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Kathrin Hanke begab sich auf die Spuren einer Giftmörderin. Foto: oc

Auf den Spuren der Mörderin Grete Beier

Lüneburg. Kathrin Hanke hat 400 000 Anschläge verübt, vielleicht waren es auch nur 350 000. Wer will das zählen, da kommt es ja gar nicht mehr darauf an. Giftmord, Schüsse in den Kopf, Fallbeil – alles dabei. Es ist natürlich alles ganz harmlos, na ja, und dann auch wieder nicht. Die Autorin Kathrin Hanke nämlich hat sich auf die Spuren von Grete Beier begeben. An der 22-Jährigen wurde am 25. Juli 1908 das letzte Todesurteil im Königreich Sachsen vollstreckt. Kathrin Hanke hat die Geschichte der Giftmörderin aufgeschrieben.

Die Sache mit den vielen Anschlägen führt zwar zum Thema, aber vor allem zum Buch „Die Giftmörderin Grete Beier“, es handelt sich also ganz banal um Anschläge in Form von Buchstaben, Leerzeichen, Interpunktion. Mit Mord aber befasst sich Kathrin Hanke seit Jahren. „Ich will einfach wissen, warum Menschen das machen“, sagt sie, fragt sie sich.

Bekannt ist Kathrin Hanke vor allem im Gespann mit Claudia Kröger. Sie schreiben Heidekrimis mit Lüneburg als Zentrum. Der sechste Fall folgt im Frühjahr. Jetzt aber begibt sich Kathrin Hanke allein auf die Spuren eines verbürgten Falls.

Die Geschichte der Grete Beier ist hart. Die 1885 als Tochter des Bürgermeisters in der Bergstadt Brand geborene Frau verliebte sich in den windigen Handlungsgehilfen Johannes Heinrich Merker. Der war nicht standesgemäß, an seine Stelle trat der Oberingenieur Heinrich Moritz Curt Preßler. Auf Wunsch von Gretes Eltern kam es zu einer Verlobung, aber die herrische Art des Manns stieß Grete ab. Sie nahm wieder Kontakt zu Merker auf, und in der Folge kam es zu einer Abtreibung, aber auch zu Testamentsfälschungen, falschen Liebesbriefen, und in der immer tieferen Verstrickung in Lügen und Gefühle mischte Grete Beier ihrem Verlobten am Abend vor der Hochzeit Zyankali unter und schoss ihm in den Mund. Es sollte aussehen wie ein Suizid. Das ging schief.

„Ich kann sie verstehen, aber ihre Taten nicht gutheißen“

Der Fall und das Vollstrecken des Urteils machten Furore. Grete Beier lebte in einer Zeit, als Frauen begannen, sich gegen die Willkür einer männerzentrierten Welt zu wehren. Die Methode Beier war denn doch aufs Schlimmste verkorkst. Grete Beiers Hinrichtung verfolgten 200 sensationslüsterne Menschen, schrieb Kurt Tucholsky. Die Geschichte der Mörderin wurde bereits 1908 verfilmt und taucht noch in Guntram Vespers aktuellem Roman „Frohburg“ auf.

Kathrin Hanke recherchierte die Geschichte gründlich, saß unter anderem im Staatsarchiv Dresden. Sie fand fein säuberlich in Sütterlin geschriebene Briefe, Zeitungsausschnitte, Gutachten und mehr. Das führte zum Schluss: „Ich kann sie verstehen, aber ihre Taten nicht gutheißen.“ Geschrieben hat Hanke keine Dokumentation, sondern so etwas wie einen dokumentarischen Roman, in dem sich Belegtes mit Fiktivem mischt.

Am Sonntag, 29. Oktober, stellt Kathrin Hanke ihr Buch beim Lüneburger Krimifestival vor. Die Lesung (Kloster Lüne, 20 Uhr) ist ausverkauft. Schon am Sonntag, 10. September, liest die Autorin um 19.30 Uhr in der Winterhuder Bücherstube und am Freitag, 29. September, um 19.30 Uhr bei der Buchhandlung Patz in Bienenbüttel.

Kathrin Hanke ist schon weiter, nämlich bei Elisabeth Wiese, die 1904 in Hamburg geköpft wurde, als mehrfache Kindsmörderin aus Habgier. „Warum machen Menschen so etwas?“, fragt die Autorin und sucht eine Antwort in staubigen Akten.

Von Hans-Martin Koch