Aktuell
Home | Kultur Lokal | Streit kann ja so schön sein
Arbeiten oder träumen sie? Isabel Arlt und Burkhard Schmeer zeigen, wohin Nachbarschaftsstreit so führen kann. Foto: lz/t&w

Streit kann ja so schön sein

Lüneburg. Mit den lieben Nachbarn ist es meistens so eine Sache. In der Regel haben die Mitbewohner größerer und kleinerer Mieteinheiten die ein oder andere Mac ke, leider Gottes, denn die Nachbarn müssen das meist ausbaden. Letzteres bekommen auch er und sie zu spüren, sie, Psychologin mit eigener Praxis, er, erfolgreicher Marketingmanager einer weltbekannten Joghurtmarke. Eine Zwei-Personen-Komödie ist jetzt im TNT-Studio des Theaters Lüneburg zu sehen.

Die beiden Protagonisten sind den süßen Zwanzigern bereits entwachsen, aber immer noch auf der Suche nach dem Mann oder der Frau fürs Leben. Ein harter Job, mitten in der Großstadt, wo die Anonymität regiert und Lärm und Hektik den Alltag dominieren. Da braucht man eigentlich ein bisschen Ruhe, Zeit für sich selbst, Yoga und Wellness und so, doch gerade das klappt in diesem Fall so gar nicht.

Er, das ist auf der Bühne Burkhard Schmeer, hört gern viel zu laut Musik. Ddas bringt sie, das ist Isabel Arlt, schon mal auf die Palme. Es kommt zum ersten Schlagabtausch, sie wagt es, seine burschikosen Friedensangebote einfach auszuschlagen: spitzzüngig und ein bisschen arrogant, so kommt sie bei ihm rüber. Das hat ihm gerade noch gefehlt, das bedeutet Krieg, und der nimmt seinen Lauf. Da knallen die Türen, da wird auf so manchem Vorurteil herumgeritten, da gibt auch die letzte, noch so gut gemeinte Bemerkung Stoff für ein neues Rededuell – das kennt man schon, nur dass es in diesem Fall gnadenlos bis auf die Spitze getrieben wird.

Jede neue wortgewaltige Auseinandersetzung führt leider zu neuem Chaos und nicht den siebten Himmel – dass sowohl er als auch sie unter diesen Umständen Zuflucht im weltumspannenden Internet suchen, ist verständlich. Doch auch Partneragenturen sind nicht die Lösung. Womöglich ist der verrückte Typ nebenan, der Joghurt-Fuzzi und die Psychotante, doch die bessere Wahl?

Geschlechterduelle als Komödie gibt es so einige. Was die Sache sehenswert macht, sind in diesem Fall die Hauptdarsteller des Stücks „Die Tür nebenan“ des französischen Autors Fabrice Roger-Lacan. Sowohl Burkhard Schmeer als auch Isabel Arlt haben Bühnenerfahrung und Bühnenpräsenz und streiten unter der Regie von Birgit Kessel dementsprechend mit Hingabe. Schmeer weiß, wie man dem Affen Zucker gibt, da sitzt jede Geste, da stimmt die Mimik. Isabell Arlt hält tapfer mit, auch wenn sie als zutiefst frustrierte Frau Doktor von nebenan eher den etwas undankbareren Part hat. Er ist der sympathische Kumpel, sie die Zicke. Bei ihren Tiraden nimmt es Wunder, dass der eher praktisch orientierte Herr Nachbar auf seine zupackende Art letztlich doch dafür sorgt, dass es zum Happy End kommt.

Das Publikum im ausverkauften TNT dankt es mit begeistertem Applaus, denn letztlich, was wäre unsere Welt ohne ihn und ohne sie. – Die Türen knallen noch bis Mitte März.

Von Elke Schneefuß