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Marit Brackelmann spielt den Trottel von Wolf, Emilia Voss hat, was ja zu sehen ist, die Rotkäppchen-Rolle übernommen. Foto: lz/t&w

Die mit dem Wolf tanzt

Zu den schönsten Momenten gehört der Freudenschrei des Ensembles nach dem Auftritt – off stage und doch für alle Anwesenden laut und deutlich hörbar. Mit einem gellenden „Juchhu“ befreiten sich die jungen Protagonisten des Kinderensembles 2 nach ihrer großartigen Premiere von „Rotkäppchen“ im theater im e.novum von all der Anspannung. Kurz zuvor hatten sie den tosenden Beifall eines restlos begeisterten Publikums genießen dürfen – zu Recht!

Regisseurin Kirstin Rechten hat eine temporeiche, komische Variante des Märchenklassikers auf die Bühne gezaubert – gespickt mit Wortwitz, Anspielungen und originellen Ideen. Allein, dass die Akteure zu Beginn selbst das Casting in die Hand nehmen, ist eine wirklich gute Idee. Natürlich will niemand den bösen Wolf spielen, bis sich Marit Brackelmann bequatschen lässt und in das Fell des grimmigen Gesellen schlüpft. Sie gibt ihm eine herrlich trottelige Note: Wie heißt das nochmal: Rot-kehlchen? Rot-hähnchen? Rot-würstchen? Die Kinder im Publikum versuchen zu helfen, aber dem Wolf fällt das richtige Wort partout nicht ein. Ist ja auch schwierig: Rotkäppchen.

Emilia Voss hatte sich das samtene Mützchen aufgesetzt und spielt das Rotkäppchen genauso, wie man sich es vorstellt: herzensgut und hilfsbereit, aber auch selbstbewusst und couragiert. Quasi als die, die mit dem Wolf tanzt. Herrlich ist Jamil Aljassem als Großmutter mit verrutschter Grauhaarperücke und viel (Groß-)Mutterwitz. Hannes Christmann als etwas einfältiger Jäger und sein pfiffiger Azubi Karl, gespielt von Paul Rößler, geben ein sehr lustiges Waidmanns-Duo.

Wer hat die Haselnuss geklaut?

Eigentlich darf Karl nichts sagen – wer zu spät kommt, den bestraft der Regisseur – aber zum Glück gibt er seinem nicht allzu cleveren Chef gelegentlich den einen oder anderen hilfreichen Tipp. Katharina Fauteck überzeugt als Rotkäppchens besorgte Mutter, und mit Marieke Burmeister als keckes, quirliges Eichhörnchen und Bjarne Mitwollen als nicht so ganz aufgeweckter, schneller Igel wirkt ein weiteres bezauberndes Duo mit. „Wer hat die Haselnuss geklaut?“, singt das Eichhörnchen in Anlehnung an den berühmten „Kokosnuss“-Ohrwurm.

Das Bühnenbild muss – neben den großartigen Kostümen von Branka Zelenovic, der famosen Musik von Ulf Manú und der mitreißenden Choreographie von Nicole Riemenschneider – erwähnt werden. Mit ihrem Birkenwald und dem in wenigen Handgriffen aufgebauten Großmutter-Häuschen hat sich Kathrin Matzak selbst übertroffen.

„Rotkäppchen“ bietet ein großes Vergnügen und ein Erlebnis mit vielen Ahas. Alternierend spielen bei der ausverkauften B-Premiere am Sonntag, 19. November, um 15 Uhr Emilia Grawe, Clarisse Stöver, Jonathan Wieners, Fedora Burggraf, Henri Büsscher, Eike Broutschek, Florentin Weber und Maja Petersen. Für weitere Aufführungen an den Wochenenden bis 21. Dezember sind noch Karten zu bekommen.

Von Silke Elsermann