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Die Farbe ist noch feucht: Till Warwas, Meike Lipp, Nikolaus Störtenbecker, André Krigar und Margret Boonstra präsentieren Gemälde, die in den letzten Tagen entstanden. Foto: ff

Norddeutsche Realisten: Mit der Staffelei unter freiem Himmel

Lüneburg. Auf dem bevölkerten Marktplatz konnten sie meistens in Ruhe das Rathaus malen. Wer in der stillen Heide seine Staffelei aufstellte, wurde dagegen gern mal von Wanderern in Beschlag genommen: Pleinair-Malerei, also das Arbeiten vor Ort unter freiem Himmel, hat eben eigene Gesetzmäßigkeiten. Das gilt natürlich nicht nur für den Umgang mit dem Publikum, sondern auch für die Kunst selbst. Damit haben die „Norddeutschen Realisten“ hinreichend Erfahrung, die Gruppe traf sich nun zu einem einwöchigen Symposium in Lüneburg.

Raue Melancholie der Lüneburger Heide

„Malen nach Sicht“, sagt Nikolaus Störtenbecker dazu. Er gründete die Gruppe, die also an den Realismus und den Pleinairismus des 19. Jahrhunderts anknüpft, im Jahre 1992, ausschließlich aus Profis besteht. Im Jahre 2013 wurde sie mit dem Kunstpreis der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft ausgezeichnet. Im Mittelpunkt stehen die regelmäßigen gemeinsamen Reisen, zu denen nun die Sparkassenstiftung einlud: Margret Boonstra, André Krigar, Meike Lipp, Nikolaus Störtenbecker, Frank Suppliie, Till Warwas und Corinna Weiner – und als Gast Sonja Jannichsen vom Uwe-Lüders-Kunststipendium – schwärmten aus, um „in Lüneburg einzuspazieren“. Die winkeligen Gassen fanden Beachtung, repräsentative Fassaden, aber auch die raue Melancholie der Lüneburger Heide. Gemalt wurde mit Öl auf Leinwand, und zwar „a la prima“, also unmittelbar, direkt, keine raffinierten Schichtentechniken, in ein paar Stunden muss das Werk naturgemäß fertig sein, höchstens ein paar Korrekturen nachträglich im Atelier sind erlaubt.

Man sieht den Gemälden vor allem in der deutlichen Pinselführung die Spontaneität an, reizvoll ist der Vergleich von Sichtweisen bei gleichen Motiven. Rund 60 Gemälde entstanden in der Woche, sie sind ab 15. Oktober in einer Ausstellung der KulturBäckerei zu sehen. ff