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„Guten Abend, meine Damen und Herren!“ Linda Zervakis begrüßte ihr Publikum in offizieller Tagesschau-Manier. Foto: lz/t&w

Vom Kiosk in die Tagesschau

Lüneburg. Es ist nicht ganz einfach, sich die bezaubernde, souveräne Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis als etwas unscheinbares Mädchen vorzustellen, das in der Schule gemobbt wurde und nach der Schule im Kiosk der Eltern arbeiten musste, insgesamt wohl eine wenig schillernde Jugend verbrachte. Ein Pluspunkt: Linda hatte jederzeit Zugriff auf unbegrenzte Mengen von Süßigkeiten, die konnte sie ihren Mitschülern schenken. Sie war gewissermaßen die Herrin über Lakritze, Eis und Weingummi, „Die Königin der bunten Tüte“. So heißt nun ihr autobiographisches Buch, das Linda Zervakis in der Ritterakademie vorstellte.

Ihre Eltern kamen als Gastarbeiter nach Deutschland, sie arbeiteten in Fabriken in Hannover und Hamburg, schließlich riskierten sie den Schritt in die Selbstständigkeit – nicht, wie die meisten Griechen, in der Gastronomie, sondern eben in Harburg mit einem Kiosk. Um die Kosten in Grenzen zu halten, musste die ganze Familie mit anpacken, jemanden einzustellen, kam nicht in Frage. Aber: „Meinen Eltern war sehr wichtig, dass meine zwei Brüder und ich in der Schule gut vorankamen“, sagte die heute 42-Jährige in einem Interview, „sie wollten nicht, dass wir die Abende in einer Taverne verbringen mussten.“ Außerdem hatte Linda ihre Eltern händeringend gebeten, keinen Imbiss zu eröffnen – dauernd nach fettigen Pommes zu riechen, das war für das Mädchen eine Horrorvorstellung.

Sie sei oft verprügelt worden, erzählt Zervakis, und musste sich den Spitznamen „Tsatsiki“ gefallen lassen, als Gegenwehr bespuckte sie ihre Drangsalierer mit kleingebissenen Möhren. Dass sie einmal als Nachfolgerin von TV-Legenden wie Wilhelm Wieben, Karl-Heinz Köpcke und Dagmar Berghoff im Tagesschau-Studio sitzen würde, davon wagte Linda Zervakis kaum zu träumen. Auch nach dem Abi war der Kiosk erst einmal „ein Klotz am Bein“, denn nach dem Tod des Vaters war die Situation eher noch schwieriger geworden, und so kam nur eine Ausbildung in Hamburg in Frage. Noch bis zu ihrem 28. Lebensjahr jobbte die zunehmend erfolgreiche Journalistin sonntags im Kiosk. Am 17. Mai 2013 wurde Zervakis Nachfolgerin von Marc Bator als Sprecherin der 20-Uhr-Hauptausgabe der Tagesschau.

Zu griechischer Gastfreundschaft gehört traditionell ein Gläschen Ouzo – und das servierte Linda Zervakis nun ihrem Publikum in der Ritterakademie. ff

One comment

  1. Norbert Kasteinecke

    >>Es ist nicht ganz einfach, sich die bezaubernde, souveräne Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis als etwas unscheinbares Mädchen vorzustellen,…<<

    Bezaubernd? – ist das nicht etwas zu, na sagen wir mal "Brüderle" und absolut nicht pc !?
    Liebe Redaktion, da habt ihr aber noch Nachholbedarf.