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Auf Salz baut die Lüneburger Geschichte, das dazugehörige Museum wird zeitweise schließen müssen. Foto: be

Millionen fürs Nachsalzen

Lüneburg. 1989 war kulturell ein bedeutendes Jahr für die 61 000 Einwohner zählende Stadt Lüneburg. Sie wurde zur Universitätsstadt erklärt, 3500 junge Menschen studierten in Lüneburg. Auf dem Marktplatz dirigierte im Sommer Leonard Bernstein, Yehudi Menuhin auf dem Klosterhof. Noch wichtiger: Ein Museum eröffnete, das den Kern der Stadgeschichte aufgreift, das Salz. Noch 1989 kamen gut 53 000 Besucher in das Deutsche Salzmuseum, das am originalen Ort entstand und nun wieder Thema ist. Die Zeit nagt am Gebäude.

Siedehaus und Eselstall sind beide betroffen

Das komplette Außenmauerwerk ist angegriffen, das Dach, Treppen, Elektrik, Brandschutz, Schadstoffe – es sind eine Menge Baustellen abzuarbeiten, nicht nur im Kerngebäude des Museums, das 1924 als Siedehaus entstand. Betroffen ist auch der Eselstall, der für Sonderausstellungen genutzt wird. Das von der Stadt in Auftrag gegebene Mängelkataster zeigt, dass ein Großteil der Schäden noch auf die industrielle Nutzung des Gebäudes zurückgeht. Die Saline schloss ihren Betrieb 1980.

Erheblichen Widerstand besiegen mussten in den 80ern die Gründer um den ersten Direktor Dr. Christian Lamschus, bis sie das Haus 1989 in einem Drittel des Siedehauses öffnen konnten. Den größeren Part nutzt bis heute ein Supermarkt. 1,1 Millionen Mark hatte 1989 die Herrichtung gekostet.

Das Deutsche Salzmuseum verstand sich als „Vorreiter einer neuen Museumsgeneration“ und wurde dem lange gerecht und dafür auch ausgezeichnet. 600 000 Besucher in den ersten zehn Jahren bestätigen das auf Anschauung und Mitmachen ausgerichtete Konzept.

Es gab seit der Gründung mehrere Umgestaltungen und immer wieder Geldsorgen, Ausstellungen wurden vom Trägerverein zum Teil mit Krediten finanziert, die heute noch über die Museumsstiftung abgetragen werden. Durchgängig bis heute, wo Haus und Ausstellung sanierungs- bzw. überarbeitungsbedürftig sind, zählt das von Kuratorin Hilke Lamschus gemanagte Deutsche Salzmuseum mehr Besucher als die anderen musealen Einrichtungen in der Stadt.

Ohne Schließungen wird es nicht gehen

Bei allem, was in den kommenden Jahren geschieht, immer müssen Fragen von Denkmalschutz und Museumsbedarf in Einklang gebracht werden. Um das Deutsche Salzmuseum baulich, inhaltlich und methodisch auf den Stand der Zeit zu bringen, sind laut erster Kostenschätzung der Gebäudewirtschaft 3,5 Millionen Euro nötig. Die Stadt hat in diesem Jahr bereits 600 000 Euro in die mittelfristige Finanzplanung aufgenommen, baut zusätzlich auf ein Denkmalschutz-Förderprogramm des Bundes und ein EU-Programm für touristische Infrastruktur. „Wir sind auch in Gesprächen mit der Metropolregion und dem Landkreis“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge.

Angesetzt sind die Maßnahmen vom kommenden Jahr bis 2021. Die bauliche Instandsetzung und die inhaltliche Neugestaltung sollen parallel laufen. Zeitweise wird das Museum schließen müssen, der Eselstall vermutlich ab 2019 bis zur Fertigstellung, was gleichzeitig das Ende der 50er-Jahre-Ausstellung bedeuten wird. Das Siedehaus soll ab 2020 für etwa 18 Monate schließen. Das ist lang, aber kurz im Vergleich mit der Neugestaltung des Ostpreußischen Landesmuseums, das seit 2015 geschlossen ist. „Wir sind auch jetzt schon dabei, beseitigen die gröbsten Brandschutzmängel“, sagt Mädge.

▶ Das Thema Salzmuseum wird bei der Sitzung des Kultur- und Partnerschaftsausschusses am Montag, 11. September, ab 16 Uhr im Glockenhaus diskutiert. Weitere Themen sind unter anderem die Erweiterung der Kinder- und Jugendbücherei, die energetische Sanierung der Ratsbücherei und die Vergabe von Fördermitteln.

Von Hans-Martin Koch