Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Gut gelaunt: Moya Brennan auf Gut Bardenhagen. Foto: t&w

Nebel auf der Grünen Insel

Bienenbüttel. Musiker, die sich viele Jahrzehnte auf den kurzlebigen, dem schnellen Wandel unterworfenen Bühnen behaupten, haben eine eigentümliche Aura – sie gelten als authentisch. Das sind Menschen, die ihre Kunst leben, sich nicht verbiegen, und das gilt noch mehr, wenn sie in Musikerfamilien eingebunden sind, also eine Tradition und eine Zukunft haben. Das alles gilt auch für Máire Philomena Ní Bhraonáin. Die irische Sängerin, 1952 in Gweedore geboren, ist als Moya Brennan bekannt, ihren gälischen Geburtsnamen kann sich ja niemand merken. Auf Gut Bardenhagen präsentierte Moya Brennan Christmas carols ihrer Heimat, also Weihnachtslieder, und eigene Songs.

Begleitet von Tochter und Sohn

Moyas Vater war Berufsmusiker, sie ist das älteste von neun Kindern, die alle mehr oder weniger infiziert sind. Das Ensemble Clannad besteht fast vollständig aus Brennans, 1992 veröffentlichte sie „Máire“, ihr erstes Solo-Album. Längst ist die Sängerin mit eigenen Ensembles auf Tournee. Auf Gut Bardenhagen wurde Moya Brennan – unter anderem – musikalisch begleitet von Tochter und Sohn.

Prägend für den Auftritt war die lyrische, etwas verhangene Stimmung Moya Brennans, da stellen sich dann schnell so Assoziationen wie „Nebel über Avalon“ ein, Bilder von dieser keltisch-mystischen Geheiminsel. Verstärkt wurde der Eindruck durch die glasklare Vielstimmigkeit, alle fünf Instrumentalisten – Moya Brennan spielt Keltische Harfe – hatten auch ein Gesangsmikro vor sich stehen.

Keyboard, Gitarre, Geige, Bodhrán, vor allem aber: zwei Harfen, eine akustische und eine elektrisch – das ergibt einen fragilen, sensiblen Sound, nicht ganz unproblematisch in der Intonation. Denn zwei Harfen sind nicht so einfach in Einklang zu bringen, ähnlich wie bei einem Klavierduo. Aber da ist das Brennan-Quintett souverän, da konnte sich der Zauber in alle Richtungen entfalten. Das war kein Irish-Folk-Abend – keine Jigs, keine Reels und Hornpipes, sondern Lieder von der kargen Heimat, von den dunklen Tagen, von den Verheißungen der Weihnachtszeit, und dazu passte, dass Moya Brennan Botschafterin der Christoffel-Blindenmission in Afrika ist. Wer an diesem Abend spendete, bekam kleine Lämpchen, die sich im Auditorium bei den passenden Songs anknipsen ließen – Nachfolger der Feuerzeuge bei den Rock-Konzerten der 70er- und 80er-Jahre.

Das Ganze hätte jetzt auch schnell mal ins Kitschige oder Eintönige abrutschen können, aber dafür war Moya Brennan in ihrer Persönlichkeit und mit ihrer gereiften Stimme zu präsent. Und ganz sicher war es eine Bereicherung, dass ihre Tochter Aisling Jarvis, sonst als Singer/Songwriter in eigener Sache unterwegs, eine junge Tonfarbe ins Spiel brachte.

Auf „Stille Nacht“ kann nichts mehr folgen

Nach gut zwei Stunden – die „Pinkelpause“, wie es Moya Brennan in klarem Deutsch nannte, nicht eingerechnet – folgte dann eine Zugabe. Im vollbesetzten Konzertsaal sang Moya Brennan „Stille Nacht“, erst auf Gälisch, dann auf Deutsch, und damit war (fast) jedem klar, dass jetzt nichts mehr folgen konnte, dass dieses zauberhafte Konzert sein stimmiges Ende gefunden hatte.

Von Frank Füllgrabe