Mittwoch , 19. September 2018
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Uwe Franzen präsentiert Entwürfe und Exponate für Schiffermuseen. Foto: lz/ff

Aus dem Bach in den Palast

Reppenstedt. Es ist gar nicht so einfach, für den Beruf von Uwe Franzen einen Begriff zu finden. Designer? Das ist zu wenig umfassend, denn es geht nicht nur um Form und Funktion, sondern auch um Inhalte und Vermittlung. Er selbst schlägt „Gestalter und Ausstellungs-Szenograf“ vor. Fest steht: Uwe Franzen gestaltet Ausstellungen, in Museen, Parks, Bildungszentren. Und das hat in seiner zeitgemäßen Form nur noch wenig mit dem Zusammenschrauben von Vitrinen zu tun. Eher geht es darum, Zusammenhänge erfahrbar zu machen. Was haben zum Beispiel die kalten Heidebäche des Herzogtums Celle mit den Juwelen der englischen Königin zu tun?

„Manche Menschen begreifen etwas am leichtesten über die Musik, andere über Mathematik“, sagt Uwe Franzen. Kinder sollten toben können, anfassen, anderswo sind Filme und Fotos sinnvoll – oder vielleicht auch ein Schauspieler im historischen Kostüm. Betreiber von Wassermühlen an der Elbe haben sich den Buckel krumm geschleppt mit den Kornsäcken. Aber was ist die Beschreibung gegen einen Zentnersack, den man selbst hochheben kann – beziehungsweise, es zu versuchen?

Personen treten aus dem Rahmen

Das Elbschifffahrtsmuseum in Lauenburg hat er neu gestaltet, „früher gab es dort sehr viele Schiffmodelle, aber ich wollte mehr Menschen zeigen“. Nun ist da beispielsweise das Foto von zwei Seeleuten bei einer Kaffeepause zu sehen. „Arschbackenbrühe“ nannten sie mit ihrem rustikalen Humor dieses bittere Irgendwas in ihren Tassen, das mit Bohnenkaffee sehr wenig zu tun hatte. Aktuell hat Uwe Franzen die Reformations-Sonderausstellung in Lüneburg gebaut. Die zentrale Idee war, die Akteure (ihre Namen waren vorgegeben) aus den Rahmen der alten Gemälden heraus dem Betrachter entgegentreten zu lassen, so ist das nun eine Präsentation auf mehreren vertikalen Ebenen geworden.

Uwe Franzen, 1958 in Hamburg geboren, studierte an der Kunsthochschule Visuelle Kommunikation, „Fotografie, Grafik, Bühnenbild – uns standen alle Werkstätten offen“. Das hat er ausgenutzt, Vielseitigkeit ist oberste Szenografen-Pflicht. Für die Vermittlung Hamburger Stadtgeschichte hat er sogar schon mittelalterliche Rollenspiele entwickelt, das war einer der ersten Einsätze. Später baute er einen Chinesischen Gelehrtengarten im Grünen, erneuerte die Ausstellungen des Seebadmuseums Travemünde wie des Industriemuseums Spinnerei Engelskirchen und des Heide-Infozentrums Undeloh. Am längsten (nämlich fünf Jahre) dauerte die Arbeit im Papiermuseum Bergisch-Gladbach. Nebenbei tritt Uwe Franzen auch als Autor und Verleger auf, zuletzt für ein Buch über Bücherverbrennungen in der Hamburger NS-Zeit.

Vier Arbeitsschritte sind zu gehen. Am Anfang ist das Studium des Inhalts. Egal ob Historie oder Biologie, der Ausstellungsmacher sollte den Stoff kennen, den er da in Szene setzt. Zweitens: Vermittlung, die Auswahl der Techniken. Drittens: Gestaltung, das Herstellen der Exponate, und – viertens – das Management, die Kombination zu einem schlüssigen Ganzen, „narrative Inszenierung“ sagt Uwe Franzen.

Dazu gehört auch das Handwerk. Wer beispielsweise einen Film zeigen will, der zugleich die Ausleuchtung von entsprechenden Exponaten im richtigen Moment steuert, der sollte etwas von Elektrik verstehen. Uwe Franzen ist gerade mit Sack und Pack umgezogen, von Bardowick nach Reppenstedt, die Werkstatt wurde einfach zu klein, und auch die Adresse seiner Homepage (hand-werk20.de) verweist darauf, dass die besten Ideen nichts nützen, wenn es nachher schlampig aussieht.
Mit Akkuschrauber
29 und Taucherausrüstung
Neben Akkuschrauber, Lötkolben und Kamera hält Uwe Franzen auch eine Taucherausrüstung bereit, für einen Film über die Flussperlenmuschel beispielsweise, zu sehen im Naturpark-Informationszentrum Eschede. Wer weiß schon, dass so manche Perle, die in den Heidebächen gewonnen wurde, und die zunächst natürlich dem Herzog von Celle gehörte, schließlich für den Schmuck der Queen verarbeitete wurde? Sogar die Krone selbst ziert heute eine Heideperle.