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Kriz Olbrecht will mit seinen Eingriffen die Wahrnehmung verändern und das Denken in andere Richtungen leiten.
Kriz Olbrecht will mit seinen Eingriffen die Wahrnehmung verändern und das Denken in andere Richtungen leiten.

Erst die Kunst, dann der Abriss

Lüneburg. Das Sonnenstudio zieht um, das Café wird schließen, die Bowlingbahnen sind längst verhökert, und im früheren Super-/Matratzenmarkt sind schon Bretterw ände eingezogen. Die aber machen für den kommenden Abriss von Lüneburg hässlichstem Haus gar keinen Sinn.

Vielmehr spielt da einer mit dem Raum, verändert ihn und die Sichtweisen, die Besucher auf den hallengroßen Kahlfraß haben. Zum zweiten Mal nutzt der Kunstverein das Gebäude am Handwerkerplatz.

Bei der Sammelausstellung „Trunk“ hatte Kriz Olbricht die Aussparung für die Fußmatte am Eingang mit Silikon ausgefüllt, und im Raum eine Rigipsplatte mit einem Gewebe darauf platziert. Spröde ist sie schon, die Kunst des 1986 geborenen Freiburgers. Olbricht setzt Räume in Szene, minimalistisch mit einfachsten Materialien. „Temporäre Setzung“ wird das im Kunstjargon genannt. „Interim“ nennt Olbricht seine Lüneburgensie.

Kriz Olbricht setzt Räume in Szene

Die Bretterwände zwischen den Säulen sind möglicherweise als Sichtblende gedacht oder als Spundwände – als Schutz vor dem Stau auf der Straße davor. „Torrente“ nennt Olbricht seinen Eingriff, das Wort steht für eine Sturzflut aus den Bergen. Da bleibt noch Raum für Assoziation und Diskussion.

In einem Handtuchhalter stecken Abrisse von Kartonpappe, auf dem Boden ist eine größere Pappe ausgelegt. Die Pappfläche lässt sich als Erweiterung der verschiedenen verschlissenen Böden im Raum betrachten, hat aber vielleicht auch mit Obdachlosigkeit zu tun. In einen Halter für Gartengeräte steckt Olbricht Holzstangen, an den Enden bemalt. Sie sind reines Objekt. Es gibt noch kleine malerische Arbeiten und eine Fotoserie von maroden Bretterbuden, die sich Jugendliche an einem Fluss gebaut haben. Sie sind abrissfähig wie das Ausstellungshaus.

Die Ausstellung öffnet bis 3. Dezember sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr. Warm anziehen, die Heizung ist bereits abgestellt!
2018 wird der Kunstverein das so kahle wie spannende Gebäude verlassen und zurück ins Heine-Haus kehren. Start ist im März mit einer jungen Fotografin. oc

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