Aktuell
Home | Kultur Lokal | Das Ende der 50er Jahre
Kuratorin Hilke Lamschus nimmt Platz in der 50er-Jahre-Ausstellung. Die Ausstellung wird 2019 eingebunkert. Foto: A/t&w

Das Ende der 50er Jahre

Lüneburg. Jetzt wird es ernst mit der Sanierung des Deutschen Salzmuseums. Heute, Donnerstag, soll der Rat der Stadt den Weg freimachen für eine Sanierung, die drei Jahre dauern und etwa 3,5 Millionen Euro kosten wird. Der Handlungsdruck ist groß, 600 000 Euro sind bereits in die mittelfristige Finanzplanung aufgenommen und mit Vorlage des Haushalts 2017 genehmigt worden, teilt die Stadt mit.

1989 wurde das Deutsche Salzmuseum mit Gründungsdirektor Dr. Christian Lamschus auf einem Drittel des Geländes der Saline eröffnet. 1980 war in dem Haus die unrentabel gewordene, mehr als 1000-jährige Salzgewinnung in Lüneburg zu Ende gegangen. Dem „Weißen Gold“ verdankt die Stadt ihren Reichtum und ihre historisch bedeutende Architektur. Das Museum ist bis heute ein Magnet für Touristen, Schulklassen etc. 2016 kamen 55 000 Besucher in das mehrfach ausgezeichnete Museum. Vor Kurzem erst zählte die Zeitschrift Merian das Salzmuseum zu den größten Sehenswürdigkeiten des Technikstandorts Deutschlands.

Für das baulich angegriffene Museum gab die Stadt 2016 eine Schadenskartierung in Auftrag. Sie listet besonders im Hauptgebäude des Museums, dem heute als Denkmal geschützten Siedehaus aus dem Jahr 1924, schwere Schäden auf. Sie gehen weitgehend zurück auf die industrielle Produktion, bei der bis 1939 Salz mit sechs 160 Quadratmeter großen Siedepfannen gewonnen wurde. Das hinterließ bis heute Spuren, vor allem am Mauerwerk und am Dach. Schadstoffe wurden nachgewiesen, die Hauselektrik stammt noch aus der Zeit der Produktion, Treppen und Umläufe sind nicht mehr intakt. Auch der Brandschutz und die Infrastruktur für Besucher sind nicht mehr zeitgemäß, nachgebessert werden muss unter anderem der Bereich der Barrierefreiheit.

Neben dem Einsatz kommunaler Mittel baut die Verwaltung darauf, Geld einzuwerben, vor allem von Förderprogrammen des Bundes für Denkmalschutz und für touristische Infrastruktur. Allein daraus könnten 1,9 Millionen Euro fließen. In die Finanzierung einbezogen werden sollen zudem der Landkreis über den kommunalen Strukturentwicklungsfonds und die Metropolregion.

Im Zuge der Sanierung muss das Museum teilweise geschlossen werden. Das trifft voraussichtlich 2019 in der ersten Bauphase den 1852 errichteten Eselstall. Er soll künftig weitgehend für Büro und Arbeitsplätze genutzt werden. Auf rund 150 Quadratmeter schrumpfen wird dadurch die Fläche für Sonderausstellungen, „das ist eigentlich viel zu wenig Platz“, sagt Kuratorin Hilke Lamschus.

Weichen muss dadurch die Ausstellung über die 50er Jahre in Lüneburg. Sie wird im Museumsdepot, dem Bunker in Oedeme, eingelagert. Der notwendig werdende Abbau ist schon insofern bedauerlich, da allein 2016 im Eselstall rund 23 000 Besucher gezählt wurden. „Wir bekommen noch nahezu täglich Ausstellungsstücke angeboten“, sagt Hilke Lamschus. Gerade nahm sie ein Hochzeitskleid aus dem Jahr 1947 entgegen.

Von Hans-Martin Koch