, dass nur Holm Keller, Sascha Spoun und Henning Zühlsdorff NICHTS davon gewusst haben, Herr Jenckel? Bis heute haben die drei keine Ahnung. 27.564 Pressemeldungen des Leuphana-Präsidiums gab es während der letzten fünf Jahre, in denen es immer hieß: „Von einer Kostensteigerung ist uns nichts bekannt. Die Finanzierung ist gesichert.“

    Wie war dieser Dauerirrtum bloß möglich?

    Wissen Sie eine Erklärung, Herr Jenckel?

    • Henning Zühlsdorff möchte seinen Job behalten.

      • Als einer, der die Unwahrheiten anderer Leute in camouflierende Worte kleidet und diese mit seiner Unterschrift beglaubigt? Was für ein Job! Prost Mahlzeit!

        • Ja, so ist es. In diesem Job muss man wohl auch über die Fähigkeit verfügen, sich geübt verbiegen zu können.

          • Einer, der sich immerzu verbiegen muss, wie soll der denn jemals wieder in die Unverbogenheit zurückfinden?

          • Man kann auch als Verbogener in der Verbogenheit dahin leben. Der große Vaclav Havel hat das Dasein in geschlossenen ideologischen „Systemen“ – wie Orwell vor ihm und lange bevor er Staatspräsident eines freien Landes wurde – als „Das Leben in der Lüge“ beschrieben:

            Ein Gemüsehändler bringt im Schaufenster seines Ladens zwischen Zwiebeln und Möhren ein Spruchband an. Darauf steht: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch“. Warum tut er das? Ist er wirklich von der Idee der Vereinigung der Proletarier aller Länder überzeugt? – Václav Havel bezweifelt dies in seinem Essay, der den Titel „Versuch, in der Wahrheit zu leben“ trägt. Die meisten Gemüsehändler hätten über die Spruchbänder in ihren Schaufenstern nie nachgedacht, mutmaßt Havel. Sie hängten sie auf, weil alle es taten, weil es so sein musste. Der Gemüsehändler sende damit ein Signal an die Obrigkeiten, fährt Havel fort. Er bekunde seine Loyalität. Was ihn jedoch tatsächlich antreibe, sei, dass er Angst habe und deshalb bedingungslos gehorche, so Havel.

            „Die Ideologie ist ein Schleier, mit dem der Mensch seinen Existenzverfall, seine Verflachung und Anpassung an die gegebene Lage verschleiern kann. Sie ist ein Alibi, das für alle verwendbar ist. Von dem Gemüsehändler, der um seine Stellung fürchtet, bis zum höchsten Funktionär, der sein Interesse, sich an der Macht zu halten, in Worte von seinem Dienst an der Arbeiterklasse kleiden kann“, heißt es in „Versuch, in der Wahrheit zu leben.“

            Der Gemüsehändler, der um seine Stellung fürchtet, würde heute vielleicht auf seinem Spruchband stehen haben: „Die Finanzierung des Zentralgebäudes ist gesichert!“

    • Burg Schreckenstein

      „Wer lügt, hat die Wahrheit immerhin gedacht“, hätte Oliver Hassencamp, der Kabarettist, Schauspieler und Jugendbuchautor hier vermutlich angemerkt.

      Und Holm Keller würde vielleicht entgegnet haben: „Wir können uns den Luxus der Lüge an der Leuphana nicht leisten. Denn wir haben festgestellt, dass die Lüge ein Minimum an Planung erfordert.“

      Verena Kunert

    • Viele Autoren des 20. Jahrhunderts haben beschrieben, was der Endpunkt aller Fantasien vom mächtigen Kollektiv und vom guten Diktator sein könnte, von der Pervertierung der Sprache und dem Hass auf den inneren Feind. Jewgenij Samjatin (1884–1937) ging ihnen allen voran. 1920 – der Bolschewismus war mehr Aufsteiger als Zwangsstaat, der Faschismus ein Grollen am Horizont – erschien sein Roman „Wir“. Samjatin, selbst ein enttäuschter Bolschewik, entwarf eine mathematisch formatierte Wohlfühl-Diktatur, den „Einigen Staat“, in dem die Menschen Nummern statt Namen haben, und ihr Tagesablauf auf die Minute geregelt ist. Beherrscht werden die Nummern von einem grausam-majestätischen „Wohltäter“.

      Ausgehend von der Überlegung, dass es schon Adam und Eva versaut haben, die einst zwischen Freiheit ohne Glück oder Glück ohne Freiheit wählen konnten und sich falsch entschieden, schwärmt der Held des Buches, Ingenieur D-503, dass ihm etwas so Furcht Einflößendes wie der freie Willen erspart geblieben ist: „Wir sind vollkommen glückliche arithmetische Durchschnittsgrößen“. Zufrieden lebt er in einer Wohnung mit gläsernen Wänden und arbeitet an der Weltraumrakete „Integral“, die die Heilsmission des „Einigen Staates“ ins All tragen soll.

      Zur Entspannung flaniert er in Reih und Glied mit Hunderttausend anderen Nummern zu Marschmusik unter Abhör-Membranen. Sein Pech: Er verliebt sich, eine „Seele“ bildet sich heran. Der Einige Staat reagiert umsichtig und ordnet an, dass den Nummern die Fantasie operativ entfernt wird. Die heutige Welt ist so unübersichtlich und konfus? Nun, diese Welt ist es nicht.

      Jewgenij Samjatin: „Wir“. Disadorno Edition, 216 Seiten, 24 Euro.

      MfG, Sonja Zekri

    • Toll, so ein Bonus: Bis zu 200 Euro mehr im Jahr – wer (besonders unter den Studierenden) könnte das schlecht finden? Am Leuphana-Konzern Lüneburg wird das vielleicht auch bald Realität. Wer gesund und fleißig ist, bekommt das Geld als Anerkennung. Umgekehrt wird für jeden Fehltag etwas von diesem Bonus abgezogen. Klar ist, dass damit Krankfeiern nach durchzechten Partynächten bestraft wird – und das kann man ja durchaus in Ordnung finden. Das Nachsehen haben aber diejenigen Studierenden und Mitarbeitenden, die wirklich ab und zu krank sind, vielleicht sogar durch Studium oder Arbeit bedingt, zum Beispiel weil die immer gleichen Bewegungsabläufe beim Jubeln in Richtung Präsidium zu Verschleißerscheinungen führen.

      Und das ist noch längst nicht alles, was skeptisch macht. Mit dem Bonus verknüpft ist eine Reihe von Gesundheitsuntersuchungen für Studierende und Mitarbeitende. In Pilotversuchen fanden die Uni-Angehörigen das toll, zumal es passende Coachings gab, zum Beispiel Ernährungskurse. Gut möglich, dass Sascha Spoun absolut verantwortungsvoll mit diesen Instrumenten umgeht und einzig darauf bedacht ist, die eigene Mannschaft fit und bei Laune zu halten. Die Schwierigkeit ist nur, dass die Wertschätzung für die Mitarbeitenden und Studierenden bei ihm nicht immer gleich hoch ist. Auf dem Boden solcher Modelle gedeihen dann auch ganz schnell mal Überwachung und Datenmissbrauch. Der Weg zwischen einem Anreizsystem und einem Druckmittel ist eben stets ein schmaler Grat.

      Mit Grausen darauf entlang balancierend: Steffi

  13. Alexander der Kleine

    „Holm Keller, Wegbereiter des Baus, ehemaliger Vize-Präsident und heutiger Berater der Uni , wird das vermutlich alles für Gewäsch halten.“ Für kleines Gewäsch wird er es vermutlich halten, denn großes Gewäsch ist ja sein ureigenstes Metier.

    „Wer groß denkt, darf sich nicht von Krämerseelen und ein paar Millionen aufhalten lassen.“ Das war auch die Devise Napoleons: „bei ein oder zwei Toten ist einer ein Mörder, bei ein- oder zwei Millionen ein großer Mann.“ Berlusconi und seine Imitatoren haben dieses Prinzip dann aufs Schwallen und Schuldenmachen angewendet und die Zahlen mit Hunderttausend multipliziert. Bei der Leuphana multipliziert man sein „Potential“, also das Geld, das man nicht hat, schon mit 125 Millionen.

  14. Joachim Fischer: „Es ging und geht um die Existenzgarantie der Uni in Lüneburg: Eine alte, umgebaute Kaserne hätte man je nach der Stärke der anstehenden Abiturientenjahrgänge, nach Kassen- und Wirtschaftslage leicht wieder dicht machen oder zur Fachhochschule zurückstufen können. Mit diesem überaus teuren (was jedem Beteiligten von vornherein klar war!) Einzweckbau eines renommierten amerikanischen Architekten als Aushängeschild wird das so einfach nicht mehr gehen – da sind andere Universitäten in Niedersachsen wohl eher gefährdet“?

    Was für ein lachhaftes Argument, um dieses 125-Millionen-Desaster zu rechtfertigen, Joachim Fischer. Macht ein teurer Anzug neuerdings den gebildeten Menschen? Und ein Porsche vor dem Haus den Nobelpreisträger? Sind Sie ein Anhänger des magischen Denkens? Wenn die Uni qualitativ, also in Forschung und Lehre nicht hält, was sie verspricht, werden keine Studenten mehr kommen, die Mittel zusammengestrichen und der Laden dicht gemacht, egal wie teuer das Audimax gewesen ist. Der Libeskind-Palast ist ein Gebäude, eine Hülle! Beides steht für gar nichts als nur für ein paar Kubikmeter umbauten Raum, den man zu jedem beliebigen Zweck nutzen kann. Vielleicht werden in ein paar Jahren Reichsparteitage von Gunter Runkel drin abgehalten — oder die SVG Lüneburg richtet Volleyballturniere drin aus?

    Größenwahn, Freude am Herumschmeißen mit fremden Geld und Marketingdreistigkeiten reichen jedenfalls nicht, um aus einer Klippschule überkandidelter Reklametrompeter ein Heideharvard mit AKADEMISCHEN Renommee zu machen.

  15. Sehr geehrter Ratsherr von Mansberg,

    Sie sind vom hauptberuflichen Ex-Vizepräsidenten Holm Keller menschlich sehr enttäuscht?

    Ist »menschlich enttäuscht« eigentlich eine Steigerung von »tierisch enttäuscht«? Oder umgekehrt?

    Elias Hauck

    • Friedrich von Mansberg

      Hallo Herr Hauck,

      ich bin im Moment vor allem sauer über die immer wieder neuen Nachrichten von Kostensteigerungen! Gerade weil mir die Uni in Lüneburg wichtig ist, weil ich die Idee des Zentralgebäudes grundsätzlich für richtig halte und hielt – und weil ich die Uni gerne nach Kräften unterstützen würde – das machen die einem zur Zeit wirklich nicht leicht. Ich würde mir da dringlich mehr Ehrlichkeit wünschen! Und klar muss auch sein: Die Stadt wird kein zusätzliches Geld zur Verfügung stellen.

      Gleichzeitig hoffe ich, dass das Zentralgebäude trotz allem zu einem wichtigen Raum für die Uni selbst aber auch für die Stadt wird. Und zu einem Ort der Begegnung zwischen Stadt und Uni. Und natürlich auch zu einer „Sehenswürdigkeit“.

      Nein, das kann den Ärger nicht wettmachen. Ich weiß. Aber die Sache hat mehr als eine Seite, die es zu betrachten gilt.

      • Friedrich von Mansberg

        Aber die Sache hat mehr als eine Seite, die es zu betrachten gilt.
        stimmt, besonders weil es sehr viele schiefe seiten hat, die bei der unterhaltung des gebäudes, zu sehr intereressanten kostensprüngen verhelfen werden. wer wird denn der glückliche sein, der sich die taschen füllen darf? oder gibt es die berühmt berüchtigten ausschreibungen?

      • Sehr geehrter Friedrich von Mansberg,

        Sie sind „im Moment vor allem sauer über die immer wieder neuen Nachrichten von Kostensteigerungen“? Heißt das, die Kostensteigerungen selbst sind Ihnen wurscht? Nur die Nachrichten darüber gehen Ihnen auf den Zeiger? Aber dann dürften Sie doch nicht von Herrn Spoun und Herrn Keller „menschlich enttäuscht“, sondern müssten von Herrn Jenckel genervt sein.

        Könnte man sich nicht, was die Mitglieder des Unipräsidiums betrifft, auf eine Formel einigen, die John F. Kennedy schon 1961 zu bedenken gab: „Fragt nicht, was Holm Keller für euch tun kann – fragt, was ihr für Holm Keller tun könnt“?

        Gleichzeitig hoffen Sie, „dass das Zentralgebäude trotz allem zu einem wichtigen Raum für die Uni selbst aber auch für die Stadt wird. Und zu einem Ort der Begegnung zwischen Stadt und Uni.“ Hier verstehe ich nicht, was Sie da genau meinen. Ein Ort der Begegnung? Wer ist hier „Stadt“ und wer „Uni“? Und wieso sollten diese Personengruppen sich begegnen wollen oder müssen?

        Und natürlich auch zu einer „Sehenswürdigkeit“ soll das Gebäude werden? Meinen Sie wirklich, „Europa“ und „das Wissenschaftsministerium in Hannover“ machen 125 Millionen Euro locker, um den Fremdenverkehr in Lüneburg zu fördern?

        Zum Schluss schreiben Sie, „die Sache hat mehr als eine Seite, die es zu betrachten gilt“. Welche Seiten gilt es alles zu betrachten? Und warum?

    • Sehr geehrter Ratsherr von Mansberg,

      „Alternativen müssen wieder in die Diskussion kommen“, haben Sie gerade Herrn Jenckel ins Mikrofon gesprochen. Damit meinen Sie Ihren Wunsch, Landtagskandidat zu werden, und die fast zehnjährige Verweildauer von Frau Andrea Schröder-Ehlers im Leineschloss in Hannover, welcher Aufenthalt von Neetze aus maßgeblich durch eine tatkräftige wissenschaftliche Mitarbeiterin ermöglicht worden ist, die mit ganz eigenen Ansichten über Demokratie und Stimmvieh in der Milchbergsiedlung (und darum herum) zu einigem bemerkenswertem Ruhm gelang ist.

      Bravo, Herr von Mansberg! Als Theatermann wissen Sie natürlich, wovon Sie sprechen, wenn Sie betonen, wie schnell sich kreative Energien verbrauchen, belebende Impulse ausbleiben und der schöpferische Spirit im Ensemble verloren geht, sobald die künstlerische Leitung (Dirigenten, Choreografen, Intendanten, Dramaturgen oder Kuratoren und Regisseure) mehr als vier, fünf Jahre im selben Haus verweilen.

      Zu Herrn Jenckel (und damit zu Stadt- und Erdkreis gleichermaßen) sprachen Sie außerdem: „Ich glaube, wir müssen ganz anders in die Offensive kommen, um wieder mit Menschen zu reden und Menschen zuzuhören. Da habe ich was vermisst in den letzten Jahren. Das würde ich gerne machen.“ (http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/386542-spd-landtag)

      HIER, Herr von Mansberg, bietet sich die schöne Gelegenheit, gleich einmal mit dem „Machen“, mit dem Ins-Gespräch-Kommen anzufangen. Frau Heinen und Herr Bruns haben (direkt über meinem Post) ein paar Fragen an Sie gerichtet, zu deren Beantwortung ich Sie noch einmal ermuntern möchte, da diese (oder zumindest die von Frau Heinen) auch von mir hätten gestellt – wenn auch nicht so formvollendet formuliert – sein können.

