Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Yves Dudziak spielt in „Der Schwächere“. Foto: lz/t&w

Gefährliche Machtspiele

Lüneburg. Probt Yves Dudziak nicht und schreinert er kein Regal, dann treibt er gern Sport: Slackline zum Beispiel und Kontaktimprovisation. Ja hallo, was ist d enn das nun wieder, warum spielt er nicht Fußball oder läuft im Kreis?!? Aber der Mann ist jung und hat zwei Augen und zwei Ohren für Trends. Aktuell hat der Schweizer, der neu im Ensemble des Theaters Lüneburg steht, kaum Zeit für Hobbys. Es geht in die Endproben für die erste Premiere. Noch vor „Figaros Hochzeit“ am Sonnabend im Großen Haus startet „Der Schwächere“ – am Freitag, 15. September, um 10 Uhr im T.3, der jungen Bühne.

Es geht um Mobbing. Das Schauspiel von Mattias Andersson erzählt von zwei Jungs. Es ist dunkel. Patrik liegt am Boden. Sein Klassenkamerad Martin steht über ihm. Sie sind beide so etwa 13 Jahre alt. Martin aber ist eigentlich gar nicht der Stärkere, seit langem wird er von Patrik fertig gemacht. Nun, auf der Klassenfahrt, will er sich endlich rächen.

Yves Dudziak, der aus Winterthur stammt, Schreiner lernte, in Hannover studierte und in Lüneburg sein erstes Engagement gefunden hat, spielt Patrik. „Er ist sehr impulsiv, aber auch sehr sensibel. Er hat kein richtiges Wirkungsbewusstein, kann nicht ermessen, was sein Handeln bei anderen auslöst, und er kann auch seine eigenen Erfahrungen nicht einordnen“, so charakterisiert Dudziak den Jungen. Den Martin spielt ein Gast, Sebastian Prasse, er war 2014 in „Clyde und Bonnie“ schon einmal in Lüneburg. Wer denn nun der Stärkere ist und wer der Schwächere, das lässt das für Zuschauer ab zehn Jahren geeignete Stück offen. Sabine Bahnsen führt Regie, Barbara Bloch ist für Bühne und Kostüme zuständig.

Er ist eher der ruhige Typ, der Yves Dudziak, ein Schweizer eben, denkt das Klischee. Ja, die Berge vermisse er schon, antwortet er auf die norddeutsche Pflichtfrage. „Aber das Meer gleicht die Berge ganz gut aus“, sagt Dudziak. Und die Sache mit dem Sport? Slackline kann man überall machen. Slackline ist die schlaff hängende Leine, gespannt zwischen zwei Pfosten, Ständern, Stämmen, was passt. Es geht dabei um eine Form von Seiltanz. Kontaktimprovisation ist um einige Grade spezieller. „Es ist eine Art Tanz, eine Art nonverbaler Dialog“, sagt Dudziak. Es läuft ab wie eine Körpererforschung, spielt mit Balance und Schwerkraft, bekommt beim Umgang mit dem Partner mitunter artistischen Charakter, erfordert enorme Achtsamkeit des Gegenübers.

Zurück ins Theater, an dem Dudziak die kommenden zwei Jahre spielen wird. Es ist für ihn der Sprung ins Berufsleben, „es ist befreiend, auf eigenen Beinen zu stehen, zu spielen, zu proben, sich auszuprobieren.“ Am Freitag wird aus dem Spiel Ernst. oc