Mittwoch , 19. September 2018
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Seinen Lieblingsplatz hat Michèl Pauly (32) im Wintergarten seines Ochtmisser Reihenhauses. Foto: lz/be

Kandidaten zur Bundestagswahl: Michèl Pauly (Die Linke)

Lüneburg. Die Beete in dem Vorgarten seines Reihenhauses sind mit weißem Kies aufgefüllt. „Das ist ein bisschen spießig“, räumt Michèl Pauly etwas verschämt ein , „aber es ist pflegeleicht.“ Er lacht. Der gebürtige Berliner und seit 2006 Wahl-Lüneburger hat sich in Ochtmissen sein eigenes Kleinstadtidyll geschaffen. Den Laptop auf dem Schoß sitzt er, wenn es die Zeit zulässt, in seinem Wintergarten und bereitet seine nächsten Reden vor oder ackert sich durch Sitzungsunterlagen des Lüneburger Stadtrats, dem er seit 2011 für die Partei Die Linke angehört. Doch das reicht ihm nicht mehr. Er will zurück nach Berlin, allerdings als Abgeordneter in den Bundestag und kandidiert für die Linken als Direktkandidat im Wahlkreis „Lüchow-Dannenberg – Lüneburg“.

Die ersten 18 Jahre seines Lebens wohnte Pauly in einem Ost-Berliner Plattenbau, umso mehr weiß er nun sein Lüneburger Eigenheim zu schätzen, das er zuletzt mit einem syrischen Mitbewohner geteilt hat. Pauly: „Bald kommt seine Nachmieterin, eine Chinesin.“ Seinen französischen Vornamen Michèl hat er wahrscheinlich dem Fernweh seiner Eltern nach Westeuropa zu Zeiten der DDR-Diktatur zu verdanken. Politisch waren seine Eltern während der DDR-Zeit kaum. Pauly: „Ich weiß zwar, dass meine Mutter von der Stasi verfolgt wurde, aber mehr wegen der Verwandtschaft und nicht durch ihr eigenes Handeln.“ Persönliche Erinnerungen, außer der Geburtsurkunde, hat Pauly an die DDR-Zeit nicht, er war erst vier Jahre alt, als die Mauer fiel.

Michèl Pauly im Kurzinterview

Sozialisiert wurde er in der Wende-Zeit, war schon früh politisch aktiv, half etwa mit 14 Jahren im Wahlkampf zum Berliner Abgeordnetenhaus 1999. In die Partei die Linke trat Pauly 2007 in Lüneburg ein, nachdem sie aus der Fusion der WASG und der SED-Nachfolge-Partei PDS hervorgegangen war. Auf die Frage, warum er sich für die Linke entschieden habe, sagt er: „Nach den Hartz IV-Reformen von Rot-Grün blieb nicht viel übrig, um sich für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen.“ Und das tut der studierte Volkswirt seit 2011 für die Linke im Lüneburger Stadtrat. Und: „Auch wenn ich meine Meinung nicht immer durchsetzen kann, ich will sie wenigstens sagen können.“

Das ehrenamtliche politische Engagement brachte ihm auch berufliche Vorteile: „Ohne dass ich im Rat gewesen wäre, hätte ich bei meinem damaligen Arbeitgeber Herrn Manzke nie angefangen. Das waren interessante drei Jahre.“ Seinen Job verlor Pauly vor einem Jahr, als die Linke bei der Kommunalwahl gegen Luxusbauten plakatierte – mit dem Motiv einer schicken Manzke-Immobilie. Ob er das Plakat bereut habe? „Vielleicht … manchmal“, sagt er. Derzeit arbeitet er für den Linken-Landesverband – bis zur Bundestagswahl. „Was danach kommt, werden wir sehen.“ Insgesamt hofft er, dass er in Konkurrenz um das Direktmandat mehr als ein Zählkandidat ist. „Außerdem kann ich so personalisiert auch für ein gutes Zweitstimmenergebnis werben.“ Zudem hat Michèl Pauly gute Chancen, über Platz sechs der Linken-Landesliste in Niedersachsen in den Bundestag einzuziehen.

Von Dennis Thomas

Drei Ziele für den Bundestag

Rente für alle, keine Kriege und Steuerreform

Gesetzliche Rente stärken. „Rückkehr zum Rentenniveau von 53 Prozent und einer gesetzlichen Mindestrente von 1050 Euro. Eine Rente für alle, auch Selbstständige, Politiker, Freiberufler und Beamte. Keine Subvention privater Vorsorge.“

Keine Kriegseinsätze der Bundeswehr. „Ich will, dass das Angriffskriegsverbot im Grundgesetz wieder gilt. Keine Militäreinsätze im Ausland. Die Bundeswehr muss wieder Verteidigungs- statt Interventionsarmee sein. Dafür brauchen wir auch keine 2 Prozent Rüstungsausgaben vom BIP.“

Solidarisches Steuersystem. „Der reguläre Spitzensteuersatz soll auf 53 Prozent angehoben, dafür alle Einkommen unter 7000 Euro brutto pro Monat entlastet werden. Für Jahreseinkommen über 260 000 Euro sollen 75 Prozent Einkommensteuer anfallen. Für Vermögen über einer Million Euro Freibetrag, soll eine 5-prozentige Vermögensteuer erhoben werden.“