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Christoph Maria Herbst und Moritz Netenjakob verstanden sich auf Gut Bardenhagen prächtig. Foto: lz/t&w

Kinski war wieder mal hysterisch

Bienenbüttel. Sonntagmorgen gegen zehn Uhr. Eine Zweier-WG in Deutschland, Mitte der 1980er- Jahre, der Wahltastenfernmeldeapparat sprengt die schlafende Stille . Schlechtgelaunt nimmt Klaus Kinski den Hörer ab, näselt Beleidigungen und Beschimpfungen in den Hörer und die ganze Welt hinaus, steigert sich in hysterischen Irrsinn, schmeißt wahllos Gegenstände durch geschlossene Fenster und brüllt schließlich: „Wer ist Gott? Ein zynischer Mistkäfer?“ Währenddessen nuschelt sich sein Mitbewohner Udo Lindenberg ins Wachstadium, nimmt vollbekleidet – dummdidummdidumm – eine Dusche, leert dabei eine Wodkaflasche, verlangt gutgelaunt nach einer Scheibe Brot. „Das ist der Leib Christi“, schreit Klaus ihn an. „Dann lieber doch nen Toast“, gibt Udo klein bei.

Christoph Maria „Klaus“ Herbst und Moritz „Udo“ Netenjakob gaben dieses kongeniale Duo auf Gut Bardenhagen zum Besten als einen von vielen Höhepunkten. Herbst (51), der zur ersten Riege der deutschen Schauspieler und Hörbuchsprecher gehört, und Netenjakob (47), der als Autor und Kabarettist weit mehr als den viel beachteten Mindener Stichling gewonnen hat, nahmen die Zuschauer mit auf eine Zeitreise durch den deutschen Humor. Beide verbindet eine große Liebe zu Vicco von Bülow. „Er war Perfektionist, hatte ein ausgesprochenes Gefühl für das richtige Timing und ließ die Protagonisten eine Szene immer wieder und wieder spielen, bis sie exakt so war, wie er es wollte“, erzählte Netenjakob. Genau dieses Timing hat auch Herbst, wenn er Loriots Klassiker „Der Feierabend“ und „Das Ei“ liest – und jeder Zuschauer, auch jene, die die Szenen noch nicht aus dem Fernsehen kennen, hatte die gutbürgerliche Stube vor Augen, in der das Gattenpaar über „das Gefühl für viereinhalb Minuten“ spricht.

Hallervorden und seine Kuh Elsa waren dabei, Poldi und Bruce Darnell, ER war auch wieder da, drei Märchenvarianten von Hänsel und Gretel und die Top fünf der Stromberg-Zitate wie etwa: „Also, für Sexismus sind Sie gar nicht mein Typ“. Und Herbst hat recht, wenn er Moritz für „besser als das Original“ hält.

Joachim Sauer in geheimer Mission

Auszüge aus dem gefälschten Tagebuch vom Mann von Frau Merkel wurden verlesen und gaben Einblicke in Angelas wildes Partyleben. Zum Beispiel in die Küche vom Hofreiter, wo während der eher mauen Party ein Klempner im Ausfluss nach Hofreiters langen Haaren abtaucht und sich als Renate Künast herausstellt. Oder wenn Joachim Sauer in geheimer Mission unterwegs ist und Thomas de Maizière eine CD mit Namen von Top-Terroristen in einen abgelegenen Winkel Ostdeutschlands bringen muss. Wird Sauer vor den „Augen“ de Maizières bestehen? Denn der Innenminister hat sich seine Augen durch Wärmebildkameras ersetzen lassen, um auf einen „Blick“ zu erkennen, ob tatsächlich Leben vor ihm steht. Sauer besteht, kann die CD überreichen – allerdings hatte Angela sich vergriffen und Thomas hört seitdem „Das Beste der Puhdys“.

Wann hat man je so gelacht wie jetzt bei Herbst und Netenjakob? „Das ernsthafte Bemühen um Albernheit“ heißt ihr Programm. Bemüht euch bitte weiter!

Von Silke Elsermann

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