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Bernd Meiners präsentiert Fotografien aus dem Spiegelungen-Zyklus. Foto: lz/ff

Blicke nach oben und unten

Scharnebeck. Schnell musste es gehen, am 25. Oktober 2015, 15 Uhr, in dem Buchenwäldchen in der Nähe von Neustadt an der Ostseeküste. Gerade stand die Herbstson ne so, dass die Blätter Schatten warfen auf die Stämme, und dabei geheimnisvolle Bilder zeichneten. „Ich hatte nur etwa eine Stunde Zeit“, erinnert sich Bernd Meiners. Aber der Künstler, der eigentlich Kameramann ist, hatte einen Fotoapparat dabei, und diese eine Stunde reichte. Ergebnisse sind nun in der Galerie KulturBoden zu sehen; Vernissage: Sonnabend, 18. November, 16 Uhr.
Auf diese Weise entstanden geheimnisvolle, manchmal sogar gruselige Bilder aus einer stillen Märchenwelt, eingefärbt in ein sanftes Braun. Zu sehen sind tatsächlich ausschließlich Schatten auf Borke, es gibt keine konkreten Körper in diesem seltsamen Reich. Das Hereinbrechen der Dunkelheit und die Nacht an sich gehört zu den Kernthemen des Fotografen, das hat Bernd Meiners bereits früher mit urbanen Szenarien auf dem KulturBoden gezeigt.

Als Filmemacher mit langem Werksverzeichnis hat er sich außerdem Kamera-Einstellungen gegönnt, die „für das Fernsehen herausgeschnitten würden oder nur im Zeitraffer zu sehen wären“: minutenlange Blicke in den Himmel, diesmal in Farbe und natürlich in Echtzeit. Zu sehen sind Wolkenberge, die sich über die Sonne schieben, groteske Formationen, die im Wind zerfasern – ein himmlischer Alltag, den jeder haben kann, er muss sich eben nur die Zeit nehmen, einmal länger nach oben zu schauen.

Eine andere Fotostrecke, wiederum in einem Zug geschossen, das ist jetzt auch wörtlich zu nehmen, schildert (in Schwarzweiß) eine Fahrt mit der Eisenbahn beziehunsgweise die vorbeihuschenden, diffusen Ansichten draußen, die der Fotograf durch lange Belichtung in Querstreifen auflöste. Durch die doppelte Entfremdung gelangen die Bilder nun in die Nähe abstrakter Zeichnungen oder Gemälde.

Und noch einmal: der Wald. Ein weiterer Werkszyklus zeigt seine Spiegelungen auf dem Wasser, wiederum zu später Stunde, wieder mit dem Charme des Artifiziellen, und auch hier drehte Bernd Meiners einen Film aus der Perspektive des verharrenden, geduldigen Beobachters.

Auf der Vernissage begrüßt Bürgermeister Hans-Georg Führinger die Gäste, Kurator Anton Bröring spricht zur Einführung. Die Ausstellung ist bis 9. Dezember (jeweils freitags 16 bis 18 Uhr, sonnabends 15 bis 17 Uhr und sonntags 11 bis 13 Uhr sowie nach Vereinbarung) geöffnet.

Von Frank Füllgrabe