Aktuell
Home | Kultur Lokal | Abendgala zum Theaterfest: Häppchen machen Appetit
Jan-Philip Walter Heinzel, neu im Ensemble, und Beate Weidenhammer setzen mit einem „Medea“-Ausschnitt den ernsten Punkt an einem heiteren Abend. Foto: t&w

Abendgala zum Theaterfest: Häppchen machen Appetit

Lüneburg. Erfolg ist eine tolle Sache. Es gibt da nur einen Haken: Man kann sich auf ihm nicht ausruhen. Jedenfalls nicht allzu lang. Aber für ein kräftiges Dankeschön muss Zeit sein, und das richtete Friedrich von Mansberg zum Start der Abendgala des Theaters ans Publikum: Mehr als 110 000 Besucher zählte das Theater in der vergangenen Spielzeit. Das gab es lange nicht, und da könne man ja gerne weitermachen, meinte der Chefdramaturg und Moderator – und mit ihm Co-Moderatorin Hilke Bultmann. Die Zeichen für eine weitere starke Spielzeit stehen gut.
Das bekommen zurzeit vor allem die Frauen an der Kasse zu spüren. Die Nachfrage ist groß, und sie wird nach diesem vorwiegend heiteren Abend weiter steigen. Das Echo für die Künstler aus allen Sparten war riesig, und am Ende sangen sie mit dem Publikum der Spielzeitoperette entgegen: „Wiener Blut“. Ja, Operette könnte noch funktionieren! Im Juni 2018 wissen wir es genauer. Das Applausometer bei der Abendgala schlug bei anderen Beiträgen sogar noch höher.

Die Abendgala – nach einem sonnigen und stark besuchten Theaterfest – ist eine kulinarische Veranstaltung und immer im Handumdrehen ausverkauft. Aufgetischt wird so etwas wie ein Degustationsmenü. Zu genießen gibt es von allem, was das Haus so bietet, das Leckerste in kleinen Häppchen. Die Menüfolge war auf die Minute kalkuliert, um 20.56 sollte nach knapp zwei Stunden Schluss sein. Na ja, fast hätten sie es geschafft, aber Applaus lässt sich nicht einmessen, und wenn Lulu Mimeuse alias Philip Richert ins Plaudern und Improvisieren kommt, verrinnen die Sekunden und Minuten. Niemanden stört‘s, Lulus Applausometer schlägt ganz oben an. Ab 30. Dezember plaudert und singt die Diva wieder abendfüllend.

Besonders donnernden Beifall räumt regelmäßig das Ballett ab. Es besitzt fast schon Kultstatus in und um Lüneburg. Entsprechend begrüßt wurden temperamentvolle und poetische Auszüge aus „Laura“ (wieder ab 7. Oktober), spannende und witzige aus „Schneewittchen“ (Premiere: 30. September). Lautstarken Vorschussbeifall gab es auch für eine der frechsten Produktionen der neuen Spielzeit: „The Black Rider“ nach Tom Waits und Robert Wilson. Angerichtet wird die Rockoper vom „Struwwelpeter“-Gespann Müller/Richert, das ist ziemlich kultig. Die „Black Rider“-Premiere am 9. Februar ist schon jetzt ausverkauft. Damit hat keiner gerechnet.

Schnell wird das auch bei Mozarts „Hochzeit des Figaro“ am 16. September der Fall sein. Die Lüneburger Symphoniker und Solisten machten jedenfalls gehörig Appetit. Das gilt auch für einen weiteren Opernklassiker: „Carmen“ wird ab 3. März auf Französisch zu hören sein. Und drittens wird es garantiert beim Musical „Sugar“, besser bekannt als „Manche mögen‘s heiß“, voll: Merle Hoch gab eine wunderbar ironisch-naive Kostprobe in der Monroe-Rolle.

Mit viel Ironie führte von Mansberg durch den Abend. Hilke Bultmann hatte da den etwas schwereren Part. Denn bei soviel musikalischer Prosecco-Laune ist es nicht leicht, ernstes Schauspiel einzuschieben: „Medea“ von Euripides. Die Tragödie wird ab 22. September Fragen an die Freiheit des Menschen stellen. Eine ganz andere Frage von Freiheit wird in der Komödie „Der Vorname“ ab 28. Oktober verhandelt. Darf man heute seinen Sohn Adolphe nennen, klingt doch wie Adolf – und das geht doch gar nicht, oder?

Einiges mehr war in den gut zwei Stunden zu hören. Schluss aber war dann noch lange nicht. Philip Richert und seine Band As You Like It rockten wie in den Vorjahren im Zelt vor dem Theater in den späten Abend.

Bis zur ersten Premiere sind es nun keine drei Wochen mehr. Häppchen sind vorab noch einmal zu probieren, am 2. September: Beim Theatercafé werden die ersten Premieren und ihre Protagonisten präsentiert.

Von Hans-Martin Koch

Freundeskreis wächst und hilft: Zahlen, die für Freu(n)de sorgen

Ein großes Dankeschön gab es kurz vor der Abendgala an den Freundeskreis des Theaters. Intendant Hajo Fouquet freute sich über 10 000 Euro. Die Freundeskreis-Vorsitzende Heiderose Schäfke (rechts) überreichte Fouquet einen entsprechend dotierten symbolischen Scheck.

Das Geld kommt diesmal den ersten größeren Produktionen zugute: Es fließt an „Die Hochzeit des Figaro“, „Medea“ und ans Familienballett „Schneewittchen“. Der Freundeskreis meldet wieder einen Erfolg: Beim Theaterfest wurden 14 neue Mitglieder gewonnen. Als 600. Mitglied stieß Andrea Lehnhoff (links) aus Adendorf zu dem Förderverein.

Die Mitglieder Nummer 601 und 602 folgten schließlich auch noch. oc/Foto: t&w