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Madita Zilien (l.) nutzte immer wieder die Gelegenheit, Stadtrat-Mitgliedern wie Wolfgang Goralczyk (r.) die Anliegen der Jugend klar zu machen. Foto: phs

Jugendversammlung im Glockenhaus: „Kommunikation stimmt nicht“

Lüneburg. Sie fühlen sich unterschätzt, für ihre Ideen gibt es keinen Raum, Politik wird überwiegend von Älteren gemacht. Liam Lynch hat sich in der Lüneburger Innenstadt umgehört und Jugendliche unter anderem gefragt, ob sie sich von der Politik wahrgenommen fühlen. Die Antworten waren eindeutig: Viele junge Menschen sind unzufrieden mit der Art und Weise, wie sie an Politik beteiligt werden. Eine Jugendversammlung, organisiert von Stadtjugendring, Jugendpflege und Jugendforum, sollte Berührungsängste abbauen und einen Austausch zwischen Jugendlichen und Politikern schaffen. Stattdessen nutzten die vier Vertreter aus dem Stadtrat die Diskussionsrunde als Plattform.

Es war der Antrag der Linken, Bio-Essen in Lüneburger Kitas zu forcieren (LZ berichtete), der zu einem Streitgespräch im Glockenhaus führte. Philipp Meyn, Wolfgang Goralczyk, Claudia Schmidt und David Amri waren dazu angehalten, kurz vorzutragen, was ihre Partei seit der Kommunalwahl für die Jugend erreichen konnte. Ziel der Veranstaltung war es, zurückzublicken und die Wahlversprechen der einzelnen Parteien zu überprüfen.

Viele junge Menschen mit vielen Fragen

Goralczyk gab ehrlich zu, dass die CDU keine Anträge in den Jugendhilfeausschuss eingebracht hat. Er betonte aber, dass Jugendliche ja die Möglichkeit hätten, bei Ausschüssen oder Ratssitzungen dabei zu sein und auch Fragen loszuwerden. Philipp Meyn (SPD) sagte, dass viele Projekte vielversprechend laufen würden, als Beispiel nannte er „Demokratie leben!“. Das Bundesprogramm setzt die Stadt seit 2015 in Kooperation mit dem Stadtjugendring um, dadurch konnte auch die Diskussionsveranstaltung finanziert werden.

Claudia Schmidt nannte den Radverkehr als Thema, für das sich die Grünen stark machen würden. Und David Amri (Linke) machte seine Ablehnung gegen Wahlversprechen generell deutlich. „Parteien sind keine Dienstleistungsbetriebe, die etwas verkaufen möchten.“ Als Leistung der Linken nannte er dann den Antrag zum Bio-Essen, der zuletzt im Jugendhilfeausschuss keine Mehrheit fand.

Dazu hatten auch die Jugendlichen etwas zu sagen: Die Organisatoren hatten für die Diskussion das sogenannte Fishbowl-Prinzip vorbereitet. Wer eine Frage oder Anregung loswerden wollte, konnte sich ohne Aufforderung auf einen freien Stuhl zu den Politikern in den Innenkreis gesellen. Viele junge Menschen waren gekommen – mit vielen Fragen im Gepäck. Loswerden konnten sie längst nicht alle.

Jugendliche kamen kaum zu Wort

Ein 14-jähriges Mädchen griff zum Mikrofon, sagte, dass Bio nicht ausreichen würde. Man müsse auch die Qualität verbessern. „Das Essen ist schon jetzt tierisch überteuert und schmeckt einfach scheiße.“ Einige folgten dem Aufruf von Madita Zilien und berichteten den Politikern von „ekligem und durchmatschtem Essen“ in ihrer Schulmensa. Hilfreiche Anregungen hatten die Vertreter aus dem Rat der Stadt nicht, stattdessen führten sie die Diskussion aus dem Ausschuss ein zweites Mal. Jugendliche, die sich in den Innenkreis gewagt hatten, mussten ihren Ausführungen minutenlang zuhören, kamen kaum zu Wort.

So war es der 15-jährige Liam, der dann um einen Themenwechsel bat und die Diskussion nach einer Stunde auf das eigentliche Anliegen der Jugendlichen lenkte. „Das Problem ist die Kommunikation zwischen den beiden Lagern, sie stimmt noch nicht.“ Dass man als junger Mensch bei einer Ratssitzung dabei sein kann, wisse niemand. Madita ergänzte: „Außerdem braucht man Mut, vor allem, wenn man noch jünger ist.“ Beifall von Gleichaltrigen. „Deshalb müssen wir andere unterstützen. Es ist nicht so, dass wir Jugendlichen nicht wollen. Wir wissen nur nicht, wohin. Uns fehlen die Ansprechpartner.“

Im Anschluss an die Diskussion konnten sie ihre Anliegen an vier Thementischen vorbringen, mit den Politikern über Mitbestimmung, Nahverkehr, Freizeit und Schule sprechen. So wünschen sich die jungen Lüneburger niedrigschwelligere Ratssitzungen, außerdem einen festen Prozentsatz am städtischen Haushalt, über den sie selbst entscheiden können. Auch kam der Wunsch auf, Politik in den Schulen mehr Raum zu geben.

Veranstaltung zur Bundestagswahl

„Stell Dir vor, es ist Wahl – und Du gehst hin“ lautet der Titel der Veranstaltung, die am Donnerstag, 7. September, um 17.30 Uhr im Glockenhaus stattfindet.

Der Abend hat die Bundestagswahl zum Thema. Unter anderem sollen Parteiprogramme durchforstet, Themen rund um die Wahl diskutiert werden.

Am Ende sollen die Jugendlichen, die noch nicht 18 Jahre alt sind, ein Kreuzchen setzen können.

Von Anna Paarmann

One comment

  1. Andreas Janowitz

    Ich verstehe das Verhalten der Politiker während der Veranstaltung im Glockenhaus nicht. Dort treffen Sie mal nicht auf frühsenile „Volksverräter“ gröhler? Auch ein Nachäffen anderer und verstecken hinter ach so cleveren Pseudonymchen ist dort nicht möglich?
    Das sich eine solche Mühe in Foren nicht lohnt ist leider offensichtlich, da „Klaus Bruns“ wohl einer der wenigen echten Personen hier sein dürfte.