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Die Biermanns ducken sich im Proberaum hinter den Flügel, der aber kaum zum Einsatz kommt, denn sie singen ja a cappella. Foto: lz/oc

Das ist ein Spaßprojekt

Lüneburg. Elf Freunde müsst ihr sein. Diese kicken nicht, sie singen. Die Elf nennen sich „Die Biermanns“ und treffen sich einmal die Woche oben im Haus 16 der Leuphana. Haus 16, das ist das Haus der Musik. Die elf jungen Männer, die sich gerade in einen kleinen Proberaum quetschen, studieren Lehramt, Umwelt- und Kulturwissenschaften. Einer, Federico, ist schon fertig, macht an der Hamburg School of Music weiter. Aber donnerstags ist er bei seinem „Herzensprojekt“ gern dabei. Die Biermanns verstehen sich als Spaßprojekt, nehmen ihre Sache trotzdem ernst. Sie singen a cappella, und dass es diesen Männergesangsverein überhaupt gibt, hat mit einer Frau zu tun.

Im Chor der Universität hat es begonnen. Ihn leitet Dobrinka Kojnova-Biermann. Sie singt seit 20 Jahren am Theater Lüneburg, seit 2005 leitet sie den Chor. Nun ist sie die Frau, nach der sich ein Chor benannt hat. Als nämlich die Chorleiterin etwas nur mit den Frauenstimmen probte, sangen die Männer eben mal allein. Das war 2015, die Sache wuchs, irgendwann gab es Auftritte, musste ein Name her: Die Biermanns.

Fluktuaktion gehört dazu. Laut Facebook-Seite heißen die Mitglieder Kenneth, Joseph, Federico, Jonas, Claas, Arne, Alex, Adrian, Mario, Mika, Fritz und Eiko. Nachgezählt? Es sind zwölf. Zwölf Freunde müsst ihr sein, es passt schon. Drei vom Start sind noch dabei, an Nachwuchs mangelt es nicht, mittlerweile melden sich auch Männer, die sich ans Studium gerade noch erinnern.
Die Biermanns haben nicht den Anspruch, die Welt aus den Angeln zu heben. Sie singen, was zu ihnen passt, drei-, vierstimmige Sätze. Im Kern sind es Folksongs, gern auch Shantys, die aber nicht gerade auf traditionelle Weise. Pop kommt hinzu und jetzt auch mal ein Weihnachtslied. Drei Stücke aus dem Repertoire: „Song Of The Lonely Mountain“ von Neil Finn, bekannt als Hobbit-Song, „Glitter & Gold“ von Barns Courtney, „Jein“ von Fettes Brot.

Es geht nicht hierarchisch zu bei den Biermanns. „Jeder bringt bei der Songauswahl Ideen ein. Wir stimmen dann ab“, sagt Claas. Die meisten Arrangements schreibt Federico, „aber bei den Proben kann sich noch viel ändern“, sagt er, während der Chor sich nebenan gerade einsingt. „Es geht bei allem um die Erfahrungen, die man mit so einem Projekt macht“, sagt Joseph. Und die motivieren!

Ein bisschen professionalisieren sich die Biermanns, die sich mehr als Band denn als Chor sehen, denn doch. Sie haben ein Logo, kleben Sticker, pflegen eine Facebook-Seite, und in Kürze werden sie einheitliche T-Shirts tragen. Die sind bestellt, aber ob die Farbe nun „Aubergine“ heißt, das ist nicht so klar. Hauptsache, sie sehen gut aus.

An diesem Sonnabend treten die Biermanns wieder auf. Seit sie einmal im Kurpark gesungen haben, häufen sich Anfragen – wie jetzt vom MTV Treubund.

Von Hans-Martin Koch