      Ich bedanke mich vorläufig bei Ihnen, Herr von Mansberg, dass Sie so freundlich waren, überhaupt zu reagieren UND dass Sie den absolut richtigen Satz geschrieben haben: „Ich würde mir da dringlich mehr Ehrlichkeit wünschen!“

      Ehrlich, klar und vor allem durchdacht! Sagen, was ist: So wünsche ich mir auch die Sprache der Politiker. Und auch mal sagen, warum man etwas nicht sagen kann — statt sich hinter Worthülsen zu verstecken. Darauf bestehen, dass Streit nicht mit Machtkampf verwechselt werden darf. Der gymnische Agon in der Spätantike kannte als dritte – und wichtigste – Säule des Wettbewerbs (neben Reiten und Leibesübungen) den Meinungsstreit, was bedeutet, dass man sich natürlich auf die Inhalte konzentrierte sowie auf die Gründe, die für Überzeugungen sprachen, und nicht auf die Tatsache des Streitens selbst.

      Elias Hauck

    • Hallo, Herr von Mansberg,

      er könnte, hat Trump im Wahlkampf geprahlt, einen Menschen auf offener Straße niederschießen, und es würde ihn keine einzige Wahlstimme kosten.

      Wen oder was würden Sie sich zutrauen, vom höchsten Punkt des hundert Millionen-Audimax zu werfen, ohne Ihre Aussichten zu gefährden (bzw. um die Wahrscheinlichkeit sogar zu erhöhen), am 8. Februar bei der Wahlkreiskonferenz der SPD statt der amtierenden Abgeordneten Andrea Schröder-Ehlers als Landtagskandidat nominiert zu werden?

    • Lieber Ratsherr von Mansberg,

      darf ich mir erlauben, mich für einige Sekunden zu Ihnen, Frau Heinen, Herrn Bruns und Herrn Hauck zu gesellen und an zwei oder drei Bemerkungen in Ihrem Blog.jj-Statement vom 10. Dezember 2016 um 08:29 Uhr anknüpfen? Den nicht nur von Ihnen mit Ärger und Entsetzen konstatierten, ebenso peinigenden wie betrüblichen Mangel an Ehrlichkeit auf Seiten der Bauherren, die ja zugleich die führenden Leuphana-Repräsentanten sind, möchte ich nicht weiter erörtern, auch nicht den in seiner zeitlichen »Nachhaltigkeit« und wegen seiner repititiven Intensität in seinem vollen Umfang noch gar nicht recht absehbaren Reputationsschaden für unsere Universität, den sowohl die Tatsache der Unaufrichtigkeiten, der Fehler und der Versäumnisse im Zusammenhang mit dem „Baumanagement“ als auch der meist an krudeste »Radio Eriwan«-Witze erinnernde »kommunikative« Umgang mit diesen Tatsachen weit über die Grenzen Lüneburgs, Niedersachsens und Deutschlands hinaus bewirkt haben.

      Ebenfalls möchte ich nicht auf Ihren warnenden Ausruf eingehen: »Die Stadt wird kein zusätzliches Geld zur Verfügung stellen«, obgleich sich mir die Frage aufdrängt, wie Sie das wissen können, da doch die Partei des Oberbürgermeisters seit dem 11. September in die Hinterhand geraten ist und die Wege des Herrn Webersinn (und seiner das Spiel machenden Reggae-Rastafari) bekanntlich unerforschlich sind.

      Was mich interessiert, ist, was Sie sich gedacht hatten, als Sie schrieben, Sie hielten »die Idee des Zentralgebäudes grundsätzlich für richtig« und die Sache habe »mehr als eine Seite, die es zu betrachten gilt«.

      Sie sind ein Mann des Geistes, Herr von Mansberg. Deshalb unterstelle ich, dass Sie sich etwas überlegen, bevor Sie in die Tasten greifen und publizieren. Und daher meine Fragen: (A) Wie würden Sie »die (oder wenigstens Ihre) Idee des Zentralgebäudes« paraphrasieren? Und (B) inwiefern halten Sie diese (Ihre) Idee für »grundsätzlich richtig«? (C) Welches sind – neben dem Kostenfiasko – die anderen Seiten, »die es zu betrachten gilt«?

      Über die exorbitanten Kosten und die (Dys-)Funktionalität des Libeskind-Baus sowie über die darum herum aufgeführte Schmierenkomödie ist schon viel geschrieben worden, Herr von Mansberg. Seine bauästhetischen Besonderheiten sowie sein Wert als »einmaliges Zeugnis Lüneburger Baupolitik und Baukultur« (»Solitär« war Jenckels Ausdruck) gerieten dagegen in den öffentlichen Disputen ins Hintertreffen. Sie aber, indem Sie von der »Idee« des Gebäudes sprachen, hatten gewiss diese »ästhetischen« Aspekte mitgemeint. Darauf ist in diesem Thread bisher nur Herr Kernig im allerersten Post ganz oben (6. Dezember 2016 um 17:23 Uhr) eingegangen. Er macht, ähnlich wie zuvor schon Hans-Herbert Jenckel, auf die Rolle der architektonischen Umgebung aufmerksam, welche »Idee« und Realisierung zu berücksichtigen hätten. Apropos, gegenüber Hans-Martin Koch, dem Kulturchef der Landeszeitung, äußerte sich im Hinblick auf die Maßgaben des Kontextes ähnlich vor beinahe genau zwei Jahren der bedeutende Lüneburger Architekt Carl Peter von Mansberg: »Bauen in Lüneburg, das heißt, sich mit dem Bild einer gewachsenen Stadt mit großem historischen Bestand auseinanderzusetzen. […] ›Man muss die alte Stadt als Ansporn nehmen, versuchen zu ergründen, worin die Qualität besteht‹, sagt von Mansberg und nennt Begriffe: Plastizität, Licht und Schatten, Proportionen ›Dinge, die man abgreifen kann, ohne zu imitieren.‹ Ein gutes Gebäude solle in seiner Hülle so beschaffen sein, dass man gern hinsehe, ›aber es soll nicht permament Aufmerksamkeit erzielen wollen.‹«  (LzOnline, 6. Dezember 2014: http://www.landeszeitung.de/blog/kultur-lokales/204279-chaos-gibt-es-genug)

      Dafür, wie Sie es bitte NICHT machen sollten, wenn Sie meine Frage nach »der (oder Ihrer) Idee des Zentralgebäudes« zu beantworten versuchen, ist übrigens ein Artikel des emiritierten Basler Historikers Achatz von Müller ein Beispiel, welcher am 4. Juli 2013 unter dem imperatorischen Titel-Dekret: »Dieser Bau muss sein!« als ein zerquälter, von Werbefloskeln und pseudo-argumentativer Appellationsrhetorik durchwachsener Propaganda-Krampf in der Zeit erschienen ist. (Siehe: http://www.zeit.de/2013/28/leuphana-libeskind-lueneburg)

      Ich freue mich auf Ihre Antwort. Wäre doch schön, wenn endlich einmal ein Gesräch über die gestalterischen Eigenarten des Monuments am Bockelsberg in Gang käme.

      MfG, Kevin Schnell

      • „Vor den Toren von Hamburg, da kann man keinen normalen Kubus hinsetzen. Dort braucht man ein Gebäude, das auch Aufmerksamkeit erregt.“ (damalige Wissenschaftsministerin Prof. Wanka (CDU)). Und Bürgermeisterin Regina Baumgarten sah in die Zukunft: „Von Weitem nimmt man schon die markanten Linien und leuchtenden Fassaden des Audimax wahr.“ Es fehlen nur noch die Aussichtstürme, ansonsten kann man die Aufmerksamkeitserregung „Costa Leuphana“
        nur aus der Nähe bewundern.

        Am 18.05.2011 erschien ein Leserbrief in der LZ:

        Ich weiß nicht, was soll es bedeuten
        (Bezug: Interview mit Daniel Libeskind zum Uni-Zentralgebäude, LZ vom 10. Mai. 2011)

        Liebe LZ, wo gibt es das Video von diesem Interview? Denn so witzig war Hape Kerkeling zuletzt vor zwanzig Jahren, als er als polnischer Opernsänger mit der Oper „Hurz“ die moderne klassische Musik parodiert und eine Fachjury verhohnepiepelt hat.

        Nun also ist er in die Rolle des amerikanischen Stararchitekten geschlüpft und nimmt sich mit pseudointellektueller Begriffsakrobatik der von Theorien und Symbolen überfrachteten Architektur an. Sicherlich freut sich der Komiker, wenn wie damals durch die Jury ernsthaft versucht wird, einen Sinn darin zu entdecken. Diese Freude möchte ich gerne bereiten: Die inhaltliche Auseinandersetzung fällt schwer, da kaum Substanzielles geäußert, dieses nicht logisch strukturiert und oft missverständlich formuliert ist. Beispiel: „Es (das Zentralgebäude) verkörpert die Emanzipation der Bildung vom Staat, indem es sich der Typologie von Druck und Strafe und Besserwisserei entgegenstellt und so den freiheitsstrebenden Wurzeln unserer Demokratie folgt. Erziehung in diesem Sinne verfolgt das Ziel der individuellen Kritikfähigkeit…“ Typologie bedeutet Klassifikation, das heißt systematische Ordnung anhand bestimmter Merkmale und ist in diesem Zusammenhang unsinnig. Vermutlich ist Typografie im Sinne der Formensprache gemeint, denn dieses Gebäude soll ja eine Botschaft (Verkörperung der individuellen wie kollektiven Kritikfähigkeit?) kommunizieren.

        Wer kommuniziert, sollte wissen, dass der Inhalt einer Botschaft nicht das ist, was er vermitteln will oder auszudrücken glaubt, sondern das, was der Empfänger der Botschaft als Aussage versteht. Falls sich dem Empfänger, hier Betrachter/Besucher des Zentralgebäudes, die intendierte Aussage nicht ohne weitere Erklärung erschließt, dann verkörpert das Gebäude nicht diese Botschaft. Bei „,Form folgt Funktion’hat ausgedient und wird ersetzt durch ,Form folgt Idee‘ beziehungsweise ,Form folgt Bedürfnis'“ hat der visionärrische Architekt leider zu kurz gedacht. Befriedigt die Form das Bedürfnis, und sei es nur das nach bedeutungsschwangerer Selbstinszenierung, so hat sie ihre Funktion erfüllt. Und „Form folgt Idee“ ist auch nichts Neues. Es ist in jedem Sandkasten zu bewundern.

        Ich halte das Gebäude für sehr interessant, und es sollte das nach Till Eulenspiegel benannte „Institut für angewandte Scharlatanerie im Öffentlichen Raum“ beherbergen. Auch kann ich mir vorstellen, dass die energetische Nutzung geistiger Abwärme zu den innovativen Technologien gehört, die im Zentralgebäude pilotiert werden. Konsequenterweise hätte aber die „Emanzipation der Bildung vom Staat“ privat finanziert werden müssen. So kostet das fiktive „Licht des Menschlichen, der Demokratie, der offenen Gesellschaft, von Teilhabe und Bildung“ viele Menschen die reale Teilhabe und Bildung.

        Joachim Preuß
        Barum

      • Hallo Herr Kevin Schnell. Wäre doch schön, wenn endlich einmal ein Gesräch über die gestalterischen Eigenarten des Monuments am Bockelsberg in Gang käme.
        diesen versuch, auf den kern der sache zu kommen, warum der bau so ist und nicht anders,schmunzel, habe ich schön öfters hier gestartet.bin leider bei den verantwortlichen protagonisten nur auf taube ohren gestoßen. vielleicht haben diese dazu wirklich nichts zu sagen? ob in einem schiefen bau die kreativität von studenten und deren hoch durchgeistigten lehrerkollegium gefördert wird, soll unbekannt sein. eine forschung der leuphana in dieser eigenen sache ,wäre doch bestimmt angebracht, oder?

    • Zwei Fragen, sehr geehrter Herr von Mansberg

      1.) Kippt oder kommt die Arena, wenn Ihre Partei Sie zum Landtagskandidaten kürt, Mädge zurücktritt, Pauly Oberbürgermeister, Blanck Landrat, Webersinn Bundestagsabgeordneter, Steffen Gärtner Ministerpräsident, Hoppe Reiter, Althusmann Doktorvater und Klaus Bruns wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Bundeskanzlerin Fahrenwaldt wird?

      2.) Sie hoffen, dass das Zentralgebäude zu einer „Sehenswürdigkeit“ und „zu einem Ort der Begegnung zwischen Stadt und Uni“ wird. Klingt n´ büschen nach der Formel, mit der Wohlfahrtsverbände darauf hinweisen, dass ihre Einrichtung „im Rahmen des Aktionsprogramms des Bundesministeriums für Familie, Senioren und Jugend als Mehrgenerationenhaus anerkannt“ ist. Hielten Sie es für sinnvoll, wenn Sascha Spoun Henning Zühlsdorff anwiese, folgende „Storyline“ für künftige Reklamefeldzüge zu beachten: „Die Offene Seniorenarbeit im neuen Haus der Begegnung sieht ihre Aufgabe darin, älteren Menschen Möglichkeiten und Hilfe anzubieten, um aus der Isolation zu einem abwechslungsreichen, informativen und geselligen Leben in der dritten Lebensphase zu gelangen“? Und sollte vielleicht mal jemand mit dem „strategischen Kommunikator“ Holm Keller sprechen, ob nicht ein griffigerer Name sinnvoll wäre? Ein witziges Wortspiel mit eingeklammerten Buchstaben etwa: Zukunfts(t)räume oder so?

      Mit Witz und (Pl)Attitüde: Ute Hennings

  16. Es gibt bestimmt bald Szenen bei den „Roten Rosen“ die vor der Kulisse des Libeskindbaus gedreht werden. Spätestens dann wird Lüneburg durch dieses Monumentalbauwerk über die „Roten Rosen“ noch bekannter und durch die „Roten Rosen“ noch mehr Besucher nach Lüneburg locken. Also – es gibt auch positive Seiten. Die „Roten Rosen“ nämlich. Und die werden nicht über Steuergelder finanziert, sondern durch die Haushaltsabgabe für Rundfunk- und Fernsehempfang. Das ist ja schließlich was völlig anderes… ;-).

    • Heidi, Sie schreiben: „dann wird Lüneburg durch dieses Monumentalbauwerk über die „Roten Rosen“ noch bekannter und durch die „Roten Rosen“ noch mehr Besucher nach Lüneburg locken. Also – es gibt auch positive Seiten.“

      Das ist verwirrend. Wird Lüneburg durch die Telenovela bekannter? Oder „das Monumentalbauwerk“? Wieso werden Besucher „über ein Monumentalbauwerk“ nach Lüneburg gelockt? Was ist daran positiv? Würde die monumentale Gartenzwergsammlung von Klaus Bruns, wenn sie bei „Rote Rosen“ gezeigt würde, auch Besucher nach Lüneburg locken? Oder nach Reppenstedt? Oder gar ins Wohnzimmer von Klaus Bruns? Werden einem Unipräsidium 125 Millionen Neuronen in den Allerwertesten geblasen, damit „dieses Präsidium“ bzw. seine Angehörigen eine Fremdenverkehrsattraktion schaffen? Oder damit dieses Präsidium bzw. seine Angehörigen dafür sorgen, dass unser Nachwuchs gut ausgebildet und in die Lage versetzt wird, später einmal die Schulden für unsinnig grelle Protzpaläste wie das Libeskind-Ungetüm abzuzahlen?

    • Liebe Heidi,
      wenn die Rechnung so einfach ist, dann sollten die “Rosen“ vor und vor allem im “Oberbürgermeistersogünstigkommenwirniewiederaneinneuesmuseum“-Museum drehen. Dann sind auch die 70.000 Machbarkeitsstudienbesucher, an denen gefühlte 63.000 Zahlende fehlen, machbar.

