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Mathias Meyer hat viele Ideen für das Kulturforum – und braucht Unterstützung. (Foto: oc)

2018 wird ein Testjahr

Lüneburg. Am liebsten würde Mathias Meyer alles einpacken. Die ganze Scheune! Das würde die beiden großen Probleme lösen, die Sache mit dem Schall und die Sache mit der Energie. Die Konzertscheune ist nun mal das Herzstück des Kulturforums, und Meyer ist der Mann, der zum Jahreswechsel die Geschicke von Haus und Scheune endgültig in die Hand nimmt. Mit dabei ist Meyer seit bald zwei Jahren, seine Handschrift wird sichtbarer, zumal zum Jahreswechsel nach vielen Jahren Programmmacher Gebhardt Dietsch aus dem Kulturforum aussteigt.

Mathias Meyer (62), aufgewachsen in Uelzen, lebt in Hamburg und ist zuerst mal ein Mann der Klassik. Gerade hat er als Projektleiter das Hamburger Kammermusikfest abgewickelt, unter anderem mit Konzerten im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Meyer ist ein Ideensprudler, einer, der umtriebig genannt werden kann, und der in einer Minute sehr viel Text unterbringt. „2018 wird ein Testjahr“, sagt Meyer über das, was er mit dem Kulturforum plant.

Meyer schwebt noch mehr vor. Im Galeriehaus würde er gern Wände rausnehmen, um mehr Publikum unterzubringen. Und am liebsten würde er eine Bühne draußen bauen, im sogenannten Skulpturenpark. Wenn nur das mit dem Geld und mit den Nachbarn nicht wäre. Nah zur Konzertscheune steht eine Klinik mit vielen Schwerstkranken, und Wohnungen liegen auch nicht fern. Das ist Meyer bewusst, aber Ideen müssen nun mal auf den Tisch.

Der Vertrag zwischen Stadt und dem Kulturforum-Förderverein läuft bis 2029 – mietfrei, aber mit der Auflage, das Haus zu erhalten. Neben Meyer bilden Simone Winkelmann, die das Programm mitgestaltet, und der Lüneburger Unternehmer Edmund Minhoff den Vorstand des Trägervereins.

Stadt plant Gutachten zum Thema Lärmschutz

Um die Einnahmesituation zu verbessern, wird das Kulturforum seit Jahren für private Feiern vermietet, etwa für Hochzeiten. „Noch brauchen wir sie“, sagt Meyer. Hochzeitsfeiern aber drehen heute gegen Mitternacht erst richtig auf. Da ist schnell wieder die Konfliktzone erreicht. Mit einem Lärmschutzgutachten will die Stadt in den kommenden Monaten prüfen, was überhaupt möglich ist. „Wir wollen das Kulturforum erhalten“, sagt Oberbürgermeister und Kulturdezernent Ulrich Mädge. Wenn zum Beispiel eine Lärmschutzwand in Richtung der Nachbarbebauung nachhaltig helfen würde, wäre das eine Maßnahme, die Mädge für unterstützenswert hält.

Stadt und Sparkasse bzw. Sparkassenstiftung haben in der Vergangenheit weit mehr als eine Million Euro in das Kulturforum gesteckt, fördern es laufend weiter, im Jahr mit 10- bis 15 000 Euro. Die Stadt würde bei der Instandsetzung des Galeriehauses durchaus helfen, so Mädge. Die Liste anstehender Sanierungen, etwas der Fenster, ist lang. Zur Entlastung des Vereins will die Stadt die Pflege von Parkplatz, Teich und Wäldchen übernehmen. Die Einhausung der Scheune aber hält Mädge für unrealistisch. Das würde den gesamten Charakter verändern. Weit bis in die Nacht laufende Privatfeiern sieht Mädge ebenfalls kritisch. Wegen der Anwohner müsste ab 22 Uhr bei Veranstaltungen Schluss sein. Die ganzjährige Nutzung der Konzertscheune ist wiederum aus Gründen des Energieverbrauchs bedenklich. Sinnvoll sei es, so Mädge, die Scheune vom 1. November bis 1. März nicht zu bespielen.

Edmund Minhoff vom Vorstand des Kulturforums hält sich bedeckt. Er trage die Ideen von Mathias Meyer mit, aber man müsse gucken, was machbar sei.

Kalender bis Ende 2018 schon voll

2018, da sind es 30 Jahre, die es das Kulturforum gibt. Nicht eingerechnet die zwei Jahre, die Nema Heiburg und Catarina Sdun brauchten, um das seinerzeit kurz vorm Abriss stehende Haus mit Hilfe vieler Freunde zu retten. Die Konzertscheune kam erst später hinzu, aber sie ist wie das Galeriehaus spürbar gealtert. Mathias Meyer und Verein wollen beide Spielstätten erhalten, sanieren, fit machen. Der Bühnenboden in der Konzertscheune ist neu, Füße für Traversen stehen, mit denen künftig Licht- und Tontechnik sicherer und mit deutlich weniger Aufwand eingerichtet werden kann. Meyer hat dafür vom Land einen Zuschuss bekommen.

Berührungsängste zu primär populären und nicht inhaltlich ausgerichteten Programmen finden sich nicht mehr im Programm des Kulturforums. Mit neuer Homepage, einem viertel- statt bisher halbjährlichem Programmheft will Meyer die Popularität des Kulturforums weiter steigern, zusätzliches Publikum gewinnen. Der Kalender bis Ende 2018 ist bereits vollgepackt.

Vor allem die Vermietung an Tourneeveranstalter spült Geld in die Kasse. Das brauche der Verein, um weniger publikumsträchtige Formate umzusetzen und das Haus in Schuss zu halten. Meyer möchte eine Kammermusikreihe im Galeriehaus starten, für die Konzertscheune habe er fürs kommende Jahr bisher 18 Jazzkonzerte gebucht. Da fällt ihm noch ein Wunsch ein: „Wir bräuchten noch 180 Stühle; wenn jemand welche über hat?“

2018 also soll ein Testjahr werden. Ein Test kann danebengehen. In die Diskussion kam zum Beispiel die Sache mit dem Autoverkehr, der vor 20 Uhr und meist nach 22 Uhr spürbar ist. Kein Autoverkehr nach 20 Uhr, wegen Lärm und Emissionen, lautete eine Forderung. „Dann“, sagt Mathias Meyer, „dann packe ich alles ein.“

Die Probleme des Kulturforums könnten existenziell werden. Nach der bevorstehenden Vamos-Schließung würde Lüneburg die zweite Spielstätte für etwas größere Veranstaltungen verlieren – und keine mehr haben. Ob die Arena, wenn sie denn kommt und wie immer sie bespielt wird, das Vakuum füllen würde – Fragezeichen!

Von Hans-Martin Koch