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Gregor Müller (im Feinripp) wird den unglücklichen Schützen Wilhelm spielen, Philip Richert den Teufel namens Stelzfuß. (Foto: quast)

Die magischen Kugeln

Lüneburg. Gefühlt war er ja denn doch immer da. Er rockte beim Theaterfest, er sprang bei „Medea“ ein, gibt auch mal bei „Rote Rosen“ einen Reporter und bastelt längst an Kommendem – „ich freu mich total drauf“. Nun aber ist der Urlaub in Sachen Vaterschaft wirklich vorbei, Pech für die kleine Clara. Papa Philip, Nachname Richert, zieht sich wieder den Fummel als Lulu Mimeuse an, und am kommenden Wochenende rockt im Vorgriff auf den Februar die Black Rider Band in Platenlaase.

Richert ist ein Kind aus der Heide, er studierte in Hamburg, spielte in Hannover und spielt seit 2010 in Lüneburg. Sieben Jahre an einer Bühne, da gehört man als Schauspieler schon zum Inventar. Aber Staub und Stillstand kennt Richert nicht. Er ist nicht nur, aber gern der Mann fürs Schräge und Rockige. Mit Gregor Müller hatte er im T.NT-Foyer den „Struwwelpeter“ der Tiger Lillies zum Hit gemacht. Die Produktion lief über Spielzeiten und ging auf Tour, sie bleibt gefragt bis hin zum Theaterfest in Isny, drunten im Süden.

Das Hauptprojekt der kommenden Wochen heißt „The Black Rider – The Casting of the Magic Bullets“. Das Musical von Robert Wilson mit der Musik von Tom Waits besitzt seit seiner Taufe im Thalia Theater Kultstatus. Die sehr freie, artifizielle Version der „Freischütz“-Oper ist böse, spielt mit einer Art Stummfilm-Ästhetik und hat Musik, die schön „rumpelig pumpelig“ klingen muss, sagt Richert. Benjamin Albrecht leitet die Band. Richert wird Stelzfuß, den Teufel und Magier, spielen. Gregor Müller, zurzeit in „Der Vorname“ zu sehen, wird zu Wilhelm, der sich auf einen verhängnisvollen Pakt mit den magischen Kugeln einlässt. Die Regie teilen sich Richert und Müller.

Die „Black Rider“-Premiere ist schon ausverkauft

„Ein totaler Glücksfall“ sei es, „The Black Rider“ im Großen Haus machen zu dürfen, so Richert. „Schön, dass wir vom Intendanten das Vertrauen bekommen haben.“ Am kommenden Wochenende schließt sich die Black Rider Band erst einmal zwei Tage beim Kulturverein Platenlaase ein. Proben-Ergebnisse werden dort bei einem Konzert am Sonntag, 17. Dezember, um 20 Uhr präsentiert. Lüneburg muss warten. Am 31. Januar wird die Band beim „Best Of Poetry Slam“ im Theater auftreten. Die Premiere des Stücks folgt am 9. Februar und ist ausverkauft.

Ebenso geht nichts mehr beim Comeback von Lulu Mimeuse am 30. und 31. Dezember. „Viva La Diva“ heißt es aber auch 2018 – mit Musik und eindeutig zweideutigen Geschichten. Seit 2014 gibt Richert die angewrackte Diva, die von ihren großen Zeiten spricht und singt – und mächtig das Publikum anbaggert, die Kerle besonders.

Der Richert-Kalender bleibt voll im Laufe der Spielzeit. Er wird im „zerbrochnen Krug“ spielen und in „Nur ein Tag“, ein Stück aus dem Leben einer Eintagsfliege. Eintagsfliege? Der wahre Richert ist eine Art Dauerbrummer.

Von Hans-Martin Koch