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Die Lüneburger Symphoniker starten am 14. Oktober eine neue Meisterkonzertreihe, unter anderem mit Beethovens „Eroica“. Foto: be

Der Sonntag ist gestrichen

Lüneburg. Die Meisterkonzerte waren einmal eine tragende Säule im seinerzeit schmalen kulturellen Leben der Stadt. Es waren sogar drei Säulen, sie hörten auf di e Namen bzw. Buchstaben K, P und O. Längst sind K und P gestorben, sie standen für Kammermusik und Piano. Sinkende Besucherzahlen führten dazu. Die Stadt hatte die Konzertreihe vor mehr als 60 Jahren auf den Weg gebracht, heute liegen die Meisterkonzerte in Händen des Theaters und stehen für O wie Orchester. Die Orchesterabende hatten einen festen Ort und einen festen Termin: Sonntag, 19 Uhr, Theater. Das wird nun anders, die Meisterkonzerte wechseln auf Sonnabend, 20 Uhr und finden nicht nur im Theater statt.

Der Wechsel auf den Sonnabend hat mit organisatorischen Abläufen im Theater zu tun, aber die Theaterleitung erhofft sich am Sonnabend auch steigenden Zuspruch. Das ist nicht ohne Risiko. Sonntag 19 Uhr war ein nahezu konkurrenzloser Termin. Am Sonnabend kommt es zu Kollisionen. Beispielsweise beim zweiten Meisterkonzert am 25. November, dem ersten im Audimax der Leuphana. Zeitgleich wird in St. Johannis das Dvorak-Requiem aufgeführt. Dass es im Theater auch noch eine Premiere gibt, nun denn…

Wie auch immer, das Programm der Meisterkonzerte 2017/18 kann sich hören lassen. Hier ein Überblick:

▶ 14. Oktober, „La prise de la Bastille“: Als Solist ist der Pianist Asen Tanchev, Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs 2017, zu erleben. Er spielt mit den Lüneburger Symphonikern unter Leitung von Thomas Dorsch Frederic Chopins zweites Klavierkonzert, außerdem Francois-Joseph Gossecs Sinfonie c-Moll und Ludwig van Beethovens „Eroica“.

▶ 25. November, „Jenseits“: Im Libeskind-Audimax der Leuphana singt Signe Ravn Heiberg (Sopran) Richard Strauss‘ „Vier letzte Lieder“. Ihnen werden von Dorsch und den Symphonikern Anton Weberns Passacaglia op. 1 und Tschaikowskys „Pathétique“ gegenübergestellt.

▶ 27. Januar – „Konzert für Elefaten“: Pianist Bernd Glemser spielt Rachmaninoffs drittes Klavierkonzert, das wegen seiner technischen Herausforderungen und extrem breit zu greifenden Akkorden als „Konzert für Elefanten“ bezeichnet wird. Unter Leitung von Thomas Dorsch spielt an diesem Abend die Nordwestdeutsche Philharmonie Herford. Als zweites Werk ist Antonin Dvořáks achte Sinfonie zu hören.

▶ 17. März – „Monumentum“: Das Streben nach Großem spiegelt sich in Werken wie Édouard Lalos Violoncello-Konzert in d-Moll, Solist ist Daniel Munck, Mitglied der Lüneburger Symphoniker. Sie spielen außerdem Haydns Ouvertüre zur Oper „L’isola disabitata‘“ und Bruckners erste Sinfonie.

▶ 21. April – „Märchen aus 1001 Nacht“: Noch einmal geht es ins Leuphana-Audimax, diesmal spielen die Symphoniker Alexander Borodins Polowetzer Tänze und Nikolaj Rimsky-Korsakows „Scheherazade“. Tobias Feldmann, wiederholt Gast der Lüneburger Bachwoche, präsentiert seine Stradivari in Max Bruchs Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 g-Moll.

▶ 19. Mai – „Kostbarkeiten“: Kleinode der Musik stehen im Mittelpunkt, gemeint sind die Serenade für kleines Orchester A-Dur des jungen Brahms und die „Symhonie classique“ als erstes Meisterwerk von Prokofjew. Hinzu kommt eine Uraufführung des syrischen, im Wendland lebenden Komponisten Nuri El Ruheibany. Er schrieb für seine Tochter Nora, eine erfolgreiche Solistin auf dem Marimbaphon, ein Konzert für Marimbaphon und Orchester. Es dirigiert Johannes Rieger.

Von Hans-Martin Koch

Kammerkonzert No. 1 in der Musikschule

Latin Passion

Vor vier Jahren entschied sich Ilona Nymoen für einen Fachwechsel. Ihr ganzes Sängerleben, und es ist ein erfolgreiches, verbrachte sie bis dahin als Frau für Alt und Mezzo-Alt, letzteres liegt ein bisschen höher. Trotz aller Erfolge: „Ich habe immer gemerkt, dass ich nicht da bin, wo ich hinwill“, sagt Ilona Nymoen. 2013 also stieg die Sängerin noch eins höher. Sie folgte einfach dem, was in ihr ist, und nun singt sie Partien für Sopran – „hin zur Wahrhaftigkeit der Gefühle“. Die Frau mit der tiefen Sprech- und hohen Gesangsstimme ist nach Jahren wieder in Lüneburg und singt nun mal was ganz anderes: „Latin Passion“.

So ist das erste Kammerkonzert der jungen Theatersaison überschrieben – am Sonntag, 15. Oktober, um 17 Uhr im Forum der Musikschule. Es geht um „Leidenschaft & Liebe, Tod & Tango, Gefühle & Hitze, Eifersucht & Sehnsucht, Musik & Gesang“ heißt es in der Ankündigung. Es werden Tangoklassiker zu hören sein, von Gardel bis Piazzolla, aber auch unbekanntere lateinamerikanische Kompositionen, etwa von einer bolivianischen Komponistin.

Ilona Nymoen, ausgebildet unter anderem in Mailand, war zu Beginn der 2000er-Jahre ein ständiger Gast am Theater Lüneburg. 2016 sang sie erneut hier, die Santuzza in „Cavalleria rusticana“, eine ihrer Lieblingsrollen, sagt sie. In dieser Zeit kam sie mit Geiger Ivan Neykov auf die Idee für „Latin Passion!“ Mit im Boot sind noch Richard Welschhoff (Kontrabass) und am Akkordeon Manolis Sta­ga­kis. Ilona Nymoen wird das Konzert moderieren.