  17. Sehr geehrter Herr Jenckel

    Mit „Jahres-Mieteinnahmen von mindestens 300 000 Euro“ will das Uni-Präsidium seinen Teil zur Finanzierung des Zentralgebäudes beitragen. „Und zwar schon 2016“! Wie soll das gehen, wenn die Eröffnung erst für März 2017 geplant ist und Stadt und Kreis durch ihre Finanzierungszusagen sehr viele Veranstaltungen pro Jahr unentgeltlich im neuen Audimax durchführen können? (Gibt es da eigentlich schon genaue Vereinbarungen über den Umfang?) Wie, wenn auch noch „Lehre und Forschung“ dort stattfinden sollen, will man „Events“ in den Auslastungsplan zwängen, die – in Lüneburg (!) und nicht in New York oder Shanghai – 300.000 Euro per annum einspielen sollen? Und wer soll die Preise zahlen wollen, die nötig wären, um auf die Summe zu kommen? Schützenkönig Pretzell und seine Revolverhelden vielleicht? Glauben Herr Spoun und Herr Keller an Wunder? Und ist denn eine Uni auch eine Agentur zur Vermarktung von Veranstaltungen und Veranstaltungsräumlichkeiten?

    MfG, Olaf Peters

    • So steht es in einem Gutachten zum Finanzierungsplan der Uni, als die Gesamtkosten noch deutlich niedriger waren. Also: viele Fragen, viele Unsicherheiten. lg hhjenckel

      • Hallo Herr Jenckel

        Was hat über die Jahre nicht alles schon in den ungezählten, von der Uni-Spitze bestellten „Gutachten“ (besser wohl: „Schlechtachten“) zu den – und nur von der „Uni-Spitze“ ernstlich so genannten – „Finanzierungsplänen“ gestanden? Fiktive und fortlaufend dichterisch ergänzte und umgestaltete „Inhalte“ dieser Güteklasse gehen in modernen Fantasy-Romanen aufs Konto der poētischen Lizenz (= der dichterischen Freiheiten) ihrer fantasie- und erfindungsstarken Autoren.

        LG, Olaf Peters

    • Lieber Herr Jenckel,

      die Universität, hört und liest man allenthalben, hat inzwischen mit den Planungen für die Eröffnung des Gebäudes begonnen. Frau Schröder-Ehlers, die „zuversichtlich“ ist, das Land werde den „Prozess des Bezahlens weiter intensiv begleiten“, rutscht schon ganz hippelig auf ihrem Landtagsstühlchen hin und her. Am 11. März soll es in Anwesenheit von Ministerpräsident Stefan Weil und Architekt Daniel Libeskind sowie Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft feierlich eingeweiht werden.

      Was meinen Sie, Herr Jenckel, wird der größere oder nur der kleinere Teil Ihrer „Fan-Gemeinde an Honoratioren, die als Claqueure jeden Kritiker als Brandstifter beschimpfen“ und die abtaucht, wenn es zur finalen Rechnungslegung kommt, neben Herrn Weil, Herrn Althusmann und Frau Dr. Wanka stehen, wenn Herr Tamme das Foto schießt, das „die Feierlichkeit“ in den Mienen von „Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ (inklusive Jörg Hillmer, aber exklusive Steuerzahler Klaus Bruns) für alle Zeiten festhält?

    • 300.000€ Mieteinnahme sind ca. 50-60 Veranstaltungen, wenn man die 5.000.000€, die Stadt Lüneburg zahlen wird, um 30 Jahre lang, das Audimax für jährlich 30 Veranstaltungen nutzen zu dürfen. Soviel ich weiss, für nicht kommerzielle Veranstaltungen und auch nur, dann wenn die Leuphana, es nicht für universitäre Zwecke benötigt oder es an einen Dritten vemietet hat. (Ähnlich sollte es wohl auch bei der Arena mit der Nutzung für Schul- und Breitensport laufen. Im Prinzip ja, aber nur dann, wenn’s gerade mal passt.)
      Bei einer Ratssitzung zum Thema Arena hat OB Mädge gesagt, dass die Stadt das Audimax 10-20 mal jährlich nutzen will. Und da sind wir dann beim Thema Verschwendung/Veruntreuung von Steuergeldern. Es wird für jährlich 30 Veranstaltungen gezahlt, aber man hat nur ungefähr die Hälfte – wenn überhaupt – an Bedarf.

  18. Lieber Herr Jenckel, Sie stellen fest, Lüneburg habe „eine feste Fan-Gemeinde an Honoratioren, die als Claqueure jeden Kritiker (des Audimax-Desasters) als Brandstifter beschimpfen. Diese Fans haben natürlich auch immer gewusst, dass es teurer wird, sie haben über Kellers Extravaganzen gelächelt und waren der Meinung: Wenn der Bau fertig ist, hat der Mohr seine Schuldigkeit getan.“

    Mal ganz davon abgesehen, dass für Mehrkosten von 77 Millionen Euro verantwortlich zu sein, sich kaum als „Kellers Extravaganzen“ wird „weglächeln“ lassen, liegt der „Meinung“ der „Honoratioren“ ein Bildungsdefizit zugrunde. Die vermeintlich exkulpierende Floskel – „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“ – ist der pure Blödsinn, eine Zitat-Untote. Wie immer hilft ein Blick an den Ort der Herkunft: ins Drama. In ein besonders schönes, tolles, aberwitziges. In Friedrich Schillers „Verschwörung des Fiesco zu Genua“, dritter Akt, vierter Auftritt. Muley Hassan („ein konfiszierter Mohrenkopf, die Physiognomie eine originelle Mischung von Spitzbüberei und Laune“) hat soeben dem Fiesco, Grafen von Lavagna („junger, schlanker, blühend-schöner Mann, stolz mit Anstand“), etliche Intrigen enthüllt und Spitzel- und Spitzbubendienste geleistet und hofft jetzt auf Belohnung.

    Doch Fiesco meint nur: „Kerl, du verdientest einen eigenen Galgen, wo noch kein Sohn Adams gezappelt hat. Geh ins Vorzimmer, bis ich läute.“ Darauf grummelt Muley Hassan: „Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.“

    So steht’s im Drama. Nichts da von „Schuldigkeit“. Gurgeln abschneiden und Giftpülverchen abfangen und Verleumdungsbriefchen austragen und Dolche im Gewande führen – das hat nichts mit „Schuldigkeit“ zu tun. Sondern mit Arbeit! Schillers Mohr ist niemandem etwas schuldig (es sei denn der Hölle). Schillers Mohr schafft was. Und zwar mit Freude und Lust! Wobei allerdings die Moral keine Rolle spielt.

    Denn Schillers Mohr trägt zwar einen orientalischen Namen, ist aber, wie alle seine Mitfiguren auch, von durch und durch schwäbischem Geblüt. Schillers Figuren (nicht nur sein Mohr) sind keine griesgrämigen, bittertöpfigen Schuldigkeittuer, die irgendwelchen „Honoratioren“ zu Gefallen etwas anstellen. Sie tun, was sie tun, auf eigene, tolle, gefährliche, manchmal sogar weltstürzende Rechnung. Ihre Arbeit belohnt sich selbst – und sei’s mit dem Tod. (Oder der Entlassung aus dem Rollenfach des „hauptberuflichen Vizepräsidenten“.) Wenn sie von der Bühne verschwinden, ist gerade ein tolles Bubenstück aufgeführt worden, an dessen Ende das Publikum mit offenen Mäulern in seinen Sesseln zurückbleibt und beobachtet, wie die narkotisierenden Nebel sich verziehen, während über seinen Häuptern ein zarter Gestank von Schwefel verweht und die Schreie des Direktors allmählich lauter werden, die Nachrichten von fehlenden Abendeinnahmen und der verschwundenen Theaterkasse zu enthalten scheinen.

  19. Wer ist eigentlich Holm Keller? Der Sprachmagier Stuttgarter Zunge, der sich „Marktführer[n]“ unter http://holmkeller.com seit einem Dreivierteljahr wie sauer Bier anbietet, indem er ihnen verspricht, sie „in ihrer strategischen Kommunikation und bei der Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen“ zu „unterstützen“?

    Sollte daraus irgendwann tatsächlich einmal etwas werden, würde Sebastian Heilmann es – von der Idee der Deliberation her betrachtet – sicherlich begrüßen (http://holmkeller.com/bildung).

  20. nur mal am rande, ob es bei der lz eine lobby für jäger und pferdebesitzer gibt? was von jägern zu halten ist, konnte man gestern in der ard sehen. das bermudadreieck der luchse in bayern. und was die pferdesteuerthematik betrifft, , ich habe das ungute gefühl , dass politik ,sprich ihre volksvertreter zu feige sind, sich gegen die starke lobby der pferdehalter, landwrte und jäger durchzusetzen. dafür ist die bauwut unserer volksvertreter ungebremst. warum wohl? wer gut schmiert, der gut(Pferd) fährt?

    • Hallo Herr Bruns,

      natürlich hängt alles mit allem zusammen und der Flügelschlag eines Schmetterlings in Ulan Bator kann mit Ursache dafür sein, dass bei Herrn Meihsies am Ochtmisser Kirchsteig die Kaffeesahne klumpt. Aber wenn Sie sich nicht auf das höchstgelegene Abstraktionsniveau von Herrn Fahrenwaldt hinunterbegeben wollen, der sogar dann, wenn er allerselbstpersönlichst ulkige Bildmotive für satirische Themenplakate ausgewählt und „unters Volk“ gebracht hat, den „kapitalistisch-medialen Expropriateurenkomplex“ für deren Effekte und Wirkungsfolgen verantwortlich macht, dann sollten Sie den Zusammenhang von Jenckels jeweiligem Blog-Thema und Ihren Kommentaren (hier Baukosten und Jagdreiterei) etwas engmaschiger halten.

      • Denise
        nur zur info, ich denke selten abstrackt, aber gern um mehrere ecken. hier gibt es bekanntlich reichlich davon. das libeskindgebäude muss ja schließlich auch für etwas nütze sein, oder?

        • @ Bruns
          Meistens denken Sie gar nicht und wenn dann kommen vielfach nur Ergüsse eines Gartezwergexperten heraus. *schmunzel*

  21. Friederike Dankwardt

    Sehr geehrter Herr Jenckel,

    warum sollte es diese „feste Fan-Gemeinde an Honoratioren, die als Claqueure jeden Kritiker (des Audimax-Desasters) als Brandstifter beschimpfen“ in Lüneburg denn auch nicht geben? In den vergangenen Monaten haben wir erlebt, wie die zivilisierenden Filter des Parteiensystems versagt haben und ein vulgärer antidemokratischer Demagoge mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung alle Hürden auf dem Weg ins Weiße Haus überwinden konnte. Doch inzwischen schreiben sogar schon seriöse Professoren und renommierte Journalisten von der Chance, die geistige Katastrophe mit Namen Trump könne „eine heilsame Lektion für die westliche Welt“ werden, „eine Zeit der politischen Besinnung und Erneuerung“ und „die Rückkehr zu einer erstarkenden Bedeutung der Intellektuellen“ einläuten. Derartige Phrasen werden zur Zeit in Hülle und Fülle herumgeboten.

    Sie sehen also, Herr Jenckel, faktenresistente Ideologen, die sich die Lage nach ihren Vorstellungen und Wünschen zurechtfantasieren, existieren nicht nur unter den tobenden Schwachköpfen im digitalen Mob. Auch verständnissinnige Opportunisten wird es immer geben, das können wir nicht ändern. Denn es ist ja keineswegs so, dass nur „die ungebildete Masse“ oder „die große Mehrheit junger Menschen“, von zwölfjährigen Schülern bis zu „graduierten“ Leuphana-Studenten, beklagenswert schlecht unterscheiden kann, ob Informationen im Internet wahr oder unwahr sind. Diese Unfähigkeit grassiert auch unter lebenserfahrenen „Entscheidern“ und unter sich vorausschauend und weltläufig dünkenden „Honoratioren“ und IHK-Funktionären. Allerdings haben „Facebook & Co.“, die digitalen Gerüchteküchen, in denen unsere Hochschule ebenfalls nach Kräften „kommuniziert“ und ihre Werbebotschaften streut und in denen „kompetent“ mitzumischen, ihr „vernetzungsbedürftiges“ Führungspersonal als akademisches Qualitätsmerkmal feiert, das Entstehen und Pflegen insularer Sichtweisen, also letztlich „unsoziales Meinen“ ins Pathologische potenziert. Und obwohl Zeitungen schon immer einen bias hatten, die einen eher linksliberal, die anderen eher konservativ berichtet haben, wurde von ihnen eine Grundfairness gegenüber denjenigen erwartet, die anders denken. Gute Zeitungen, zu denen ich auch die LZ zähle, haben immer (oder meistens) versucht, verschiedene Ansichten abzubilden. Im Internet kann sich dagegen jeder seine eigene Echokammer erschaffen, in der er nur in seiner eigenen Meinung bestätigt wird. Der globale „Dorffunk“, der unser Denken, unsere Entscheidungen und Handlungen bestimmt, schneidet unseren „feed“ auf unsere Haltungen und Interessen zu und sorgt so dafür, dass wir uns immer tiefer in unseren eigenen Vorurteilen und unserer Voreingenommenheit vergraben. Warum sollte es der Lüneburger Leuphana-Claque (vgl: http://static.worterbuchdeutsch.com/800/claqueur-1.jpg), den applaudieren „Adabeis“ aus „Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“, anders ergehen, Herr Jenckel? Dürfen denn nicht auch diese Damen und Herren in ihren selbstgebastelten Universen leben, in denen sie von morgens bis abends recht haben?

  22. Friederike Dankwardt
    glauben sie wirklich, dass wir noch so viel zeit haben, um sich mit phantasten beschäftigen zu können? die theoretiker haben sich zwar das geld angeeignet , aber um etwas auf die beine zu stellen, bedarf es praktiker. sehen sie welche? ich höre und sehe fast nur theoretiker in der öffenlichkeit. zufall? nein! sie haben nämlich die zeit, die ein praktiker nicht hat.

  23. wäre es nicht schön, wenn unsere geliebten kommunalpolitiker sich an münchhausen ein beispiel nehmen würden, sich an den eigenen haaren aus den sumpf zu ziehen und dieses gleich komplett mit dem ,,pferd,, was sie reiten? wie bekannt ist, übung macht den meister. gelegenheiten gibt es bei deren bauwut genug. schmunzel .geschichten erzählen, können sie alle, dieses muss nicht mehr geübt werden, wie man es beim libeskind-denkmal und dem arena-luftschloß erkennen kann.

  24. Friedrich von Mansberg

    Herzlichen Dank für Fragen und Entgegnungen. Ich will versuchen, sorgfältig und umfassend zu antworten, auch wenn ich mir nicht zu allem anmaße, Urteile zu fällen.

    Zur „Idee“ des Zentralgebäudes: Aus meiner Studienzeit in den USA, genauer gesagt in Santa Barbara, erinnere ich die große Qualität eines solchen zentralen Gebäudes als Ort der Begegnung. Zunächst der Studierenden untereinander, aber auch mit Lehrenden. Ich habe viel Zeit in diesem zentralen Gebäude verbracht, ganz unterschiedliche Möglichkeiten des (gemeinsamen) Lernens und Arbeitens wurden dort geboten. Das hat unter anderem auch zum „Gemeinschaftsgefühl“ beigetragen. Genau das ist doch wohl Sinn und Zweck des Lüneburger Gebäudes, wenn ich das Raumprogramm richtig deute.

