Dienstag , 18. September 2018
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Daniel Lagercrantz setzt die Stieg-Larsson-Thriller fort. Morgen liest er im Filmpalast.

Lisbeth Salander taucht auf

Lüneburg. Lisbeth Salander erinnert etwas an Daniel Craig als James Bond und an Matt Damon bzw. Jason Bourne. Salander ist hart, verletzlich, schneller und schl auer als ihr Gegenüber, sie verfügt über irre Fähigkeiten, ist allerdingt nicht so smart wie Bond, sondern eher eigenbrötlerisch wie ein Soziopath. Ähnlich wie Jason Bourne jagt sie atemberaubend schnell den Rätseln ihrer Vergangenheit hinterher, aber während Bourne über Jahre durch die Welt hetzt, fräst sich der jüngste Salander-Krimi durch 18 Juni-Tage in Stockholm. „Verfolgung“ heißt der Thriller, mit dem am Freitag, das achte Lüneburger Krimifestival beginnt.

Die Figur der Lisbeth Salander brachte der schwedische Autor Stieg Larsson auf die Welt. Er sah Lisbeth Salander als rebellisch gebliebene, erwachsene Ausgabe von Pippi Langstrumpf. Nur sind die Abenteuer, in die Salander gerät, in Sachen Action und Brutalität so gar nicht lustig. Stieg Larssons „Millennium“-Trilogie wurde ein Welthit: mehr als 86 Millionen verkaufte Bücher. 2004 starb Stieg Larsson nach einem Herzinfarkt mit nur 50 Jahren. Der Hunger nach mehr von Lisbeth Salander und dem ähnlich präsenten Journalisten Mikael Blomqvist blieb ungestillt. Blomqvist, da ist ebenfalls Larssons Astrid-Lindgren-Liebe herauszuspüren. Der Hunger nach mehr trieb auch die Familie von Larsson an: Die Reihe sollte weitergehen, Protesten zum Trotz. Die Wahl fiel auf David Lagercrantz, der morgen um 20 Uhr im Filmpalast seinen zweiten Folgeband präsentiert.

Lagercrantz (55) hat einen 480 Seiten starken Thriller vorgelegt, der Pageturner-Qualitäten besitzt, ohne literarisch in irgendeiner Hinsicht hervorzustechen. Wer einmal drin ist in dem Stoff, der kommt aber nicht so leicht wieder raus. Geschickt knüpft Lagercrantz von verschiedenen Enden aus ein Netz, das sich immer rasanter zusammenzieht. Ein Startpunkt ist das Frauengefängnis Flodberga, in dem Lisbeth Salander eine kurze Strafe absitzt und an Benito Andersson gerät, eine brutale Gang-Chefin. Salander wird der grobschrötigen Frau, die einer jungen Kurdin an die Kehle geht, den Kiefer zermalmen, ihr aber im Laufe der Kapitel wiederbegegnen.

Kaum frei, hastet Lisbeth neu aufgetauchten Infos über ihre Herkunft hinterher. Es geht dabei um Missbrauch und Adoption und um ein „Register für menschliche Erblehre und Eugenik“. Salander und Blomqvist stoßen auf Menschen, denen es gar nicht gefällt, was da ans Licht gerät. Es wird natürlich brandgefährlich bis hin zu einem Schluss, dem anzumerken ist, dass die Reihe nicht am Ende ist.

Aktuell findet sich „Verfolgung“ auf Platz neun der Spiegel-Bestsellerliste

Der Erfolg gibt Lagercrantz recht. Er hatte zuvor unter anderem 2011 die Fußballer-Biographie „Ich bin Zlatan Ibrahimović“ herausgebracht. Nun ist er der Larsson-Epigone, der seine Sache mehr recht als schlecht macht. Aktuell findet sich „Verfolgung“ auf Platz neun der Spiegel-Bestsellerliste. Das erreicht nicht die triumphalen Larsson-Ergebnisse, aber das Projekt zahlt sich doch aus. Demnächst auch wieder im Kino: Im Oktober 2018 startet „Verschwörung“, der erste Lagercrantz-Beitrag zur Reihe. Die Larsson-Originale wurden sogar zweimal verfilmt, einmal mit Noomi Rapace, einmal mit Rooney Mara.

Margarete von Schwarzkopf wird den Auftakt zum Krimifestival morgen moderieren. Sie stellt am 22. Oktober selbst einen Krimi vor, ihren ersten, im ausverkauften Sa Bacca. Als deutsche Stimme von Daniel Lagercrantz liest im Filmpalast Dietmar Wunder, der für James Bond bzw. Daniel Craig als Synchronsprecher aktiv ist.

Von Hans-Martin Koch

Start im Filmpalast

Freie Plätze

Das Lüneburger Krimi-Festival wird von Lünebuch veranstaltet. Bereits mehr als 4000 Karten sind für die achte Auflage verkauft. Zehn Veranstaltungen sind ausverkauft. Am Donnerstag gab es laut Sylvia Anderle, Assistentin von Lünebuch-Chef Jan Orthey, noch für folgende Termine Karten (bei der LZ-Veranstaltungskasse oder bei Lünebuch).
20. Oktober, 20 Uhr, Filmpalast: David Lagercrantz („Verfolgung“) – 140 Karten.
21. Oktober, 20 Uhr, Gesellschaftshaus der Psychiatrischen Klinik: Steffen Schroe–der („Was alles in einem Menschen sein kann. Begegnung mit einem Mörder“) – 20 Karten.
23. Oktober, 19 Uhr, Scala-Programmkino: Alfred Hitchcocks „Psycho“ – 35 Karten.
24. Oktober, 20 Uhr, Filmpalast: Arne Dahl („Sechs mal zwei“) – 70 Karten.
28. Oktober, 20 Uhr, Heinrich-Heine-Haus: Britta Bolt („Der Tote im fremden Mantel“) – fünf Karten.
1. November, 20 Uhr, Musikschule: Andreas Gruber („Todesreigen“) – eine Karte.
4. November, 20 Uhr, Kunstsaal: Gard Sveen („Teufelskälte“) – zwei Karten.