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Zwei kommende „Kulturperlen“: Fotograf Bernd Uhde stellt vom 10. September bis 1. Oktober in der KulturBäckerei aus. Carmen Korn, mit „Zeiten des Aufbruchs“ zurzeit auf Platz sieben der Spiegel-Bestsellerliste, liest am 28. September bei Lünebuch. Fotos: nh

Kulturstadt Lüneburg — wo bleibt das Marketing?

Lüneburg. Es gibt Fragen, die liefern die Antwort mit. Ob denn Lüneburg eine Kulturperle sei oder kulturelle Provinz, sollten Sachkundige bei einer Podiumsdisku ssion des Clubs von Lüneburg beleuchten. Die Sache mit der Provinz war einfach zu klären. „Provinz findet in den Köpfen statt“, sagten Theaterintendant Hajo Fouquet und Lothar Nierenz, der stellvertretende Leiter der Musikschule. Das von Regine Schramm moderierte Gespräch im Saal der IHK ergab erwartungsgemäß, dass Lüneburgs Kulturszene nicht eine Perle ist, sondern eine Kette von Perlen bietet. Das haben nur noch nicht alle kapiert.

Bietet Lüneburg alles, was das Herz begehrt? Schafft es Lüneburg, Besucher von außen zu gewinnen oder braucht es einen Leuchtturm, der weit gesehen wird? Wie ist das mit dem jungen Publikum? Das waren Fragen, die Regine Schramm in die Runde, zu der Alexandra Clavier begrüßte, warf.

Durchweg bejahten die Teilnehmer, dass Besucher von außerhalb kommen, etwa zu Lesungen, die Kerstin Fischer vom Literaturbüro organisiert, zu Ausstellungen der KulturBäckerei, die Carsten Junge von der Sparkassenstiftung verantwortet, zu den bis zu 150 Veranstaltungen im Salon Hansen, hinter dem Axel Bornbusch und die ClubKulturWerke stehen.
Junge Besucher würden auch kommen, befanden alle. Die Besucherlücke öffnet sich bei den 30/40-Jährigen.

Ein Kulturangebot in der Breite und Qualität wie in Lüneburg dürfte sich kaum in einer vergleichbaren Stadt finden. Darüber bestand Einigkeit. Künstliche Leuchttürme brauche es nicht: Wer Perlen hat, der kann sie leuchten lassen. Außerdem kommen sogenannte Leuchttürme von außen in Stadt und Kreis: Lüneburg ist Südpol des Schleswig-Holstein Musik Festivals und westlichster Ort der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Noch jung ist das vom Hamburger Veranstalter FKP Scorpio erfundene Festival „A Summer‘s Tale“ in Westergellersen, das ein bundesweites Echo erhielt wie nie zuvor ein anderes Kulturereignis der Region – von Deutschlandradio Kultur über Zeit bis Stern.

Drei weitere Beispiele: Ein noch recht junges Festival strahlt weit über die Stadt hinaus – als private Initiative, nämlich das von Lünebuch bzw. Jan Orthey organisierte Krimifestival. Ähnliche Strahlkraft besitzt das von Studierenden durchgeführte lunatic-Festival, für das Axel Bornbusch die Seminare leitet. Das Ausstellungsprogramm der KulturBäckerei ist zu nennen, etwa mit Graphik von Jörg Immendorff oder den Bravo-Starschnitten, die 10 000 Besucher sahen – 40 Prozent kamen von außerhalb. Die Liste ließe sich verlängern.

Mehr als „Rote Rosen“ und die Heide

„Ich vermisse eigentlich nichts“, sagte Kerstin Fischer. „Ich vermisse nur diejenigen, die meinen, Lüneburg ist zu klein und dass es immer ausschließlich Hamburg sein muss“, sagte Hajo Fouquet. „Manche bezahlen für ein Konzert, das bei uns lief, fünf Euro mehr, nur um es in Hamburg zu besuchen“, so Axel Bornbusch.

„Dinge kommen, Dinge gehen“, sagte Carsten Junge mit Blick auf das nahe Vamos-Ende, das neue Audimax und die geplante Arena. Er bedauerte aber, dass in Sachen Kultur das Lüneburger Stadtmarketing nicht stattfindet. Bornbusch setzte nach: „Lüneburg könnte noch mehr Strahlkraft besitzen, wenn deutlicher wird, dass es hier nicht nur ‚Rote Rosen‘ und die Heide gibt.“ Auch das Stadtfest laufe konzeptionell noch wie zu Zeiten, als Lüneburg vor allem als Garnisonsstadt aufgestellt war.

Was fehlt denn nun? Da fiel den Diskutanten eigentlich nichts ein, fast nichts. Mehr Toleranz und Freiräume für junge studentische Aktivitäten, meint Bornbusch. Bei der Bereitschaft, sich auf Unbekanntes einzulassen, werde es in Lüneburg schon mal eng.

Eine Kulturszene, die nicht in Bewegung ist, erschlafft, neue Ideen braucht es immer. Eine hatte Lothar Nierenz: Warum nicht ein junges Orchester wie das mit Lüneburg verbundene ensemble reflektor ein Festival machen lassen? Eines, bei dem gezeigt wird, wie sich die Musik von Bach, der Knabenjahre in Lüneburg verbrachte, in die Gegenwart ziehen lässt.
Dinge gehen, Dinge kommen.

Von Hans-Martin Koch

One comment

  1. Leider fehlt die Erwähnung des Kinder und Jugendtheater im e.novum.
    Dieses Theater bringt ganz hervorragende Produktionen hervor. Ob die Weihnachtsmärchen, die Kinderbuchklassiker oder die Komödien oder sozialkritische Stücken in den vergangenen , immerhin schon 16 Jahre!!
    Ist Lüneburg doch nicht groß genug um auch dieses wunderbare Theater zu erwähnen??