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Felix Meyer und Gitarrist Erik Manouz schwelgten im Glockenhaus zeitweise in alten Zeiten. Foto: lz/t&w

Lüneburg ist besonders

Lüneburg. Was oder wer ist Felix Meyer? Der Felix Meyer, der vor Jahren unten an der Bäckerstraße stand, sang und für Stau sorgte? Der Meyer, der kurz vor Karst adt seine erste CD live vorstellte und sie verkaufte wie Bäcker Brötchen? Der mit seinen Freunden auf gefühlt allen Plätzen in Deutschland und Europa Musik machte? Der zuerst Songs coverte, diese selbst betextete und bald eigene schrieb? Ist er Singer/Songwriter, Liedermacher, Chansonnier, Songpoet? Er passt in alle Schubladen und ein paar mehr. Jetzt war Meyer wieder in Lüneburg. Das ist die entscheidende Stadt für seinen Weg ins Profilager.

Die Luft war dick an diesem Abend im Glockenhaus, Sauerstoff knapp. Über ein volles Haus freuten sich der Sänger und Gitarrist Erik Manouz, die seit vielen Jahren eine Einheit bilden. Zu zweit sind sie zurzeit unterwegs, andere Tourneen laufen mit Band. Egal wie, Felix Meyer muss spielen, spielen, spielen. Eine andere Chance gibt es nicht, um im Musikgeschäft zu überleben. Sicher, seine CDs und Vinyls sind gut und gefragt, aber nicht so, dass es ihn über die Runden bringt. Für TV und Radio wiederum sind die Songs nicht kompatibel: Sie besitzen Inhalt, und der wird in NDR, MDR und Co. in die Nachtstunden gelegt.

„Landstraßenmusik“-Tour nennen Meyer/Manouz ihr Programm. Nach Jahren betextet Felix Meyer bei neuen Liedern wieder Fremdmaterial: Melodien von Tracy Chapman bis R.E.M. Einen Chapman-Song singt er zum Start unbegleitet, das ist okay, aber mit Manouz klingt der Mann besser. Dann bekommt seine große, unverwechselbare Stimme den Rückhalt, der den Liedern atmosphärische Tiefe gibt.

Felix Meyers Texte wirken wie Poesie, er liest zwischendurch lyrische Prosa. Vieles kreist um das Unterwegssein, das Alleinsein, die Sehnsucht, den Verlust, auch um den Tod. Meyer gelingt es, Texte voll emotionaler und gedanklicher Intensität zu schreiben. Dabei behalten sie immer eine Offenheit. Selten sind sie so konkret wie bei „Die Corrida“, einem Francis-Cabrel-Cover. In dem Lied wird ein Stierkampf aus Sicht des qualvoll gemordeten Tiers besungen. „Die Corrida“ ist ein Meyer-Klassiker, der nach wie vor unter die Haut geht.

Das Zwei-Stunden-Paket, das Meyer/Manouz aufschnüren, wird von den eigenen Songs dominiert. Zur Freude des Publikums sind viele ältere dabei und klingen frisch wie eh und je. In seinen improvisierten Moderationen macht Felix Meyer deutlich, wie wichtig Lüneburg bei seinem Schritt ins Profilager ist. Musikproduzent Peter Hoffmann aus Vögelsen hörte Meyer vor Jahren auf der Straße, kam im Schallander mit ihm ins Gespräch, setzte es im Studio fort, brachte Meyers Musik auf CD. Die Wege trennten sich, aber: „Ist Peter hier?“ ruft Meyer. „Ja!“ – und dann regnet es Dank und Komplimente.

Die erhielt Felix Meyer auch ausgiebig– durch Beifall und Mitsingen.

Von Hans-Martin Koch

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