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Henning Voss ist zurzeit im Dauereinsatz, jetzt rückt das Luther-Oratorium ins Zentrum. Foto: a/t&w
Henning Voss ist zurzeit im Dauereinsatz, jetzt rückt das Luther-Oratorium ins Zentrum. Foto: a/t&w

Luther in alten und neuen Klängen

Lüneburg. Als musikalischer Höhepunkt des „Michaelis singt“-Monats gilt das romantische Oratorium „Luther in Worms“ von Ludwig Meinardus (1827-1896). Es wird am Sonntag, 17. September, um 19 Uhr in St. Michaelis aufgeführt, mit der Kantorei, der Hamburger Camerata in symphonischer Besetzung und den Solisten Mechthild Bach (Sopran), Anne Bierwirth (Alt), Andreas Post (Tenor), Matthias Vieweg und Markus Flaig (Bass).

Das Luther-Oratorium und sein Komponist Ludwig Meinardus sind heute nur wenigen bekannt. Auf der Suche nach einem dramatischen, der Kirchenmusik entsprechenden Werk wurde Kantor Henning Voss bei dem Liszt-Freund fündig. Ludwig Meinardus gehört zu den wenigen, die Luther und sein Wirken ins Zentrum eines großen kirchenmusikalischen Werks rücken. Das Luther-Oratorium war bei seiner Uraufführung 1874 in Weimar ein großer Erfolg, erlebte zahlreiche Aufführungen in ganz Europa – und wurde vergessen.

Pilgerzug Luthers mit seinen Getreuen

Mit nahezu opernhafter Dramatik wird im ersten Teil des Oratoriums der Pilgerzug Luthers mit seinen Getreuen nach Worms geschildert. In Worms versucht Johannes Glapio, ein Unterhändler des Kaisers, Luther von seinen Überzeugungen abzubringen, bekanntlich vergeblich. Der zweite Teil des Werkes spielt auf dem Reichstag, wo Luther und Kaiser Karl V. aufeinandertreffen, bis hin zu Luthers berühmtem Satz: „Hier steh ich; ich kann nicht anders.“ Darauf verhängt der Kaiser die Reichsacht über Luther, lässt ihn aber ziehen. Das Stück endet mit einem Chor der Anhänger Luthers, die „Ein feste Burg ist unser Gott“ anstimmen.

Das Werk entstand in den Jahren der Reichsgründung nach dem Deutsch-Französischen Krieg. Ein Zug ins National-Patriotische ist herauszuhören, eine Überhöhung Luthers zu einer Erlöserfigur könnte auch stutzig machen. Man erlebe nicht nur, „was mit Luther, Kaiser Karl und den anderen Persönlichkeiten passiert, sondern auch, wie um 1870 diese Ereignisse gesehen und gedeutet wurden“, sagt Henning Voss, der den Abend leiten wird.

Das Meinardus-Oratorium wird nicht nur in Lüneburg wiederentdeckt. Am Sonntag, 24. September, wird es um 17 Uhr unter der Leitung von Erik Matz in St. Marien Uelzen aufgeführt. oc

Steinmetz/Stickan-Kantate

Mehr als Musik

Nicht über Luther, sondern aus Luther heraus, nur mit seinen Worten haben Uwe Steinmetz und Daniel Stickan eine gut einstündige Kantate geschrieben: „Nein, lieber Mensch, so nicht!“ Das Werk, wie Architektur gebaut, ist musikalisch ausgesprochen komplex, wie jetzt die Wiedergabe in der Michaeliskirche zeigte.

Die Komponisten setzen viel Avantgarde-Jazz ein, aber es ist auch der Luther-Choral mit neuen Melodien vertreten. Es gibt Anklänge an Gregorianik, an Jazzrock, ein Didgeridoo-Klang ist herauszuhören, ebenso der durchgehaltene Grundton indischer Musik, Weltall-Klänge und vieles mehr. Zum Ende hin türmt sich eine gewaltige Fuge auf. Wesentlichen Anteil an der Farbigkeit der Musik hatte das ausgezeichnete Vokalensemble Klangbezirk. Mit ihm sorgten die Hamburger Kinder- und Jugendkantorei sowie Stickan (Tasten), Steinmetz (Saxophon) und Henning Voss (Sprecher) für eine spannende Aufführung, die nur (kirchen-)akustisch im Detail nicht immer einfach zu verfolgen war. Für Stickan geht es in der Kirchenmusik immer darum, mehr als Musik zu bieten. Deutlich wurde die Botschaft von der Freiheit des Christenmenschen und der Notwendigkeit, als gerechte, gute Person zu handeln – und nicht zu erstarren. oc  

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