    Gleichzeitig bietet das Zentralgebäude die Chance zu Begegnungen zwischen Studierenden und Lüneburgerinnen und Lüneburgern, wenn etwa, wie es ja geplant ist, Lüneburger Vereine und Institutionen, nicht zuletzt auch das Theater, dort Veranstaltungen anbieten. Zur Eröffnung ist zum Beispiel ein Konzert mit dem Orchester des Theaters und Chorsängern aus Japan, China und Lüneburg geplant. Natürlich hoffe ich auch auf Veranstaltungen der Uni, die für die Menschen in Lüneburg interessant sind und sie auf den Campus „locken“.

    Zur „Attraktivität“: Ich bin überzeugt, dass ein Gebäude von einem der international renommiertesten Architekten unserer Zeit, Aufmerksamkeit und Neugier weckt. Hoffentlich auf das, was in diesem Gebäude bzw. in der Uni stattfindet. Das tut unserer „alten“ Stadt gut. Diesen Weg haben in den vergangenen Jahren unter anderem viele Museen beschritten, etwa in Bilbao. Aber natürlich ist das Gebäude am Ende nicht nur Kunstwerk oder „Monument“ sondern vor allem auch ein „Zweckbau“ – und diesen „Zweck“ (siehe oben) muss es erfüllen.

    Zur „Architektur“: Da bin ich nun wirklich kein Experte und traue mir ein Urteil nicht zu. Sicher ist die Frage nach dem architektonischen Kontext wichtig. Meines Wissens gibt es durchaus unterschiedliche Antworten auf diese Kontextfrage: Sich absetzen oder einfügen? Einen Kontrapunkt setzen oder Zusammenhänge und Beziehungen betonen? Ein Gebäude als Hülle oder auch als Aussage? Ich weiß, dass der „bedeutende Lüneburger Architekt Carl-Peter von Mansberg“ bei seinen Bauten auf dem Campus einen anderen Weg gegangen ist als Libeskind. Wir haben zuhause viel darüber gesprochen. Gibt es nur einen richtigen Weg? Ich bin nach wie vor gespannt auf das fertige Zentralgebäude und die Aussage, die es auf diesem Campus macht, ich bin gespannt auf die Wechselwirkung mit seiner Umgebung.

    Schließlich zu den „Finanzen“: Es ist meine feste Überzeugung, dass der Zuschuss der Stadt zum Zentralgebäude bei den in Aussicht gestellten 5Millionen bleibt. Die Nutzungsvereinbarung zwischen Uni und Stadt wird noch in diesem Jahr beschlossen. So war es vereinbart. Was „Jamaika“ in Bezug auf dieses bereits gemeinsam beschlossene Vorgehen vorhat, entzieht sich meiner Kenntnis.

    • Wow, Herr von Mansberg, toller Beitrag! Danke! Weiter so! Mir scheint, dass endlich der wichtigen Frage von Klaus Bruns (“ warum der bau so ist und nicht anders“) auf einem angemessenen Niveau des Reflektierens nachgegangen wird. Ich bin sehr gespannt, was Sie Herrn Schnell entgegnen werden und wie sich die zu eigenen Gedanken anregende Debatte zwischen Ihnen und Ihren zahlreichen Gesprächspartnern hier entwickelt. Ich bekomme große Lust, mich einzuschalten, warte aber einstweilen noch ab, wie Sie reagieren und Ihre Positionen in der Replik auf Herrn Schnell noch stärker verdeutlichen.

  25. .
    .. ich hatte schon vor Jahren ausgerechnet und geschrieben , daß dieses Bauvorhaben ca. 150 Millionen Euro an Baukosten verschlingen wird ..
    Woher kommen diese zur Zeit geschätzen Baukosten in Höhe von 100 Millionen ? Wer hat das geprüft ? Welche Baukosten sind denn von wem angegeben worden ? Die reinen Baukosten oder die die gesamten Baukosten ? Also auch Nebenkosten für Architekten, Projektleiter, Statiker und andere Fachingenieure ? Zur Zeit sind aus den öffentlichen Unterlagen ca. 150 Millionen Euro Gesamtbaukosten zu errechnen.
    Aber diese Endsumme wird man ja dann scheibchenweise der Öffentlichkeit mitteilen. War doch bei der Elbphilharmonie auch so. Ach ja und am Flughafen in Berlin auch. Ach und Stuttgart auch.
    .. na ja .. soll das Land die fehlenden Millionen eben bezahlen , man hat ja sonst auch viele Millionen übrig die man zum Fenster rauswirft , zum Beispiel für unsere neuen Bereicherer . Beim neuen Gebäude des Herrn Libeskind sind sie besser angelegt.

  26. Sehr geehrter Ratsherr von Mansberg,

    Ihren Dank spiele ich mit einem Überkopfvolley ins schwarz-weiß geschachte Wappenfeld zurück, insistiere aber hartnäckig, weil wir sonst im Morast der Floskeln und Plattitüden stecken bleiben.

    „Zeige mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist“, soll Christian Morgenstern, der bekanntlich auch „Galgenlieder“ dichtete, dem Lüneburger Oberbürgermeister, dem Landrat Nahrstedt, dem ewigen Kandidaten Althusmann, dem Glaser Pols und dem Leuphanatiker-Trio Spoun/Keller/Meyer-Guckel einmal angedroht haben. Glücklicher Weise wird es soweit nicht kommen, denn Morgenstern starb bereits am 31. März 1914 in Meran. (Siehe zu alldem auch den schönen LZ-Leserbrief von Herrn Joachim Preuß: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/384915-rund-100-millionen-kostet-der-libeskind-bau-und-das-land-zahlt#comment-74760)

    IHRE „Idee“ des Zentralgebäudes, Herr von Mansberg, ist, dass eine Uni ein zentrales Gebäude haben sollte, welches zugleich den Mittelpunkt des universitären Lebens darstellt. Das ist – vielleicht – wünschenswert und bei sehr kleinen Universitäten wie der Leuphana Lüneburg sicher auch möglich, aber schon bei mittleren wie Ihrer amerikanischen Gasthochschule heute kaum noch zu realisieren. Wenn Sie sich den Campus der UCSB anschauen, wie er sich in den letzten Jahren entwickelt hat, werden Sie feststellen, dass es „das“ Zentrum längst nicht mehr gibt: (http://centralcoastbrainbee.weebly.com/uploads/5/1/4/0/51405365/map-ucsbcampus2_orig.gif). In großen Universitätsstädten wie Hamburg, Göttingen oder Berlin ist „die Universität“ über ein oder mehrere Stadtviertel verteilt und die Institute sowie die fakultätsübergreifenden Einrichtungen können viele Kilometer auseinander liegen. Ist das zu bedauern oder von Nachteil? Haben Universitäten wie die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität in Hannover mit dem Welfenschloss als Zentrum oder die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster mit dem Fürstbischöflichen Schloss als Sitz und Wahrzeichen einen Vorteil? Ich glaube nicht, denn die universitas magistrorum et scolarium, die Gesamtheit der Lehrenden und Lernenden, und die universitas litterarum, die Einheit der Wissenschaften, welche zusammen die scientific community ausmachen, ist ja eine virtuelle Gesellschaft, eine Republik der intellektuellen Zwecke oder eine „geistige Lebensform“ und keine emotionale Gemeinschaft mit einem Ideal der Werte, die etwas gewinnt, wenn sie sich täglich anhand architektonischer Symbolik vergewissert, dass alle, die ihr zugehören, beim Frühstücken nebeneinander sitzen könnten. Ganz im Sinne Plessners: die Universität „als Gesellschaft“ bietet dem Menschen den nötigen Raum und Abstand zu anderen und sich selbst, von wo aus er sich immer wieder neu entwerfen und ausprobieren kann. Doch die Hochschule „als Gemeinschaft“ vergewaltigt dieses Grundbedürfnis des Menschen, indem sie ihn auf ein Bild, eine einzige Idee einzuschwören trachtet. Insofern sehe ich schon den Versuch, durch administrativen und baulichen Zentralismus so etwas wie „Identität“, „Korpsstolz“ oder „Gemeinschaftsgefühl“ in der Academia zu erzeugen, als hochgradig problematisch an.

    Aber behalten wir unsere Frage im Auge: Ist der Libeskind-Bau ÄSTHETISCH zu rechtfertigen? Eben haben wir den politisch-moralischen Aspekt berührt. Vom wirtschaftlich-finanziellen wollten wir bewusst absehen. Alles, was Sie, Herr Mansberg, unter den Stichworten „Ort der Begegnung und multifunktionaler Nutzbarkeit“ schildern, betrifft die soziale und kulturelle Thematik sowie den Gesichtspunkt der betrieblichen Brauchbarkeit. Ob es zu den vordringlichen Aufgaben einer Universität gehört, Theater-, Musik- und Tanzveranstaltungen auszurichten und Menschen von nah und fern „auf ihren Campus zu locken“, sei dahingestellt (ich bezweifle es). Aber selbst wenn wir dies alles zugeben und uns auch über den merkantilen Ehrgeiz der Geschäftsführung und über deren Vermarktung von Kongress-, Ausstellungs- und Veranstaltungsflächen an Dritte nicht wundern, bleibt der Einwand: hätte dies alles nicht ein moderner, hochwertiger und anspruchsvoller Zweckbau zum Preis von üppigen fünfundzwanzig oder dreißig Millionen Euro ebensogut (oder sogar besser) geleistet?

    Das „Begegnungsmotiv“ (Björn Adam sprach vom „Brückenbauen“) halte ich für groben Unfug. Eine Universität ist nicht dazu da, den Austausch zwischen ihren Angehörigen und den Einwohnern Lüneburgs zu forcieren (von denen die meisten ohnehin in alltäglicher Wechselbeziehung stehen). Meines Erachtens kann es sich bei derartigem Gerede nur um die Instrumentalisierung eines sentimentalen Romantizismus handeln, welcher die Geschäftsbeziehungen zwischen Privatwirtschaftlichen „Kunden“ und „wissenschaftlichen Beratern“ bzw. „Studien“- und „Gutachten“-Produzenten bemänteln soll. Und wenn Sie, Herr von Mansberg, hier darüber hinaus eine besondere Rolle des Libeskind-Bauwerks sehen, kann ich Ihnen nur die Warnung Fritz Neumeyers aus dem Jahre 1994 entgegenhalten: „Mit diesem Märchenglauben an die magischen Kräfte der Architektur, Herz und Seele des Menschen, ja die gesamte Gesellschaft zu revolutionieren, beginnt im 20. Jahrhundert die Geschichte der Überfrachtung der Architektur mit Erlösungsfantasien des Fortschritts. Seither geht es nicht mehr ums Bauen, sondern um das Schaffen von Symbolen.“ („Die Architekturkontroverse in Berlin“. In: Gert Kähler (Hrsg.): „Einfach schwierig. Eine deutsche Architekturdebatte. Ausgewählte Beiträge 1993 – 1995“, Braunschweig/Wiesbaden 1995, S. 60)

    Damit bleiben „die Jahrmarktskategorie des Spektakulären“, wie das oben einer nannte, und die Frage „Kontrapunkt oder Harmonie“? Aufmerksamkeit und Neugier wecken durch die „Attraktivität“ der ungewohnten Form, der bombastischen Dimension und der gleißenden Neuartigkeit? Ist das nicht Trumpsche Showbiz-Mentalität und Goldkettchen tragender Schaustellerdonaldismus reinsten Wassers? Das Maximum an Auskunft zur Gestalt des Audimax´, das vom „Campusmanagement“ der Leuphana kommt, ist eine verschwurbelte Wortwolke über „das bisherige orthogonale Raster“, welches das bauliche Umfeld strukturiere, und angeblich „kaum Spielraum“ gebe, „abweichend der axialen Struktur neue Blickwinkel zu erleben“, wogegen der Neubau „dieses Raster aufbreche“ und „völlig neue Blickachsen und damit einen neuen Wahrnehmungszusammenhang“ ermögliche, „der das gesamte Campusgelände einbezieht“. Verstehen Sie das hier Gesagte? Ist das nicht eine Trivialität im verbalen Imponierkostüm? Und eine Trivialität, die im Kern für jeden Bau gilt? Auch an der Lessingstraße sieben ist „axial“ und „strukturell“ etwas völlig Neues entstanden, das quer zum architektonischen „Ensemble“ in seiner Nachbarschaft dasteht. Warum jedoch ist es hier eindeutig übelster lärmender Kitsch, während es sich am Bockelsberg um eine „rezeptionsästhetische Herausforderung“ handeln soll?

    Was die „Anziehungskraft“ betrifft, Herr von Mansberg, da halte ich es mit Ihrem Vater. Der sagte, ein gutes Gebäude solle in seiner Hülle so beschaffen sein, dass man gern hinsehe, „aber es soll nicht permament Aufmerksamkeit erzielen wollen.“ Ihm springt Norman Heimbrodt zur Seite, wenn er formuliert: „Gute Architektur lebt von Spannung, Harmonie und einer angemessenen Bescheidenheit. Sie sollte einen Hauch von Selbstverständlichkeit ausstrahlen und sich immer am Wesen des Menschen orientieren.“ Und auch Leon Battista Alberti betonte schon 1452 in „De re aedificatoria“ das unsichere, aber unerbittliche Kriterium der Angemessenheit: „[Architektur ist] Harmonie und Einklang aller Teile, die so erreicht wird, dass nichts weggenommen, zugefügt oder verändert werden könnte, ohne das Ganze zu zerstören.“ Und zum „Ganzen“, Herr von Mansberg, fragen Sie Ihren Vater, gehört eben auch „das Umfeld“. Durch den Konversionsumbau der ehemaligen Kasernengebäude mit den gleichen Klinkerfassaden wie die der benachbarten Wohngebäude, und durch die ebenfalls mit roten Verblendsteinen versehenen Neubauten der Hörsäle und der Bibliothek ist zwischen 1990 und 1997 eine städtebauliche Gesamtkonzeption entstanden, zu der auch die angepassten Außenanlagen und die Erschließung beigetragen haben. In sie hinein platzt das „außer-lüneburgische“ (Jenckel) Zentralgebäude, „als sei es vom Himmel gefallen“. Zurückhaltung, Bescheidenheit, Selbstverständlichkeit, Angemessenheit und Einklang sind gewiss keine Attribute, die einem bei seinem Anblick in den Sinn kommen. (Auch an seiner „Zweckmäßigkeit“, Stichwort „Maschinenhalle“, etc., gibt es viele Zweifel.)

    Zur Architektur, schreiben Sie, da seien Sie „nun wirklich kein Experte“ und trauten sich „ein Urteil nicht zu“. Das ist schade! Wer, wenn nicht Sie, sollte sich ein Urteil zutrauen? Dem Bau werden von allen Seiten alle möglichen „Effekte“ angedichtet. „Ein Gebäude als Hülle oder auch als Aussage?“ Der Leuphana-Präsident behauptet seit Jahren: als Aussage. „Gibt es nur einen richtigen Weg?“ Sicher nicht. Aber für einen hat „Lüneburg“ sich entschieden! Die Frage ist: WARUM? Sie sind „gespannt auf das fertige Zentralgebäude und die Aussage, die es auf diesem Campus macht“? Und Sie sind „gespannt auf die Wechselwirkung mit seiner Umgebung“? Gehört zu dieser „Wechselwirkung“ nicht auch die nun schon viele Jahre andauernde Debatte um den Bau? Und an irgendeine „Aussage“ glauben Sie also doch! WELCHE das ist, mögen Sie vielleicht noch nicht wissen (obwohl mir schwer fällt, das zu glauben). Aber das „WIE“, „WODURCH“ und „MIT WELCHEN konkreten architektonischen MITTELN“ eine wie auch immer geartete „Aussage“ oder „Wirkung“ erzielt werden soll, was zumeist nur oberflächlich oder gar nicht beantwortet wird, — genau darum sollte es hier doch endlich einmal gehen.

