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Philipp Blom kommt am 11. Oktober nach Lüneburg. Foto: hassiepem

Auf dem Spiel steht eigentlich alles

Lüneburg. Philipp Blom ist der nächste Gast der Reihe „Was uns bewegt“ des Literaturbüros Lüneburg: Mittwoch, 11. Oktober, 19.30 Uhr im Heinrich Heine-Haus. Der Autor stellt seinen Essay „Was auf dem Spiel steht“ (Carl Hanser Verlag, 2017) vor, den Abend moderiert Martina Sulner, Literaturredakteurin bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Migrationsbewegungen infolge des Klimawandels, Jobverlust durch Digitalisierung, Krise der Demokratie, Populisten, die mit dem Versprechen einer autoritären Gesellschaft Mehrheiten organisieren. Die Welt, in der wir leben, steht vor großen Umbrüchen – und es zeigt sich, auf welch fragilen Voraussetzungen freie Gesellschaften beruhen. Was steht auf dem Spiel? Der Historiker Philipp Blom meint: „alles“. Er sieht die westlichen Gesellschaften vor einer prekären Wahl: radikale Marktliberale einerseits, autoritäre Populisten andererseits. Sie gaukeln einfache Lösungen für die globalen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte vor. Was können wir dem entgegensetzen?

„Wir leben in Gesellschaften, in denen die Zukunft keine Verheißung mehr ist, sondern eine Bedrohung“, schreibt Blom, und: „Die reichen Demokratien wollen keine Zukunft, sie wollen behalten, was sie bereits haben. Gleichzeitig sehen wir die ersten Zeichen einer epochalen Transformation durch Klimawandel und Digitalisierung, deren globale Auswirkungen wir erst beginnen zu begreifen.“

Die Stiftung Niedersachsen fördert die Lesungen

Der Autor, 1970 in Hamburg geboren, studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Nach Stationen in London und Paris lebt er heute als Schriftsteller und Historiker in Wien. Er schreibt regelmäßig für europäische und amerikanische Zeitschriften und Zeitungen. Sein Sachbuch „Der taumelnde Kontinent. Europa 1900 – 1914“ war ein Bestseller, 2014 folgte „Die zerrissenen Jahre. 1918 – 1938“. 2017 veröffentlichte er „Die Welt aus den Angeln. Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700“ sowie „Was auf dem Spiel steht“. „

Die Reihe „Was uns bewegt“ dreht sich weniger um literarische als um geisteswissenschaftliche Beiträge, in denen der Wandel der globalisierten Welt – von Umweltproblemen über Finanzstrukturen und technische Entwicklungen bis zum gläsernen Bürger – beleuchtet wird. Die Stiftung Niedersachsen fördert die Lesungen. lz

3 Kommentare

  1. Auf dem schmutzigen Schaum des heranbrandenden Kulturpessimismus‘ kommen kleine selbstverliebte Geldverdienemännchen wie Philipp Blom in unsere Hörsäle und Redaktionsstuben gesurft und machen das erregte Gequackel und Getuschel aus den düsteren Gerüchteküchen abseitiger ideologischer Interesseninselchen salonfähig, indem sie es mit dem Lametta gleißender Sentenzen behängen – und so das Gerede vermeintlich zur Rede nobilitieren.

    • Ja, in einer Zeit, in der man, ohne den Horrorpegel voll aufzudrehen, in einem von Zusammenbruchs- und Abstiegsphantasien lustvoll geplagten Land kaum noch Aufmerksamkeit erzielt, sind literarhistorisch aufgetakelte Eskapisten wie Herr Blom zugleich Ursache und Symptom der Krankheit, als deren Diagnostiker sie sich ausgeben.

      Vielleicht verdanken dämonisch-bizarre, holzschnittartige Witzfiguren wie Trump, Höcke, Kim Jong-un und Putin ihren Aufstieg in der digitalen und der analogen Welt gar nicht so sehr der methodischen Ausbeutung primitiver Abwehraffekte als vielmehr unserem verrohten und abgestumpften Unterhaltungsbedürfnis, also nicht den sozial, sondern den medial Unterversorgten (sämtlicher gesellschaftlicher Schichten), welche von Thilo Sarrazin und Alexander Gauland einfach auf der alleruntersten Anspruchsebene alphabetisierter Konsumenten mit spektakulärem Unfug bedient werden und von Boris Palmer und Philipp Blom eben auf der gleich darüber.

  2. Alles beginnt als Mystik und endet als Politik.
    Charles Péguy

    In der Regel … bringt es mir keinen Gewinn,
    Jeremiaden gegen das Böse zu lesen – das
    Beispiel von ein wenig Gutem ist wirksamer.
    William James

    Zitiert nach: Fritz Stern, „Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland.“ Mit einem Vorwort von Norbert Frei Aus dem Amerikanischen von Alfred P. Zeller (Orig.: Politics of Cultural Despair, University of California Press), Klett-Cotta, Stuttgart, 1. Aufl. 2005, 489 Seiten. Hier: Seite 7