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Die Lüneburgerin Ana María Muñoz freut sich auf ihre Lesung, die von Musik aus den Anden umrahmt wird. Foto: lz/ff

Über die Schatten von Chile

Lüneburg. Gerade war sie in Hannover, um Gemälde in der Deutschen Bank aufzuhängen. Ihre Ausstellung im Foyer der Volkshochschule Lüneburg ist dagegen schon wie der zu Ende, „die ist richtig gut gelaufen“, freut such Ana María Muñoz – eine Reihe von Bildern wurde verkauft. Aber in Gedanken ist die chilenische, in Lüneburg lebende Künstlerin, schon längst wieder beim nächsten Projekt, genauer: bei zweien, die ganz andere Seiten von ihr beleuchten: Am Sonnabend, 21. Oktober, stellt Ana María Muñoz in der Volkshochschule ihr neues Buch „El Miedo – Die Angst“ vor, dazu hat sie das Dueto Primavera eingeladen, es spielt Musik aus Kolumbien.

Müll-Modenschau im Glockenhaus

Erstens Bilder malen, zweitens Bücher schreiben, drittens Konzerte, ganze Tourneen organisieren – die Reihe geht noch weiter: viertens Theatergruppen leiten, fünftens Workshops geben, sechstens Spanisch unterrichten, siebentens Kunstprojekte auf die Beine stellen wie etwa die Müll-Kleider-Modenschau, die in vier Jahren hintereinander im Glockenhaus zu sehen war.

Eigentlich ist Ana María Muñoz Grund-und Hauptschullehrerin mit einem Schwerpunkt in der Erwachsenenbildung, studierte an der Katholischen Universität Antofagasta, absolvierte eine Ausbildung für Ausdruckstanz und Theater in Buenos Aires, Seit zwanzig Jahren leitet sie Theatergruppen für Kinder und Arbeitsgemeinschaften für Körperausdruck – an Universitäten, psychiatrischen Kliniken, sogar in Gefängnissen.

Seit 2009 lebt Ana María Muñoz in Deutschland. In Lüneburg ist sie – unter anderem – regelmäßig durch die Auftritte des Vereins Alltagskultur rund um Kurt Bader präsent. Aber ihre Arbeiten waren (nach bisheriger Zählung) schon in weltweit 35 Ländern zu sehen, natürlich auch daheim, in Lateinamerika.

Nun also die Schriftstellerei

„El Miedo – Die Angst“ (202 Seiten, 16 Euro) ist ihr viertes Buch: eine Sammlung von acht Kurzgeschichten, die, der Titel deutet es an, zunächst auf Spanisch geschrieben und dann ins Deutsche übersetzt wurden. „Die Erzählungen habe ich viele Jahre lang in meinen Computer gesammelt, von einem Rechner auf den nächsten überspielt, und es wurden immer mehr“, sagt Muñoz. Nun hat sie eine Auswahl im spanischen Verlag Circulo Rojo publiziert, der Titel ist auch über deutschen Buchhandlungen zu bekommen.

„Alle Kurzgeschichten beruhen auf wahren Begebenheiten, die aber, obwohl ich sie aus großer Nähe erlebt habe, keinen direkten Bezug zu mir aufweisen“, schreibt die Autorin, „ich war vielmehr eine zufällige Beobachterin.“ Miedo, Angst, war wohl im Chile des Diktators Pinochet (er war Präsident bis 1990) ein beherrschendes Gefühl. „Damals war alles surrealistisch“, so Muñoz, sie erinnert sich an „ein böses und wahrhaftes Terrorregime“. Aber ihre Geschichten erzählen nicht von staatlichen Übergriffen, sondern von dem Schatten, der sich im Privaten eingeschlichen hatte.

Drama an der Grenze nach Peru

„Der Fall Bustamante“ beispielsweise beginnt mit einem fast noch harmlosen, ziemlich rätselhaften Überfall, ein Ladenbesitzer wird spät abends gezwungen, Haarfärbemittel und Wasserstoffperoxid zum Bleichen herauszugeben. Dann wird sein Baby entführt, er entdeckt es wieder am Grenzübergang nach Peru – auf grässliche Weise mit den Färbemitteln entstellt und für Drogenschmuggel missbraucht.

Fröhlicher wird wohl die Anden-Musik des Dueto Primavera – das trotz seines Namens aus drei Mitgliedern besteht – ausfallen, das Trio-Duett wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Die Konzert-Lesung am Sonnabend in der VHS beginnt um 20 Uhr.

Von Frank Füllgrabe