    ZWISCHENERGEBNIS, Herr von Mansberg: Sie halten „die Idee des Zentralgebäudes grundsätzlich für richtig“, doch Sie können letztlich nicht sagen, warum. Aber einen benennbaren Unterschied MUSS es geben! Denn immerhin kostet genau dieser Unterschied einhundert Millionen Euro mehr als der Funktionsbau gekostet hätte, der alle die Aufgaben erfüllen würde, die Sie einem solchen abverlangen.

    Vielleicht hilft uns Professor Achatz von Müller weiter. Interessante Erläuterungen zur Intention des Architekten finden sich auch in dem von mir schon erwähnten Aufsatz des Historikers, der es unternimmt, über den angeblich bis 2007 „seltsamerweise ausgesparten Charakter des geplanten Universitätsbaus“ und über dessen „Einbettung in geschichtliche Zusammenhänge“ zu „reflektieren“. Er konstatiert, es gehe in Lüneburg nicht um einen „beliebige[n] Hochschulbau“, sondern um ein neues „Gesicht der Universität“, das es vermöge, die ihr „aufgebürdete geschichtliche Last der Kasernierung und Militarisierung zu brechen“. (Vgl.: http://www.zeit.de/2013/28/leuphana-libeskind-lueneburg)

    Dass die Universität Lüneburg das zu Beginn der 1990er Jahre freigewordene „Gelände des 1935 geschaffenen Kasernenareals“ nutzte, um dort ihren zentralen Campus einzurichten, der bis vor kurzem noch als vorbildlich und „bundesweit einmaliges“ Exempel von nachhaltiger „Konversion militärischer Liegenschaften zu Hochschuleinrichtungen“ galt und gerne bezogen wurde (vgl.: Flebbe, Klaus: „Nachhaltigkeit bei der Konversion militärischer Liegenschaften zu Hochschuleinrichtungen untersucht am Beispiel der Universität Lüneburg“. 1. Auflage, Hannover, Dezember 2010, S. 1), scheint für Achatz von Müller allerdings nicht erwähnenswert. Bei ihm steht die Behauptung im Fokus, dass der Geschichtsvergessenheit unbedingt entgegengearbeitet werden müsse und dies über eine architektonische „Kontrastierung“ besonders gut zu erreichen sei. Schon an dieser Stelle erhebt sich die Frage, ob einem Bauwerk tatsächlich die Fähigkeit zugesprochen werden kann, mittels seiner äußeren Erscheinung einer (vermeintlichen bzw. angenommenen) Geschichtsvergessenheit entgegen zu arbeiten. Wenn ja, sollten bei einer angestrebten Wirkung wie dieser zumindest eindeutige Hinweise zu finden sein, wie „der Lüneburger Entwurf“ dies sollte fertig bringen können. Im Zusammenhang damit wäre dann auch die Frage zu beantworten, wodurch ein Gebäude seinen eigenständigen „Charakter“ erhalten kann, doch all das erhellt von Müller in seinem Aufsatz leider nicht. Ebenso bleibt die Frage unerwogen, ob der Neubau nicht vielleicht eher durch seine modernistisch-spektakuläre Monumentalität ein schwer zu deutendes Zeichen setzt und ansonsten ganz einfach bloß passende oder passend gemachte Geschichten um ihn herum erzählt werden.

    Warum genau das „Libeskind-Projekt“ gerade für die Universität Lüneburg „sein muss“, wie von Müller verfügt, beantwortet der Autor demnach ebenso wenig wie er eine Antwort darauf zu geben vermag, weshalb die Auseinandersetzung mit dem geschichtlichen Kontext durch eine architektonische „Kontrastierung“ besonders gut erzielt werden könne. Möglicherweise müssten sich auch „die Stadtväter“ Lüneburgs bei dem Versuch der Beantwortung dieser Fragen eingestehen, dass vor der Entscheidung für diesen Entwurf − von den horrenden, vorher nicht erwarteten, Kosten ganz abgesehen − weder Nutzer (Studenten und Professoren), noch die Bürger gefragt wurden, ob denn dieser Bau (für den es weder Ausschreibungen noch einen Wettbewerb gegeben hat) tatsächlich angebracht, angemessen oder notwendig sei. Vielmehr geben die anhaltenden Diskussionen allen Grund zur Annahme, dass es mit diesem Projekt doch in erster Linie um ein spektakuläres Renommierobjekt geht, das dazu dienen soll, die Stadt ins Licht zu stellen und Touristen, Unternehmer oder Sensations- und Architekturinteressierte anzulocken. So ist auch die Behauptung nicht gewagt, die Formensprache dieses Gebäudes werde vornehmlich für Aufmerksamkeit − und nicht zwangsläufig zur Auseinandersetzung mit der Geschichte (oder anderen „Inhalten“) − sorgen. Und wenn dann sogar zuletzt Libeskind selbst die Architektur als „semiotisches Verweissystem von mehrdeutigen Zeichen … [begreift], denen zwar historische Bedeutungen und Interpretationen (mit entsprechenden Vorgefühlen) unterlegt sind, die aber einen größeren Bedeutungszusammenhang nicht herstellen“ (Zitiert nach: Heß, Regine: „Emotionen am Werk. Peter Zumthor, Daniel Libeskind, Lars Spuybroek und die historische Architekturpsychologie“, Berlin 2013, S. 159), scheint die „kulturreflexive“ Basis (Müller), auf der dieser Entwurf begründet werden soll, mehr als dünn und eigentlich vollkommen fehl am Platz.

    Dann aber erhebt sich die Frage, Herr von Mansberg, ob diese Architektur überhaupt noch Bedeutungsträger ist. Oder ist sie bloß schiere Faktizität wie die Natur? Ist nicht im Reigen der sogenannten „Signalbauten“ nur der beständige Wechsel von Dauer? Manifestiert sich solche Architektur nicht schlicht in der Besetzung von Territorien, in der Behauptung der Macht des Stärkeren (unterstützt von Reklame-Tamtam, Standort-Marketing und Public Relation)? Und organisiert sie nicht ihre Lebenseinheiten als Symbiosen des reinen Erfolgs? Sie ist da, weil sie es geschafft hat, da zu sein. Wer nun noch fragt „Warum das Ganze?“, erhält zur Antwort: damit es Evolution gebe, denn alles geschieht, weil es möglich ist, und möglich ist alles, solange sich alles wandelt.

    Damit ist die heutige und also auch die Libeskind-Architektur beschrieben. Die Bauten stehen, wie sie stehen, wo sie stehen, und wer fragt, warum sie dort so stehen, erhält zur Antwort, dass man diese dumme Frage auch dann stellen könnte und stellen würde, wenn sie ganz anders (bzw. woanders) dastünden. Das relativiert jede Planung zu einer bloßen Wahl aus lauter Möglichkeiten, die alle gleichermaßen als völlig untauglich zu stigmatisieren wären. Also merkt man den Bauten an, dass ihnen kein Plan zugrundeliegt außer einem beliebigen. Ihre stärkste Rechtfertigung signalisieren sie als offensichtliche Aufforderung, sie gleich wieder abzureißen. Auch das Audimax wurde als einstürzender Neubau konzipiert unter der tröstlichen Versicherung, wenigstens seine Materialien seien nahezu recyclebar und seine „Energiebilanz“ genauso groß, als würde er gar nicht existieren. Auch in der Libeskind-Architektur erfüllt sich also die evolutionäre Produktionslogik, derzufolge alles Geschaffene nur noch wertvoll ist, soweit es umstandslos wieder aus der Welt gebracht werden kann.

    So baut man kommunikationsstrategisch lauter potemkinsche Fassaden der Selbstrechtfertigung; glanzvoll hält man anderen vor, sie seien die wahren Schuldigen, man selbst nur ein armes Opfer (ein zartes Hochschülchen, das vielleicht einmal geschlossen werden könnte), welches in (präventiver) Notwehr 125 Millionen Euro teure Selbstschutzanlagen baut. Und Notwehr sei ja etwas ganz natürliches. Eben eben.

    Und „man“ schreibt dann etwa, dass sich die Architekten dann natürlich anstrengen möchten, wie sie wollten. Definieren sie öffentliche oder halböffentliche Räume mit hohem Anspruch auf integrative Wahrnehmung, so kriegen sie mit Sicherheit zu hören, das schränke die Freiheit ein, sich nach Belieben zu verhalten. Reduzieren sie die orientierenden Formideen, wirft man ihnen Phantasiearmut vor. Fügen sie das Heterogene unter ordnende Gedanken, machen sie sich schuldig, den Tod der regionalen Besonderheit herbeizuführen. Maskieren sie die Fassaden zu mediengerecht „attraktiven“ Signalgebern, heißt es mit Sicherheit, sie wollten die Stadt dem Unterhaltungsmoloch zum Fraß vorlegen. Bauen für den öffentlichen Raum? Architektur der öffentlichen Kommunikation? Na, wenn Sie meinen, Herr von Mansberg …

    MfG, Ihr Kevin Schnell

    • Lieber Herr Schnell, nach der anregenden Lektüre Ihres Posts bleibt mir nicht mehr als es auf gute britische Art zu sagen:

      „Bloody brilliant, chap!“

      Schöner und intelligenter kann man die leeren Worthülsen und die aufgeblasenen Rechtfertigungen für einen zumindest in seiner Art unnötigen Bau nicht dekonstruieren…

      • Detlev Behrens
        norbert, alias bundeskaper, was haben sie ständig mit den briten? es sind insulaner und keine europäer. schmunzel.

        • Na Herr Bruns, ist Ihr Beitrag Ihre Version des Augsburger-Puppenkisten-Klassikers „Ah, jetzt, ja, eine Insel!“ ?

    • Hallo Herr Schnell
      wie lautete noch mal ihre kernaussage? ich habe mir die mühe gemacht, alles zu lesen. es zieht sich. waren wir uns alle hier nicht einig, dass die kürze auch die würze sein kann? MfG Ihr Klaus Bruns
      p.s. was ihren beitrag angeht, ich hätte es nicht genauer beschreiben können. schmunzel.

      • Auch Friedrich von Mansberg, genausowenig wie irgend ein anderer, kann Ihre wichtige, eigentlich DIE zentrale Frage beantworten, Herr Bruns: »Warum ist der Bau so und nicht anders?«

        Das ist meine Kernaussage.

        Und darin, dass niemand eine Antwort kennt (und außer dem armen Professor von Müller nicht einer – weder in Lüneburg noch in Hannover oder in Brüssel) überhaupt jemals versucht hat, eine Antwort zu geben, die auch nur den Anschein von Überlegung und Haltbarkeit erwecken konnte), darin besteht der eigentliche Skandal. Ich hatte es bereits geschrieben: auf der Grundlage von blödem Gequatsche und autosuggestiven Reklameparolen ist entschieden worden, einhundert Millionen Euro MEHR auszugeben als nötig gewesen wären. Einhundert Millionen Euro für einen Markennamen und 25 Millionen für den Anzug, der nun auch noch schlecht sitzt, weil das Designer-Design wichtiger war als die Passform. Dabei hätte man wissen können, dass ein Gernegroß immer ein Gernegroß bleibt, besonders aber dann, wenn er an einer Cohiba Behike nuckelt und seine Anzüge in Penne (Provinz Pescara in den Abruzzen) bei Brioni von Hand schneidern lässt:

        „A dwarf who brings a standard along with him to measure his own size, — take my word, is a dwarf in more articles than one.“

        (Laurence Sterne: „The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman“. Buch 4, Kapitel XXV (ganz am Ende, vorletzter Satz))

        • „Auch Friedrich von Mansberg nicht, genausowenig wie irgend ein anderer, kann Ihre wichtige, eigentlich DIE zentrale Frage beantworten, Herr Bruns: »Warum ist der Bau so und nicht anders?«“

          So muss die korrekte (und nun korrigierte) Version meiner „Kernaussage“ lauten.

          Der Satz von Sterne lässt sich so übersetzen:

          „Ein Zwerg, der einen Maßstab mit sich schleppt, um seine eigene Größe daran zu messen, — der ist, darauf gebe ich Ihnen mein Wort, in mehr als einer Beziehung ein Zwerg.“

        • Nichts ist so vollkommen amüsant, wie ein völliger Gedankenaustausch. Laurence Sterne
          LG.Klaus Bruns

    • Sehr geehrter Herr von Mansberg

      Sie sind »überzeugt, dass ein Gebäude von einem der international renommiertesten Architekten unserer Zeit, Aufmerksamkeit und Neugier weckt. Hoffentlich auf das, was in diesem Gebäude bzw. in der Uni stattfindet. Das tut unserer ›alten‹ Stadt gut. Diesen Weg haben in den vergangenen Jahren unter anderem viele Museen beschritten, etwa in Bilbao.«

      Ich habe vier Fragen und eine Anmerkung:

      1) Ist der Hinweis auf Renommee eine Garantie für Qualität?

      2) Können Sie mir ein einziges Beispiel nennen, wo »Aufmerksamkeit und Neugier« für ein Gebäude etwas Positives bewirkt hat »für das, was in der Uni stattfindet«, nämlich Forschung, Lehre und im günstigeren Fall noch Lernen und Denken?

      3) Inwiefern tut unserer »Aufmerksamkeit und Neugier« für ein Gebäude unserer »alten« Stadt gut?

      4) Gibt es nicht einen kategorialen Unterschied zwischen den Vermarktungsnotwendigkeiten eines Museums und den Aufgaben und Pflichten einer Universität?

      ANMERKUNG: Das Guggenheim-Museum Bilbao im spanischen Baskenland ist eine Institution, die eine Sammlung bedeutsamer Exponate der Modernen Kunst beherbergt. Das einem Oval ähnliche Gebäude mit einer Ausstellungsfläche von 11.000 m² befindet sich in der Innenstadt Bilbaos am Ufer des Flusses Nervión. Das Baukonzept des kanadisch-US-amerikanischen Architekten und Designers Frank O. Gehry wurde der Solomon R. Guggenheim Foundation 1993 vorgestellt. Die Grundsteinlegung erfolgte noch im gleichen Jahr. Schon 1997, knapp vier Jahre später wurde das Gebäude fertiggestellt, das für seinen »dekonstruktivistischen« Baustil berühmt ist (von dem niemand wirklich sagen kann, was daran warum »dekonstruktivistisch« soll und wieso das irgendwie wichtig sein könnte). Sowohl die geplante Bauzeit als auch der veranschlagte Budgetrahmen wurden genau eingehalten.

      Am 8. April 2008 schreibt taz-Redakteur Rolf Lautenschläger: »Das silbrig glänzende, organisch verspielte Gebäude steht für ein neues Verständnis von Museumsarchitektur: Die Architektur als begehbare Skulptur ist selbst ein Kunstwerk und hat sich von ihrem Inhalt emanzipiert. Zugleich behauptet Guggenheim Bilbao eine moderne ›Corporate Identity‹ für eine Industriemetropole im Wandel.«

      Der Artikel erschien anlässlich einer Wanderausstellung, zusammengestellt vom Art Centre Basel, die 2008 im Berliner Pergamonmuseum gezeigt wurde und deren Thema »der neue globale Kontext von Museumsbauten sowie deren schrille Inszenierung und aufdringliche Repräsentanz in den reichen Kapitalen« gewesen ist: »Viele der neuen Museen sind aufgeladen von Bildern der Vernetzung und Mobilität, der Gigantomanie, des Marketings und Konsums.«

      Für Lautenschläger handelt es sich um »expressive Bau-Events«, um »eine laute Geste, die über die Kunst dominiert«. Eigentlich werde durch solche Architektur, die mit rücksichtsloser Eitelkeit ausschließlich sich selber feiere, jeder »Inhalt« marginalisiert.

