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Barry Short bevorzugt Lüneburg-Motive, das darf gern auch mal Kaltenmoor sein. Foto: lz/ff

Klare Linie muss sein

Lüneburg. Gemälde von Lüneburg gibt es mittlerweile viele – Pastellzeichnungen, zarte Aquarelle und repräsentative Ölgemälde, es gibt Studien von den pittoreske n, schiefen Altstadt-Gassen, von den selbstbewussten großen Kirchen und sogar von den ausgeräumten Plätzen des Ortsrandes. Doch seit einigen Jahren mischen sich knallbunte, auffallende und aufwendige Ansichten in den Ausstellungsreigen, die zuerst wie Graphic Novels aussehen, aber dann doch nicht als Comics gemeint sind. Das sind Arbeiten von Barry Short, einem Lüneburger aus Wales. Grund genug für einen Atelier-Besuch.

Das vielleicht bunteste Zimmer der Stadt

„Ein richtiges Atelier habe ich nicht“, sagt Barry Short. Aber als er mit seiner Ehefrau ein Reihenhäuschen kaufte, in dem mittlerweile auch die beiden Töchter (ein und vier Jahre alt) eigene Zimmer beanspruchen, da erhielt der Maler aber doch ein eigenes Kämmerchen für die Kunst, es ist das vielleicht bunteste Zimmer der Stadt. Hier steht die Staffelei, an den Wänden sortieren sich in drei Schichten die Gemälde, die für die nächste Ausstellung vorgesehen sind. „Ich male ausschließlich mit Acryl“, sagt Barry Short, „die trocknen schneller, feuchte Ölfarbe würde in diesem kleinen Raum viel zu stark riechen.“

Barry Short, 1977 in Cardiff geboren, studierte Kunst – etwas anderes kam für ihn, der als Kind schon mit Vorliebe Tapeten bemalte und im Kunstunterricht herausragendes Talent bewies, nicht in Frage. Das mit dem Studium nimmt der Künstler heute nicht mehr so wichtig. Okay, man lernt Handwerk, den Umgang mit Farben, beschäftigt sich mit Geschichte – aber letztlich müsse die Kunst aus dem Menschen selbst kommen und sei daher wohl auch nicht wirklich zu erklären. Ein Comic-Leser war Barry Short jedenfalls nie, und vor den graphischen Arbeiten hat er recht klassisch gemalt.

Lüneburg-Motive müssen sein

Es gab auch mal eine kreative Pause von ein paar Jahren. Außerdem hat sich Barry Short in England mit Filmproduktion beschäftigt, mit Multimedia-Marketing, hat einen Online-Shop geleitet, in einer Kunstgalerie gearbeitet. Im Jahre 2009 zog er nach Deutschland, arbeitet zunächst in Hamburg, hat heute eine halbe Stelle in der Online-Marketing-Branche in Lüneburg. Die andere Arbeitshälfte gehört der Malerei.

Die erste Ausstellung hatte Barry Short am Stint, im Pons, das war 2011, und das Interesse an den Arbeiten bestätigt den Künstler immer wieder. Na klar, Lüneburg-Motive müssen sein, die funktionieren beim Publikum einfach. Ein Gemälde von einem Sommerfest in der Frommestraße gehört zu seinen Lieblingsbildern, da hat er mal gewohnt. Fotos von Lüneburg bilden oft die Grundlage. Aber es geht nicht nur um Dokumentation, aktuelle Bezüge mischen sich ein, Motive aus der Zeitung oder den TV-Nachrichten. Konturen geraten ins Wanken, biegen sich hin und her, „ich bin schon öfter mit Swantje Crone verglichen worden“, sagt Barry Short, aber so viele Gemeinsamkeiten gibt es dann doch nicht.

Eine Fläche ist rot oder blau

Immer dominiert die klare Linie, das hat sich irgendwann so ergeben, eine Fläche ist rot oder blau, hell oder dunkel – keine Schattenwürfe, keine diffusen Übergänge, „da muss ich mich eben entscheiden, das ist nicht immer einfach“. Menschen erscheinen meist anonym, das hat damit zu tun, dass sich der Maler als „zurückhaltend“ beschreibt. Es gibt dann aber doch Gesichter, etwa in Bildern, die eine Mutter in Kaltenmoor zeigen, und im Hanse-Viertel. Dort gibt es auch die nächste Barry-Short-Ausstellung: ab 22. Oktober, Artrium der KulturBäckerei.

Von Frank Füllgrabe