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Krimi-Festival: Sebastian Fitzek im Vamos. Foto: lz/t&w

Psychopath als Entführer

Lüneburg. Mit dem Fliegen ist das so eine Sache. Große Distanzen sind geschäftlich oder zu Urlaubszwecken ohne den Flieger kaum zu überwinden. Doch wer Panik be kommt in der Blechdose oben am Himmel, der hat auf längeren Distanzen inzwischen schlechte Karten. Auch Bestsellerautor Sebastian Fitzek, der im Rahmen des Lüneburger Krimifestivals ins Vamos gekommen ist, um seinen neuen Psychothriller „Flugangst 7a“ dem Publikum vorzustellen, ist fest überzeugt, dass der Mensch dort oben in zigtausend Metern Höhe und bei 52 Minusgraden nichts zu suchen hat. Er fliegt selbst nicht allzu gern. Schuld sind ein paar Episoden mit kleineren Propellermaschinen, die Wind und Wetter viel stärker ausgesetzt sind als der nächste Airbus.

Ein Held mit Charakterfehlern

Einer mit Flugangst, das ist auch Doktor Mats Krüger, der Held in Fitzeks neuem Roman. Von Haus aus Psychiater, kann Krüger sich selbst nicht von seiner Furcht vor dem Fliegen befreien – da hilft auch kein Psychoseminar einer Fluggesellschaft oder das Studium der Baupläne eines Flugzeugs. Krüger hat gleich mehrere Sitzplätze in dem Flieger reserviert, der ihn von Buenos Aires zurück nach Berlin bringen soll. Dort wartet seine schwangere Tochter Nele auf den Besuch des Vaters, weil er die Geburt seines ersten Enkels möglichst miterleben soll. Problemlos ist das nicht, denn der Trip ist eine Reise in die Vergangenheit: Mats Krüger hatte seine Familie im Stich gelassen, als seine damalige Frau Katharina krebskrank im Sterben lag. Nun muss Krüger befürchten, dass seine Tochter ihm die Flucht nach Argentinien bis zum heutigen Tage verübelt.

Auf den ersten Blick nicht unbedingt ein Sympathieträger, dieser Psychiater aus Buenos Aires – dass der Mensch alsbald in Schwierigkeiten gerät, gönnt man ihm zunächst ein wenig. Doch die Schwierigkeiten sind überdimensional und erweisen sich schnell als lebensbedrohlich. Denn während Krüger noch auf den Start seiner Maschine wartet, wird seine hochschwangere Tochter in Berlin entführt: von einem Wahnsinnigen, wie es scheint, denn dass Nele hochschwanger ist und kurz vor der Niederkunft ihres Kindes steht, erkennt ein jeder.

Der Taxifahrer, den sie an diesem Abend gerufen hat, soll sie ins Krankenhaus bringen. Eben jener Taxifahrer, auf den ersten Blick harmlos, scheint aber ein Psychopath zu sein – allerdings einer mit Beziehungen. Denn kurz darauf meldet sich bei Mats Krüger über Handy ein Unbekannter, der ihm von der Entführung der schwangeren Tochter berichtet und ihn auffordert, den in Kürze folgenden Anweisungen unbedingt Folge zu leisten. Anderenfalls werde Nele die Geburt ihres Kindes nicht überleben.

Wer macht so was und warum? Diese berühmte Krimifrage lässt der Autor natürlich an diesem Abend offen. Die sich gleichfalls aufdrängende Frage, wie wahrscheinlich das oben beschriebene Szenario wohl sein mag, muss sich gleichfalls jeder selbst beantworten. Fitzek plaudert noch eine Weile über das Fliegen allgemein und Flugangst im Besonderen, schließlich hat er auf seinen zahlreichen Leserreisen schon einiges erlebt. Nicht immer war es die Technik, die Anlass zu Sorge gab, häufig verblüfften ihn auch die übrigen Mitreisenden. „Vor denen habe ich viel mehr Angst als vor einem Fehler des Piloten“, sagt der Autor unter dem Gelächter des Publikums.

Hoffnung auf eine Verfilmung

Etliche Male wird er seine Furcht vor dem Fliegen wohl noch überwinden müssen. Fitzek gehört zu den erfolgreichsten Thrillerautoren der Bundesrepublik und wird schon allein von daher sicher noch eine Weile auf Reisen sein. Auch die Filmrechte an seinen Büchern verkaufen sich gut: „Man hat mir gesagt, mein Buch `Therapie`ließe sich nicht verfilmen, aber inzwischen gibt es ein erfolgreiches Theaterstück zu der Story. Und ich denke, auch der Film wird kommen.“

Von Elke Schneefuß