      »Als antimuseales Maximum erscheint auch der Entwurf für das Eyebeam Museum of Art and Technologie in New York, den die US-amerikanischen Architekten Diller Scofidio & Renfro 2001 entwickelt haben. Bei ihnen erhebt sich ein aufsteigendes gefaltetes Band bis hinauf in luftige Höhen, in dessen Schleifen große Räume und Erschließungssysteme für das Museum eingestellt sind. ›Abnorme Architekturen ‹ nennt das Büro seine Projekte – ganz in der Absicht, die Grundideen des Museumsbaus, der für Bewahrung stand, mit aggressiven Gegenbildern zu kritisieren.

      Gleich gegenüber hängen die Pläne der Lehrmeister von Diller & Co.: Zaha Hadid, Daniel Libeskind und Frank Gehry und ihre zerklüfteten Museumsprojekte für Rom, Denver oder Washington. Alle drei pflegen ihre bekannte, dekonstruktivistische Handschrift und sind zugleich Paradebeispiele für marktschreierische Imagebildung vor Ort. Das Museum als spektakuläre Event-Architektur, als globaler ›Bilbao-Effekt‹ – wie es der Louvre-Ableger von Jean Nouvel in Abu Dhabi sinnfällig vorführt -, hat seine einstige Aura abgelegt.«

      Also, Herr von Mansberg, beim berühmten »Bilbao-Effekt« geht es um nichts weniger als die Rettung der Stadt. Die abgenutzte Wendung besagt bloß, dass es etwa zehn Jahre lang (1995 bis 2005) weltweit einen dominanten, heute als abstoßend empfundenen Trend zum Marktschreierischen bei großen Kulturbauten gegeben hat UND dass der berühmte „Bilbao-Effekt“ NICHT darin besteht, dass der Bau des Guggenheim Museums von Architekt Frank O. Gehry 1997 eine dahinsiechende Stadt im Norden Spaniens wieder auf die Beine brachte (wie es die Legende von eifrigen Verkäufern angeblicher Markenartikel will). Denn die Transformation der ehemaligen Industriestadt Bilbao zum Tourismusmagneten und zur Dienstleistungsmetropole verdankt sich KEINESWEGS der Ansiedlung des neuen Museums als expressiver Stadtkrone (nicht einmal am Rande und schon gar nicht hauptsächlich). Es waren die wirtschaftlich-investiven Initiativen der späten 1980er Jahre, welche die Stadt nach vorn brachten. Der Bau einer U-Bahn, ein neuer Flughafen, ein neues Abwassersystem, Wohn-, Freizeit- und Gewerbeanlagen in der Innenstadt, die Neugestaltung des innerstädtischen Flussufers – DAS beförderte, DAS machte den »Bilbao-Effekt«. Weil das aber wenig bekannt ist, haben viele Politiker überall auf der Welt die Lehre von Bilbao meist falsch verstanden: So ein »Bilbao-Effekt« lässt sich ÜBERHAUT NICHT durch möglichst spektakuläre Kulturtempel von möglichst bekannten Stararchitekten erzwingen. Gigantomanie ist selten ein Erfolgsrezept, es sei denn, man hat das Ziel ein Gemeinwesen zu ruinieren. (Vgl. z. B.: http://www.deutschlandfunk.de/den-bilbao-effekt-lieber-vergessen.691.de.html?dram:article_id=241563 und http://www.scholars-on-bilbao.info/fichas/Haarich_Plaza_Guggenheim_Bilbao.pdf)

      LG, Tobias Günther

  27. http://www.spiegel.de/fotostrecke/moderne-architektur-100-zeitgenoessische-haeuser-fotostrecke-143238-4.html
    man achte auf das foto nr. 4 die ähnlichkeit mit dem zentralbau ist umwerfend. schmunzel

  28. Hallo Ratsherr Friedrich von Mansberg

    Jetzt bin ich aber mal gespannt, was da als nächstes von Ihnen kommt.

    LG, Ute Hennings

  29. Vielleicht lassen sich die Unterzeichner der Anzeige „Lüneburger für ihre Leuphana“ (LZ vom 09.10.2010 S. 52) nicht lumpen und werden alles ihnen Mögliche unternehmen, die Finanzierungslücke zu schließen.

    Hey Leute, ihr habt bestellt!

    zur Erinnerung:

    „Paris ohne den Eiffelturm oder Hamburg ohne den Michel wären undenkbar. Das Image und die Wahrnehmung werden in ganz hohem Maße auch durch solche Signale geprägt. Ein Libeskind-Campus und ein neues Zentralgebäude werden die Attraktivität der Universität und der gesamten Stadt äußerst positiv beeinflussen. Welch ein Glück, dass sich einer der renommiertesten Architekten der Welt dieses Projektes für Lüneburg angenommen hat!“

    Michael Alpers • Claudia von Alvensleben • Martin Aude • Gerhild Bauer • Helmut Bauer • Christoph Baumgärtner • Michael Behns • Dr. med. Gabriele Bender • Sven Bender • Claudia von Bernstorff • Christian von Bernstorff • Volker Beseht • Marie-Theres Beseht • Prof. Dr. Max Michael Bliesener • Prof. Dr. med. Gisbert Brinkmann • Henning J. Ciaassen • Prof. Dr. med. Peter Dali • Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Dinges • Dr. Holger Dressler • Hasso von Düring • Dr. med. Barbara von Düring • Klaus Dützmann • Dr. Felix Eggert • Dr. med. dent. Karla Engelhardt • Heiko Ernst • Ursula Findorff • Hajo Fouquet • Hartmut Franke • Prof. Dr. med. Christian Frenkel • Roland Fuchs • Peter Futh • Jörg Gerdes • Joachim Gerdes • Johanna Gerhard • Kurt-Henning Gerhard • Eberhard Grohmann • Dirk Michael Habor • Michael Hasenauer • Georg-Dieter Havemann • Jens-Peter Hecht • Prof. Dr. med. Henning Henningsen • Jörg Heydorn • Helmke Hinrichs • Ulf Hinze • Dirk Hischemöller • Klaus Hoppe • Hans-Georg Höbermann • Dr. Bettina Jansen-Schulz • Sven Jeromin • Dr. Rolf Johannes • Carsten Junge • Guido Jung • Markus Kammermeier • Tobias Kandel • Edda Klettke • Erhard Klettke • Dr. Reinhard Knöll • Dr. Matthias Krause • Fritz von Krosigk • Christian Kopeke • Prof. Dr. med. Thorsten Kucharzik • Rickwan von
    der Lancken-Wakenitz • Claus-Peter Langlotz • Lutz Lehmann-Bergholz • Dieter Löchel • Andreas von Lochow • Friedrich Lüllau • Dr. Annette Luths • Peter Luths • Karl Reinhold Mai • Carl-Peter von Mansberg • Friedrich von Mansberg • Eberhard, Felix-Benjamin und Max Manzke • Ralph-G. Matzen • Werner von Meding • Dr. Renate Menk • Prof. Dr. Joachim Merz • Ed Minhoff • Dr. Ties Möckelmann • Prof. Dr. Wolfgang Müller-Michaelis • Fritz von Oertzen • Irene von Oertzen • Dr. med. Roberto Olianas • Hans-Henning Orthey • Jan Orthey • Bernd Passier • Dr. med. dent. Gerd Peters • Dr. med. dent. Uwe Peters • Christoph von Plato • Dorothee von Plato • Detlev von Plato • Günter Porth • Katharina Rabbethge • Frank-Rainer Reich • Ulla Renfer-Vonnemann • Dr. Richard Reuter • Dr. Dieter Rüdebusch • Jürgen Sallier • Prof. Dr. med. Anton Schafmayer • Cornelius Schafmayer • Prof. Dr. jur. Manfred-Carl Schinkel • Matthias Schmeling • Dr. Edzard A. Schmidt-Jortzig • Dr. Alwin Scholze • Elke Scholze • Felicitas Schulte • Manfred Schulte • Wolfgang Schurreit • Martin Schwickrath • Prof. Dr. med. Josef Sonntag • Dr. med. dent. Arnold Spallek
    Dr. med. dent. Wisgard Spallek • Alexander von Spoercken • Christiane von Spoercken • David Staples • Michael von Stern • Susanne von Stern • Ralf Stöver • Günter Strube • Urs Michael Theus • Ludolf von Veitheim • Jürgen Vogt • Manuela Vossenberg • Anette Wabnitz • Stefan Wabnitz • Heinz-Günter Waltje • Ralf Wegener • Dr. med. Christian Weiß • Bernd Wiechel • Eckhard Winkelmann • Dr. med. Henning Winter • Isabel Witte • Jürgen Wolf • Rudolf Zajons • Michael Zeinert • Siegfried Ziehe • Christoph Zühlke

    • Sabbi Lückenschluss

      Hallo jo bembel, die von Adabeis, die auf Ihrer Liste ja nur scheinbar fehlen, beklatschen derweil stellvertretend für alle ihre lieben Freunde „das unfassbare Glück“, dass sich „einer der renommiertesten Architekten der Welt“ vollkommen selbstlos und uneigennützig dieses „Imageoptimier- und Wahrnehmungsintensivierprojektes“ für Lüneburg angenommen hat: http://static.worterbuchdeutsch.com/800/claqueur-1.jpg

      • Sauber, die vier sollten direkt vor dem Haupteingang des Libeskind-Gebäudes aufgestellt werden, damit jeder, der rein oder raus will, weiß, wie man sich verhält, wenn Herr Dr. Spoun oder Herr Dr. Meyer-Guckel in der Nähe sind.

  30. Eventuell hat Ptolemäus (und damit auch Grässe) sich geirrt. Er könnte es mit Levefanum verwechselt haben, das auf der linken Rheinseite gelegen habe. Da Ptolemäus nachweislich auch andere poleis falsch bezeichnet habe, liege dieser Verdacht nahe. Auch der Namensforscher Jürgen Udolph vertritt die Auffassung, dass „Leuphana“ mit Lüneburg nichts zu tun habe.[3] Er wird dabei von seinen Kollegen unterstützt.[4]
    leuphana ein fake, es würde zum gebäude passen. schmunzel.

    • Naja, ein bisschen überspannt und weit hergeholt, wie alles im Keller-Spounesken Kaderinkubator, aber ein Fake? Ein sprechender Name, der von geheimnisvollem Bedeutungsreichtum raunt, ohne tatsächlich etwas zu sagen, ist immer noch besser als Sparkassen-Hochschule oder Rheinzink-Uni.

  31. Lieber Herr Jenckel,
    danke aufrichtig für diesen trefflichen Kommentar.

    Sie lassen zwar – ganz Journalist – letztlich offen, wie Sie in verantwortlicher Position entschieden hätten. Einerseiits ist die Architektur eben extrovertiert und durchaus außergewöhnlich für Lüneburg – doch eben nicht einmalig, da üblicher Libeskind-Stil. Soooo besonders ist daher die Architektur nicht, im Gegenteil, Libeskind-Bauten sind letztlich (leider) austauschbar, da immer erkennbar ähnlicher Stil.

    Womit wir beim Andererseits wären: ist es nötig gewesen, diesen Bau mit den absehbar sehr hohen Baukosten (und noch weitaus überdurchschnittlicheren Unterhaltungs- und Betriebskosten) zu realisieren?
    Dazu wurde und wird (siehe die Anzahl der Kommentare hier) viel gesagt.

    Summa summaris hätte ein für die Leuphana-Universität medial wirksamer Leuchtturm auch effizienter hätte realisiert werden können – aber wer fragte danach die Fachkundigen vor 10 Jahren?

    Niemand. Nicht in Lüneburg, nicht in Hannover.

    Sei’s drum. Vergangenheit. Was aber heute und in Zukunft zählt, ist exakt das, worauf Sie zurecht in ihrem Kommentar hinweisen: JETZT SCHWEIGEN die vorherigen Unterstützer und Befürworter.

    Und das ist unser gesellschaftliches Problem generell: niemand übernimmt Verantwortung und steht zu seinen Überzeugungen! Viele haben keine Überzeugungen, sind Opportunisten, gewiß.

    Aber ich brauche Ihnen nicht erläutern, wo wir aktuell Milliarden ausgeben für „humanitäre Pflichten“, deren Sinnlosigkeit in dieser Form offensichtlich sind – und später wird es NIEMAND gewesen sein, der die Milliarden sinnlos verteilt hat.

    In Lüneburg ist immerhin ein geschichst- bzw. geschichtenwürdiges Gebäude entstanden. Gewiß haben die Milliarden auch einigen Biographien wünschenswerte Optionen eröffnet – aber im Verhältnis verstehe ich nicht, warum im Kleinen auf Schweigen hingewiesen, im Großen jedoch nicht.

    Unzulässiger Bogen?
    Vielleicht. Aber Sie wissen, warum ich es schreibe. Im Jammern und Zynismus sollten wir uns nicht einrichten.

    Beste Grüße
    Michael Recha

    • Hallo Herr Michael Recha

      → Ich „brauche Ihnen nicht [zu] erläutern, wo wir aktuell Milliarden ausgeben“.

      Doch, Herr Recha, genau das müssen Sie sogar sehr konkret erläutern, wenn Sie nicht weiterhin als der gedankenlos und schlecht informiert schwarzmalende Sabbelphilipp gelten wollen, der Sie höchstwahrscheinlich sind.

      → Im „Verhältnis verstehe ich nicht, warum im Kleinen auf Schweigen hingewiesen, im Großen jedoch nicht.“ Dieses Gestammel übersetze ich mir mal so, Herr Recha: Sie verstehen nicht, warum in Lüneburg beschwiegene Betrügereien aufstoßen, in Hannover beschwiegene aber nicht.

      Wenn Sie dabei z. B. an Herrn Winterkorn und Herrn Piech denken, gebe ich Ihnen recht, glaube aber, dass die Staatsanwälte in allen Fällen einhaken werden, sobald die Faktenlage es gestattet.

      → „Unzulässiger Bogen?“

      Nicht unzulässig, Herr Recha, sondern unsinnig. Und nicht nur vielleicht, sondern ganz bestimmt, da keinerlei Bezug zum Thema zu erkennen ist. Aber Ihre Absicht zum blöden Agitprop sehr wohl. Und das verstimmt. (Auch AfD-Heulbojen können durch geistloses Dauergeplärre auf die Nerven fallen und damit ihren Zwecken der Stimmungsmache zuwider handeln.)

      → „Sie wissen, warum ich es schreibe.“

      Ich weiß es nicht, Herr Recha, aber ich ahne es. Und in dieser Ahnung machen Sie leider eine ganz, ganz schlechte Figur.

      → „Im Jammern und Zynismus sollten wir uns nicht einrichten.“

      Wir? Dann gilt das also auch für Sie? Aber warum tun Sie´s dann trotzdem, Herr Recha? Warum richten Sie sich´s derart behaglich im Dauer-Jammern ein? Wenn Sie´s nur tun, um Jammer bei anderen zu erzeugen, sind Sie ein jämmerlicher Zyniker. Wenn Sie´s jedoch tun, weil Sie nicht anders können, sind Sie ein Jammerlappen.

