Donnerstag , 20. September 2018
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Dunkel war‘s und stickig, als Margarete von Schwarzkopf im proppevollen Sa Bacca ins Moor entführte. Foto: lz/t&w

Krimifestival Lüneburg: Wühlen in alter Geschichte

Lüneburg. Das Organisieren eines so hochkarätigen Krimifestivals, wie es Lüneburg gerade zum achten Mal erlebt, braucht einen langen Atem, Mut und auch Geld. Ma nchmal wird es für den Veranstalter sogar körperlich zur Herausforderung. Weil im proppevollen, luftarmen Sa Bacca die Tonanlage nicht ganz so wollte, wie sie sollte, hielt Lünebuch-Chef Jan Orthey über 90 Minuten mit erhobenem Arm ein Klebeband fest – er muss ein gutes Fitnesstudio besuchen! Vor ihm saß Margarete von Schwarzkopf, die sonst so rastlos aktive Moderatorin, und stellte ihren ersten eigenen Krimi „Der Moormann“ vor, aus dem sie nicht weniger rastlos las.

Margarete von Schwarzkopf, geboren 1948, wurde unter anderem als NDR-Redakteurin mit eigener Büchersendung bekannt. Sie ist großartig als Moderatorin, Mitglied der Krimi-Bestenliste, entsprechend belesen und erfahren im Metier. Gerade hatte sie noch den David-Lagercrantz-Abend im Filmpalast moderiert, aber wenn sie ausschließlich mit den „Lagercräntzen“ unterwegs wäre, na ja, das wäre denn nicht so dolle. Also wird sie selbst aktiv, schreibt ein Buch über Heiligenlegenden, eines über Schokolade und eines über den „Traum vom Weltreich. Geschichte und Geschichten zur Personalunion Hannover-England, 1714 bis 1837“.

Spiel mit zwei Zeitebenen

Genau in diese Zeit legt sie auch ihr Krimidebüt. Geschichte hat Margarete von Schwarzkopf studiert, und sie wurde ihr in die Wiege gelegt, denn geboren wurde sie als Prinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg. Eine schillernde Familie, deren Spross Rupert Ludwig Ferdinand zum Beispiel als Finanzmanager die Rolling Stones reich machte. Aber die Autorin hat in ihrem Auftreten so gar nichts Durchlauchtiges, sie verbindet spontanen, trockenen Witz mit einem tief gründenden, von Neugier getriebenen Fundament aus Bildung.

Letzteres taucht im „Moormann“ mal mehr, mal weniger deutlich auf. Die Geschichte des Krimis schraubt sich um einen angeblich verschollenen Schatz in einem Moor, irgendwo bei Bremervörde. Dort bezieht die Kunsthistorikerin Anna Bentorp ein Häuschen, um in Ruhe alte Karten der Region zu studieren. Doch Ruhe in einem Krimi gibt es natürlich nur nach dem Tod. Es häufen sich also merkwürdige Todesfälle, und Anna Bentorp stößt auf das Tagebuch von Reginald Fitzgibbons, einem Kartographen, der um 1788 das moorige Land vermessen sollte. Fitzgibbons Abenteuer liefern die zweite Ebene des Krimis.

Margarete von Schwarzkopf schreibt mit spürbarem Spaß an den kleinen Details: hier ein verfremdetes Droste-Hülshoff-Zitat, dort ein Shakespeare-Klang und spielerisch Verweise auf Autoren wie Laurence Stern, Jonathan Swift und Georg Forster. Die Autorin bringt ihre Liebe zu Irland, zu alten Karten und zu norddeutschen Namen unter und versteht ihren soliden Krimi als Liebeserklärung an Niedersachsen. Was unter der Konstruktion und den vielen Seitenblicken aber leidet, ist die fiebrige Spannung, die Krimileser mitunter die Nacht vergessen lässt. „Der Moormann“ erschien im Emons Verlag. Margarete von Schwarzkopf hat schon eine Fortsetzung parat, in der ginge es vom schaurigen Moor in die Tiefen unheimlicher Höhlen.

Von Hans-Martin Koch