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Auf dem Sofa sitzt Helene (Ulla Krug) mit Enkelin „Lexi“ (Katharina Sell), hinter ihnen rätseln die Töchter Carmen (Simone Falk-Rieckhoff) und Christa (Regina Keespe) über Helenes Tüddelei.

Mütter machen alles falsch

Bleckede. Mutter wird merkwürdig. Sie hat keinen Festanschluss mehr, sondern ein Handy, das kichernd vibriert, wenn sie angerufen wird. Sie sagt Sätze wie: „Ich muss den Keller aufräumen“, aber einen Keller gibt es nicht. Oder: „Die besten Jahre liegen noch vor mir“, dabei ist sie 75. Fast. Zum Geburtstag reisen ihre Töchter Carmen, die Chaotin, und Christel, die Macherin, an. Auch Enkelin Alexandra steht unverhofft vor der Tür, obwohl sie eigentlich im Pferdestall von Mutter Carmen über Stute Soraya wachen soll.

Undine Andersonn hat mit „Gott, Mutter“ vier Schauspielerinnen ein Stück auf den Leib geschrieben. Ulla Krug gibt der tüddeligen Mutter Helene erstaunliche Facetten und präsentiert sie als einfühlsame und willensstarke Frau, die vielfach moderner und aufgeschlossener als ihre beiden Töchter wirkt. Simone Falk-Rieckhoff ist die stets überforderte Pferdewirtin, die von einem Chaos ins nächste strudelt und an sich selbst zweifelt. Regina Keespe als Christa, die patente und engagierte Journalistin, ist doch nicht immer so tough, wie es scheint, aber hält die Familie zusammen – oder hält die Familie sie zusammen? Und ihre Nichte Alexandra, gespielt von Katharina Sell, ist eine herrlich kapriziöse, launenhafte junge Frau, die ihre Oma bewundert und aus dem heimischen Stall herauswill, aber dann doch irgendwie nicht.

Anregendes Theater für alle Generationen

Das Stück lebt von vielen vertrauten Momenten: das Tüddeln der Mutter war den Zuschauern bei der Premiere im Bleckeder Theater in der Zollstraße ebenso bekannt wie die Launen der 19-jährigen Lexi. Auch das Konkurrieren der Töchter untereinander um die Liebe der Mutter dürfte jedem Geschwisterkind, egal welchen Alters, nicht unbekannt sein. Undine Andersonn, die mit ihrem Mann Peter Regie führt, ist eine Komödie mit Tiefgang und zahlreichen authentischen Momenten geglückt. Denn hinter banalen Sätzen wie „Früher war das genauso. Nur anders“ verbirgt sich manche kluge Erkenntnis. Familiengeschichte, die sich in Teilen wiederholt, auch wenn 50 Jahre dazwischen liegen. Und stets gilt dabei: „Mütter machen immer alles falsch!“. Am Ende fragt Mutter Helene ihre Tochter Christa „Lässt du mich gehen?“. Denn als Mutter will sie den Ruhestand antreten.

Fazit: anregendes Theater für alle Generationen, alle weiteren Informationen und Termine unter www.theater-bleckede.de.

Von Silke Elsermann