      Georg Werner Harms

    • Hallo Herr Recha, damit, dass Libeskind sich nun schon seit zehn Jahren nur noch selbst kopiert, liegen Sie richtig. Aber ich wundere mich über Ihre Generosität im Namen „der“ Lüneburger. „Sei’s drum, Vergangenheit!“ Ist das Ihr Ernst? Und immerzu schreiben Sie im Pluralis Majestatis? Wir, wir wir? Wer hat Sie denn dazu autorisiert? Und wieso behaupten Sie, ein gigantischer Betrug rechtfertige einen bloß sehr großen? Oder lasse zumindest schmunzelnd über „ausgekochte Schlitzohrigkeit“ hinwegsehen, die sich die Quantité négligeable von bloß hundert Millionen Euro ergaunert? Ist also etwa ein hundert Milliarden Euro-Betrug wie der in Wolfsburg, der mit der Entlassung vieler zehntausender von VW-Mitarbeitern bezahlt werden wird, etwas, das beispielsweise die hinterzogenen Steuern von Uli Hoeneß entschuldigt? Und was besagt diese hanebüchene Theorie über die Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der „Finanzierung“ des Libeskind-Baus? Darf sich in Zukunft jeder Taschendieb darauf berufen, dass seine „geschichtenträchtigen“ Motive ja verblassen würden vor den astronomischen Beträgen, die Millionen von Schwarzgeld-Kunden aus Deutschland auf den Konten von Offshore-Banken deponiert haben?

  32. Friedrich von Mansberg

    Lieber Herr Schnell,

    Ich kenne von Julius Posener folgenden Satz: „Die Architektur ist eine Kunst im Konflikt mit ihrem Gebrauch.“ Also immerhin eine Kunst. Und Kunst ist dann gut, finde ich, wenn sie diskursfähig ist, Fragen stellt und zur Auseinandersetzung einlädt. Zu welchem Diskurs also lädt das Zentralgebäude ein? Alt gegen neu, hierarchische Ordnung versus freie Formen, Achsensymmetrie versus sprengende Diagonale? Schafft es das Gebäude tatsächlich, einen „demokratischen“ Gegenpol zur vermeintlich autoritären und militaristischen Architektur der 30er Jahre auf dem Campus zu bilden? Ich bin skeptisch wie Sie, stelle aber fest, dass genau dieser Diskurs ja gerade stattfindet. Und ich bin neugierig auf das fertige Gebäude. (Nebenbei: zu der Idee des „demokratischen“ Gebäudes passt das Gebaren rund um die Finanzierung nun gar nicht.)

    Was Sie über „Bedeutungsarchitektur“ schreiben, kann ich verstehen, auch da bin ich skeptisch. Allerdings: das Jüdische Museum in Berlin, ja Libbeskinds „Durchbruch“, überzeugt mich in seiner künstlerischen Haltung wie auch als Museum sehr.

    „Eine Kunst im Konflikt mit ihrem Gebrauch“ – doch, aus Sicht der Stadt und als Argument für den Baukostenzuschuss der Stadt spielt das Begegnungsmotiv sehr wohl eine Rolle. Und die Idee eines zentralen Universitätsgebäudes bestätigen Sie ja selbst, für eine kleine Uni wie die unsere. Das war doch gerade der entscheidende Fortschritt Anfang der 90er Jahre – die Uni als Campus-Universität entwickeln zu können. In diesem Sinn meint Begegnung ja Pluralität, Vielfalt. Gemeinschaften nicht als Gleichschaltung. Wenn das gelänge, erfüllte das Zentralgebäude doch wirklich eine wichtige Aufgabe!

    • Lieber Herr von Mansberg,

      noch einmal: Ich danke Ihnen. Sie wissen, dass wir beide hier ein Stellvertretergefecht vor großem Publikum führen. Sie als einer, der aus honorigen Motiven den Bau befürwortet, ich als einer, der mit – wenn Sie so wollen – dem Interesse des Bürgers und Freizeit-Ethnologen zu verstehen versucht, wie eine solche Befürwortung überhaupt möglich (im Sinne von theoretisch konsistent begründbar) ist. Über die praktischen Gesichtspunkte ist leicht Einvernehmen herzustellen: Taugt der Bau? Wer bezahlt? Genügt er den Anforderungen? Ist bei Planung, Vergabe, Ausführung und Honorierung alles koscher gelaufen? Stehen Preis und Leistung in einem vertretbaren Verhältnis? Sind seine Auslastung und die Finanzierung seines Unterhalts gesichert? Trägt er zum Gemeinwohl bei? Dient er seinen Zwecken? Verbessert er die Lage der Universität und das Erreichen ihrer Ziele? Sind die Annahmen, mit denen die Kostenzuschüsse von Kreis und Stadt gerechtfertigt wurden, plausibel und vertretbar oder entbehren sie jeder rationalen Basis und beruhen auf reinem Wunschdenken? Et cetera pp. Das alles sind – prinzipiell – leicht zu beantwortende Fragen, über welche die Zeit, die Historiker oder die Gerichte zweifelsfrei Klarheit verschaffen werden.

      „Kunst im Konflikt mit ihrem Gebrauch“ ist, finde ich, eine hübsche Formel. Architektur ist Gebrauchskunst wie Möbel, Kleidung, Werkzeuge und andere mit Aufmerksamkeit gestaltete Alltagsgegenstände auch. Aber gerade, wenn Sie, was ich ebenfalls für absolut richtig halte, auf den unversiegbaren Überschuss an Gesprächs- und Reflexionsangeboten hinweisen, durch den sich „echte“ Kunst von Ramsch und Dekokitsch unterscheidet, MUSS gezeigt werden, WIE diese „Kunst“ es bewerkstelligt, uns in diese Gespräche hineinzuziehen. Ist ihr „Ausdruck“, ihr „Appell“ oder ihre „Aussage“ wirklich „Bestandteil des Werkes“ oder nur „Bestandteil der Interpretationen“ (Juan Pablo Bonta)? Ich mache es noch einmal konkret: Den Faktor „Architektur“ in Ihrem Sinne, Herr von Mansberg, als Größe in der Kosten- UND in der Wert-Debatte um den Libeskind-Bau überhaupt zu behandeln, ergibt ja nur dann Sinn, wenn sie (die besondere architektonische Gestalt) einen Beitrag leistet, DER OHNE SIE NICHT ZU ERZIELEN GEWESEN WÄRE. Das ist die Bruns´sche Frage: WARUM so und nicht anders?

      Alles, was dazu bisher von Libeskind selbst, von Keller und Spoun und ihren „wissenschaftlichen“ Propagandisten und „politischen“ Multiplikatoren kam oder von Althusmann und Dr. Wanka, von Mädge und Nahrstedt und aus den Reihen der von Herrn Jenckel beschriebenen „Fan-Gemeinde an Honoratioren“ geäußert wurde, „die als Claqueure jeden Audimax-Kritiker als Brandstifter beschimpfen“, war, lieber Herr von Mansberg, erbärmlich –, war nämlich in all seinen ungezählten Variationen des immergleichen salbadernden Ausweichens bei genauerem Hinsehen nicht mehr als das, was der große Gottfried Keller seinem „milchjungen Knaben“ empfahl, der ja niemand anderes ist als Hans Christian Andersens „Stimme der Unschuld“ aus „Des Kaisers neue Kleider“:

      Du milchjunger Knabe,
      Wie siehst du mich an?
      Was haben deine Augen
      Für eine Frage getan!

      Alle Ratsherrn der Stadt
      Und alle Weisen der Welt
      Bleiben stumm auf die Frage,
      Die deine Augen gestellt!

      Ein leeres Schneckhäusel,
      Schau‘, liegt dort im Gras;
      Da halte dein Ohr dran,
      Drin brümmelt dir was!

  33. Friedrich von Mansberg
    Kunst ist relativ und sollte bezahlbar sein, finden sie nicht? so mancher glaubte, die kunst in seinem tresor wäre tatsächlich das geld wert, was er dafür ausgegeben hat. das erwachen kommt meistens später. wenn diese kunst von dem geld bezahlt wurde, was derjenige über hatte, sei es ihm gegönnt. hier sieht es aber ganz anders aus. woher nehmen und nicht stehlen? wer wird wohl am ende zur kasse gebeten? was meinen sie? ich meine, die sozial schwachen werden in und um lüneburg die zeche bezahlen, wie sie es für den mittelstand , der hier mal wieder der nutznießer sein wird,für deren eskapaden ,schon immer bezahlen mussten. MfG Klaus Bruns

    • Florian Wertmann

      @Klaus Bruns
      Wer legt denn fest,was wichtig, nötig ,bezahlbar ist? Ein in Reppenstedt ansässiger Pensionär oder Oma Lotte , der Pizzabäcker aus LG,oder wer?
      Wer den Fortschritt, die Digitalisierung und auch zukünftige, nötige Objekte einfach schlechtredet ,ist weder an Fortschritt, noch am Fortbestehen Lüneburgs als Universitätsstadt interessiert.
      Diesen „ewig Gestrigen“ die an Lebenseinstellungen, Denken über Geld und Investitionen von vorgestern festhalten , die sich vielleicht nach dem 2.WK als gut herausgestellt haben,muss man sagen: Willkommen 2016 liebe Pensionäre!

      • Florian Wertmann
        sie wissen schon wo von hier gesprochen wird? es geht um verschwendung und nicht um nötige investitionen. blenden und sich blenden lassen sind zweierlei, aber beides leider sehr beliebt.ist wie bei den sprüchen der sozialpolitiker.

    • Dieter Haverbecker

      @bruns
      Für welche „Eskapaden“ haben Sie denn bezahlt? Das ist mal wieder ein Spruch aus der linken Taumwelt,daß der „arme deutsche,geprellte und mittellose Bürger“ wieder für die reichen und schwerreichen die Milliarden zahlen muss.

      Es gibt immer wieder ein paar verbitterte alte Menschen, die modernen, gebildeten und mit der Zeit gegangenen jüngeren Menschen nicht die Butter aufs Brot gönnen.
      Dabei wird vergessen,das jung, modern und zeitgemäss auch fortschrittlich, neu und zukunftsweisend heisst.
      Als die ersten PC`s in den USA vorgestellt wurden,waren verbiesterte alte Männer anwesend, die derart negativ waren, daß sie behaupteten das sich „der Blödsinn“ sowiese nicht durchsetzen werde,weil ihn niemand bräuche und alles nur „Geld kosten würde“. Waren Sie in den USA? *schmunzel*

  34. Lieber Ratsherr Niels Webersinn,

    haben Sie zu all dem hier Erörterten auch eine Meinung? Es würde mich freuen, diese hier zu lesen.

    Ihr Georg Wüstenhagen

    • Georg Wüstenhagen
      es würde mich auch interessieren, ob herr Niels Webersinn eine eigene meinung hat, oder doch nur ein getriebener ist. aber er sucht bestimmt immer noch das geld, was angeblich lüneburg für das libeskinddenkmal ,,nicht,, bezahlen will, kann, oder soll.

  35. Lieber Ratsherr Friedrich von Mansberg

    Es ist das Verdienst von „jo bembel“, noch einmal auf eine besondere Medien-Preziose aufmerksam gemacht zu haben, die vor wenigen Wochen, exakt einen Monat bevor Donald Trump der Welt bewies, dass ein primitiver Soziopath und Reklame-Avatar sogar zum Präsidenten einer Nuklearmacht emporgelogen werden kann, ihr fünfjähriges Jubiläum hätte feiern können (und vielleicht auch gefeiert hat): https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/384915-rund-100-millionen-kostet-der-libeskind-bau-und-das-land-zahlt#comment-74856

    Sie erinnern sich vermutlich noch gut an diese Anzeige, die am 9. Oktober 2011 unter der Überschrift „Lüneburger für ihre Leuphana“ in der Landeszeitung auf Seite 52 eine stattliche Anzahl von Namen präsentierte, deren Träger sich mit Ihrer Unterschrift öffentlich zu dem sagenhaft dummen Ausruf bekannten: „Paris ohne den Eiffelturm oder Hamburg ohne den Michel wären undenkbar. Das Image und die Wahrnehmung werden in ganz hohem Maße auch durch solche Signale geprägt. Ein Libeskind-Campus und ein neues Zentralgebäude werden die Attraktivität der Universität und der gesamten Stadt äußerst positiv beeinflussen. Welch ein Glück, dass sich einer der renommiertesten Architekten der Welt dieses Projektes für Lüneburg angenommen hat!“

    Warum ist dieser Aufruf sagenhaft dumm? Weil die Unterzeichner Lüneburg neben zwei Millionenstädte stellen? Weil mit Paris sogar die Welthauptstadt des Neunzehnten Jahrhunderts genannt, mit Hamburg „Das Tor zur Welt“, eine der gößten Handelsmetropolen Europas, erwähnt wird? Weil in dieser Anmaßung eine beleidigende Lächerlichkeit steckt? Weil nämlich in dieser kleinen Lächerlichkeit eine große Selbstherabsetzung sichtbar wird? Weil man nicht stolz darauf sein kann, wer man ist, sondern danach giert, als wer man gesehen werden möchte? Weil man „sein Image“ und die Art, wie man von anderen wahrgenommen wird, beeinflussen und „prägen“ will, als säße man am Schminktisch im Theater? Weil es eine Lüge ist, dass „Paris ohne den Eiffelturm oder Hamburg ohne den Michel undenkbar wären“? Weil es eine unbeweisbare, eine hohle, eine durch nichts und niemanden zu belegende Marketingphrase ist, wenn man behauptet: „Ein Libeskind-Campus und ein neues Zentralgebäude werden die Attraktivität der Universität und der gesamten Stadt äußerst positiv beeinflussen“? Weil „Attraktivität“ eine Fassadenvokabel aus dem Wortschatz von Versicherungsvertretern und Gebrauchtwagenhändlern ist? Und weil das „Glücksgejauchze“ im Zusammenhang mit dem Engagement eines Baumeisters, der seit zwanzig Jahren im Grunde nur noch Fertighauskonzepte von der Stange einstmaliger Erfolge vertickt, etwas geradezu beschämend Übertriebenes hat?

    Was meinen Sie, Herr von Mansberg, warum wirkt dieser Aufruf heute dermaßen dumm und peinlich?

    Regina Schröter (Wilschenbruch)

  36. Ist die Audimax Architektur demokratisch? Wäre die Vernachlässigung des öffentlichen Nahverkehrs dann nicht antidemokratisch? Sind die Bauten der „Star-Architekten“ nicht Luxusgebilde für eine kleine, privilegierte Schicht? Könnte es ein weiterer Beweis sein, dass es mit der Demokratie im urbanen Raum bergab ginge, dass sich gute Architektur nur noch ein kleiner exklusiver Zirkel in der Bevölkerung leisten kann?
    In den Diskussionen um die Gestaltung des Audimax-Gebäudes, sowohl in den öffentlichen Plenardiskussionen als auch in den Treffen des Arbeitskreises hinter geschlossenen Türen, bezogen sich die Parlamentarier auf Emotionen, wenn sie die gewünschte – und gefürchtete – Beziehung zu ihren Wählern beschrieben. Sie hofften einen „guten Eindruck“ zu hinterlassen, „Verständnis“ zu erzeugen und „Unzufriedenheit“ und „Unmut“ abzuwehren. An den Debatten um die Architektur kann man ablesen, wie sich nach Meinung der Politik Demokratie anfühlen sollte.

    Wie fühlt es sich nun an, jenes Audimax-Gebäude? Tritt es ihren Bürgern bescheiden gegenüber?

    Diese und andere Maßnahmen seien mit Recht auch in der Öffentlichkeit beanstandet worden. Wenn Politiker Sympathie in der Öffentlichkeit finden wollten, müssten sie einen einfachen und bescheidenen Stil haben.

    So kann man nur hoffen , dass unsere überschüssigen Steuereinnahmen irgendwann auch in den Bau und die Sanierung öffentlicher Gebäude fließen.

    Lüneburg ist ein großartiger Wohnort – falls man ihn sich leisten kann…..

  37. Lieber Herr Jenckel

    Friedrich von Mansberg als eines der beiden Ratsmitglieder, das andere war Herr Pauly im letzten Jahr, die sich als einzige bisher bemüht haben, originäre Gedanken zur Begründung des 100 Millionen Euro-Baus auf dem Leuphana Campus zu entwickeln, sind – nach einigen Volten des Räsonnierens – letzlich doch wieder in die Spuren eingebogen, welche die kümmerliche Substanz des Werbegeredes ausmachen, unter dem die Marketing-Organe der Uni das Phänomen selbst längst begraben haben. Demnach „muss der Bau (angeblich) sein“, weil er (A) eine betriebliche Aufgabe als „modulare akademische Multifunktionsarena erfüllt, (B) eine soziale Aufgabe als „Begegnungsstätte“, (C) eine integrative Aufgabe als organisatorischer „Mittelpunkt“, (D) eine kulturelle Augabe als „Veranstaltungszentrum“ und (E) eine psychologisch-pädagogische Aufgabe als „Identität stiftendes Symbol“.

    Hier hat Herr Schnell oben die m. E. entscheidende Frage gestellt: „hätte dies alles nicht ein moderner, hochwertiger und anspruchsvoller Zweckbau zum Preis von üppigen fünfundzwanzig oder dreißig Millionen Euro ebensogut (oder sogar besser) geleistet?“

    Und Schnell beharrt ein paar Sätze weiter gegenüber Herrn von Mansberg (und gegenüber allen, die ähnlich argumentieren wie dieser) auf der ebenso wichtigen Anschlussfrage, worin der Unterschied zwischen einem solchen hochwertigen Zweckbau und dem Libeskind-Bau bestehen könnte. Weil: „einen benennbaren Unterschied MUSS es geben! Denn immerhin kostet genau dieser Unterschied einhundert Millionen Euro mehr als der Funktionsbau gekostet hätte, der alle die Aufgaben erfüllen würde, die Sie einem solchen abverlangen.“

    Natürlich kommen hier dann sofort Ihre „Keller-Clauqeure“ hinter von dem Busch hervorgesprungen, Herr Jenckel, und stoßen Parolen wie „Wahrzeichen“, „Attraktion“ und „Standortaufwertung“ hervor, aber (1.) werden „Europa“ und „das Land“ wohl kaum 100 Millionen Euro mehr für Lüneburg-Reklame bezahlt haben und (2.) ist, wie ich in meinem vorherigen Post ausgeführt hatte, der Zusammenhang von Signalbauten und regionaler „Entwicklung“ pures Wunschdenken, ein Mythos, der von PR-Agenturen und Architekturbüros zum Zwecke des Verkaufs ihrer „Dienstleistungen“ am Leben gehalten wird, aber jeden realen Anhalts entbehrt (http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/384915-rund-100-millionen-kostet-der-libeskind-bau-und-das-land-zahlt#comment-74883).

    Meine Frage, Herr Jenckel: Wenn Sie es nicht vielleicht zuletzt doch selbst wagen wollen, wäre es nicht an der Zeit, einmal einen echten Sachverständigen (einen gelehrten Kunst- oder Architekturhistoriker z. B.) zu bitten, einen Blog.jj-Artikel zu schreiben, in welchem in verständlichen Worten probiert wird, das künstlerische bzw. ästhetische Plus des Libeskind-Baus (so es dieses denn gibt) darzustellen und mit den derart formulierten Thesen und Überlegungen eine – hoffentlich – fruchtbare Diskussion anzustoßen, welche die realen „Kosten“ zu den tatsächlichen (und nicht bloß erdichteten) „Werten“ ins Verhältnis setzt?

    LG, Tobias Günther

    • Lieber Herr Jenckel, lieber Herr von Mansberg,

      was halten Sie von meinem Vorschlag? Meinen Sie, es lässt sich jemand finden, der Frau Schmidt, Frau Gause, Frau Lotze, Frau Heinen, Frau Dr. von Haaren, Frau von Düring, Herrn Mädge, Herrn Kernig, Herrn Schmidt-Jortzig, Herrn Bruns, Herrn Keller, Herrn Schnell, Herrn Webersinn, Herrn Dr. Salewski, Herrn Althusmann und mir, also den Menschen mit einfacher, unverbildeter Auffassung — noch vor der offiziellen Eröffnung des Libeskind-Audimax am Vormittag des 11. März 2017 oder zumindest vor der Beendigung des Innenausbaus und dem endgültigen Einzug in voraussichtlich vier Jahren — erklären kann, was die besondere Form leistet, die gegenüber einem gestalterisch schlichteren, gleichwohl hochwertigen Funktionsbau die exorbitanten Mehrkosten von hundert Millionen Euro verursacht hat?

      Übrigens darf dieses Interpretationsangebot, sofern es nur für einen schlichten Kirchgänger wie mich zu begreifen ist, gerne auch „Narrativ“ genannt werden. Das hieß früher zwar einmal bloß „Lesart“ und noch früher „Deutung“. Aber das war eben auch zu Zeiten, als es noch genügte, eine Sache zu nur verstehen (den Beruf, das Leben, die Anlage eines Hauses oder den eigenen Platz im Weltgeschehen), aber niemand befürchten musste, für irgendetwas ein „Narrativ“ zu brauchen. Die Bauern im Alten Land zum Beispiel kommen bis heute ohne Narrativ aus. Talkshows dagegen nicht. Hinter dem modischen Anglo-Blödsinn steckt das „grand récit“ der französischen Theorie, die „große Erzählung“, unter der man im Ernstfall nicht nur Erklärungs-, sondern auch Rechtfertigungsgeschichten versteht.

      So einen „Kommentar“ bei Blog.jj lesen zu dürfen, eine Erläuterung, die sich ihrem Gegenstand anschmiegt und mehr auf Nachvollziehbarkeit als auf „Nachhaltigkeit“ setzt, wäre das nicht ein tolles Weihnachtsgeschenk an Ihre riesige Lesegemeinde zwischen Brüssel, Frankfurt, Hannover und Berlin, Herr Jenckel und Herr von Mansberg? Wäre das nicht eine Forumsgabe, die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen so immensen Nachhall erzielen und ein derart langes Nachleben führen würde, dass spätere Generationen (von Lesern, Wählern und Architekturenthusiasten) vielleicht sogar sagen müssen, die reich ausdifferenzierte Auslegungsgeschichte Lüneburger Baudenkmäler sei im Dezember 2016 durch ein „paradigmatisches Narrativ“ bzw. durch ein „narratives Paradigma“ von richtungsweisender Qualität und überregionaler Strahlkraft veredelt worden?

      • Lieber Herr Günther,
        nun bin ich kein Architekt, denke aber, hier geht die Form vor der Funktion.
        Ich hätte mir nur von Anfang an mehr Klarheit über die Kosten und den Zeitplan gewünscht und weniger verdeckte Aktionen, das hat insgesamt geschadet.
        Aber es liegt auch die Vermutung nah, dass in einem von Anfang an transparenten Verfahren ohne Umgehung zum Beispiel von kostspieligen Ausschreibungen (siehe Olaf-Bericht) das Gebäude nie gebaut worden wäre. LG hhjenckel

        • Lieber Herr Jenckel,

          so sieht das wohl jeder Mensch, der seinen Verstand nicht auf dem Altar von (vermeintlich) „lokalpatriotischer“ Reklamemystik geopfert hat und nun in gefügiger Scientology-Manier den durch jahrelange Wiederholung eingeimpften Köhlerglauben von der „positiven Standortaufwertung“ durch „spektakuläre“ Markenarchitektur nachbetet.

          Trotzdem, Herr Jenckel, meine eigentliche Frage beantworten Sie nicht. Warum also nicht doch etwa den wirklich bedeutenden Kunsthistoriker Professor Dr. Wolfgang Kemp von der Leuphana bitten zu versuchen, für Blog.jj die eventuell vorhandenen ästhetischen [!] Vorzüge (nicht die ökonomischen oder praktischen Nachteile) des nun einmal vorhandenen Monuments zu skizzieren? Herr Professor Kemp hat schon mehrmals über Architektur und Architekturtheorie geschrieben und wäre die ideale Wahl, den ersten Schritt in eine vielleicht fruchtbare Diskussion zu machen, da er sich als bereits emeritierter Hamburger Ordinarius in keinem Abhängigkeitsverhältnis zur „Unispitze“ befindet und da er ohnehin ein mutiger und frei denkender Gelehrter und Intellektueller ist, der auch die „popularphilosophische Essayistik“ im allerbesten Sinne meisterhaft beherrscht.

          Nur müssten Sie ihn bitten, das Sie der Blog-Gastgeber sind.

  38. Lieber Ratsherr von Mansberg,

    ist es nicht ein sensationeller Beweis unfreiwilligen Humors des Uni-Präsidiums mit Herrn Dr. Spoun an der Spitze, dass während der ersten öffentlichen Veranstaltung in dem neuen Universitäts-Gebäude am Sonnabend, den 11. März 2017, um 17 Uhr, ein international besetzter Chor aus Naruto (Japan), Qingdao (China), Los Angeles (USA) sowie Lüneburg (Nordostniedersachsen) bei der Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie auf der Bühne des Audimax im vierten Satz herausschmettern wird:

    „Seid umschlungen Millionen!“

    Übrigens, die dazu passende, begeisterte Jubelverheißung von vor fünf Jahren: „Ein Libeskind-Campus und ein neues Zentralgebäude werden die Attraktivität der Universität und der gesamten Stadt äußerst positiv beeinflussen. Welch ein Glück, dass sich einer der renommiertesten Architekten der Welt dieses Projektes für Lüneburg angenommen hat!“ — also das enthusiastisch in eine herrlich vorgestellte Zukunft hinein frohlockende Zuversichtsgejohle, je „spektakulärer“ der Bau, desto größer die Aufmerksamkeitsgewinne und ergo umso gewaltiger die Knackwurst konsumierenden und bei Schuh-Schnabel Lurchi-Sandalen kaufenden Besucherfluten, — diese magisch-animistische Beziehung wunschwahndurchwogter Wunderwechelwirkung erinnert mich an eine von mir im Studium entwickelte Theorie, die es leider nie zu wissenschaftlicher Reife und Anerkennung gebracht hat: Vor besonders schwierigen und gefürchteten Prüfungen ließen sich Kommilitonen häufig die Diagnose »Akute Magen-/Darmerkrankung« attestieren, um dem Nichtbestehen zu entgehen oder es zumindest aufzuschieben. Daraus abgeleitet: Je höher die Durchfallquote vorher, desto geringer die Durchfallquote hinterher.

    Finden Sie nicht, dass meine antiproportionale Diarrhoe-Korrelation eine gewisse Ähnlichkeit mit dem leuphanatischen Quantifizierungstheorem „Much is good. More is different.“ aufweist?

    Thorsten Mausehund

    • schuberts unvollendete wäre noch besser gewesen. man hätte früher anfangen können , geld einzunehmen.sollen nicht noch 200 000 Euro mieteinnahmen in diesem jahr fließen? bei der aufführung hätten doch ein paar schiefe wände und ein dach völlig gereicht, oder?

  39. Lokalpolitik kann so spannend sein

    Niels Webersinn, der CDU-Bundetagsabgeordnete in spe, dessen Interventionen und Stellungnahmen wir bei Blog.jj seit einigen Wochen schmerzlich vermissen, hat an sehr entlegener Stelle einen „Tacheles-Talk aus dem Rathaus“ aufzeichnen lassen. Demnach ist für den Lüneburger Ratsherrn und CDU-Fraktionsvorsitzenden Niels Webersinn die Aufstockung der Kosten für den Universitätsneubau (Libeskind-Bau) um weitere fünfzehn Millionen Euro „der Aufreger des Monats“.

    Der Gesamtpreis des Renommierpalastes an der Ilmenau steige damit auf mittlerweile weit mehr als 100 Millionen Euro, ohne dass der Finanzierungszusage durch den Verwaltungsausschuss der Hansestadt vom 23. Juni 2009 (im Rahmen der sogenannten „Strategischen Rahmenvereinbarung für eine Kooperation zwischen Hansestadt Lüneburg, Landkreis Lüneburg und Leuphana Universität Lüneburg) bis zum heutigen Tage eine konkretisierte Nutzungsvereinbarung zwischen der Stadt, dem Landkreis und der Universität entspricht, um abzusichern, dass die geplanten städtischen Mittel von fünf Mio. € die Interessen der öffentlichen Hand wahren.

    Im Video des „Tacheles-Talk aus dem Rathaus Lüneburg“ spricht Webersinn außerdem über seine Gewinner, das Theater Lüneburg, und über die Verlierer des Monats: http://www.focus.de/regional/niedersachsen/gastbeitrag-aus-lueneburg-stadtgespraech-libeskind-bau-an-uni-soll-noch-teurer-werden_id_6363779.html

    Gepostet von Ferdi Willers

    • Jaaa, das ist ein Spitzenvideo mit Niels Webersinn. Verlierer des Monats Dezember ist für ihn die Stadt Lüneburg, weil sie in Hannover, also in der Landespolitik, nicht mehr vorkommt. Drei- oder viergleisiger Ausbau der Bahntrasse, das Autobahn-Thema, Windparks, Breitband, Ressourcen, innerstädtische Fahrradstraßenförderung, usw. Überall pennen Andrea Schröder-Ehlers, Karin Bertholdes-Sandrock und Miriam Staudte. Nur Jörg Hillmer schießt immerzu und überall extrabesonders superschöne Selfies und hält die Kasse der Jagdgenossenschaft Suderburg nach Kräften in Ordnung. Dafür haben Lüneburger Schachmannschaften sich großartig entwickelt. Aber kommt Lüneburg in Hannover wirklich nicht mehr vor, weil Andrea Schröder-Ehlers, Karin Bertholdes-Sandrock und Miriam Staudte müde und verpeilt an der Leine umherirren? Womöglich sogar zusätzlich auch noch an der Leine von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen? Oder kommt Lüneburg in Hannover vielleicht nicht mehr vor, weil man dort allmählich mal die Faxen so richtig dicke hat mit Millionenzahlungen für rheinverzinkten Reputationsbyzantinismus?

    • CDU-Ratsherr und „CDU-Bundestagsabgeordneter in spe“ Niels Webersinn vergisst bei seinem zornig furiosen „Tacheles-Talk aus dem Rathaus Lüneburg“, dessen „Spitzen“ in Richtung SPD und Verwaltungshäuptling zielen, zu erwähnen, dass es die (alle namentlich bekannten) „Protagonisten“ der SPD/CDU-Mehrheit im Rat zwischen 2006 und 2011 sowie der SPD/GRÜNEn-Mehrheit zwischen 2011 und 2013 gewesen sind, die den überkandidelten Größenwahn dieses superangeberischen Propagandamonuments mit eingefädelt und durchzufingern geholfen haben. Und das, obwohl ihnen das wedelnd hin- und herkrähende Pfauentrio vom Kommandogestänge des leuphanatischen Kreativinkubators herab immer wieder auf der Nase herumgetantzt ist und Vereinbarungen nicht eingehalten hat.