Dienstag , 25. September 2018
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Die Hamburgerin Kerstin Carbow zeigt ihre spirituell ausgelegten Arbeiten bis 18. Februar. Foto: ff

Wendungen und Windungen

Lüneburg. Labyrinthe sind keine Irrgärten. Sie führen in einem einzigen langen, verschlungenen Weg zum Zentrum – und dann genauso zuverlässi g wieder hinaus. Es gibt sie weltweit, als Zeichnungen, Reliefs und Mosaike. Das vielleicht schönste bietet der Fußboden der Kathedrale von Chartres, das bekannteste wird dem kretischen König Minos in Knossos – als mythologisches Gefängnis für den Minotauros – zugesprochen, es ist allerdings streng genommen ein Irrgarten. Kerstin Carbow dienen Labyrinthe als zentrales Motiv und Metapher für „Wege nach innen“. Unter diesem Titel stellt die Hamburgerin bis 18. Februar in der Lüneburger Kreuzkirche aus.

Prägend für die Gemälde ist fast immer das klassische Weg-Muster mit seinen harmonischen . Kerstin Carbow hat eine Fülle von Querverweisen mit eingearbeitet, so steht das quadratische Leinwand-Format mit den vier gleichen Seiten für die vier Elemente, also Wasser, Luft, Erde und Feuer. Die Kreisform des Labyrinths steht für das Vollkommene. Dann: die Farben Silber und (Blatt-)Gold – das eine läuft an und wandelt sich, das andere bleibt stets unverändert. Anderswo bestehen die Wege aus lauter kleinen Bildern, wie bei einem Filmstreifen – Nahtod-Erfahrungen haben oft mit einem rückwärts ablaufenden Lebensfilm zu tun. Oft spielt auch Schrift, verständlich oder kryptisch, auf der Leinwand eine Rolle.

Arbeiten für Kirchen und Krankenhäuser

Manche Bilder haben Strukturen einer Collage mit eingearbeiteten Papier-Resten, es gibt Bilder mit Erdkrume aus allen Winkeln der Erde, „die hat meine Tochter von ihrer Weltreise mitgebracht“, so Kerstin Carbow. Und immer wieder: das Licht als Verheißung. Die Malerin arbeitet für Kirchen und für Krankenhäuser, für den „Raum der Stille“ im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg beispielsweise. Kerstin Carbow, Jahrgang 1963, studierte Kalligraphie, Malerei und Illustration. Sie ist Diplom-Designerin, beschäftigt sich außerdem mit Zusammenhängen von ganzheitlicher Heilung und philosophisch-spirituellem Ideengut.

Ein zweiter, in der Kreuzkirche gezeigter Gemälde-Zyklus heißt „Glückspunkt“, tatsächlich steht immer ein knopfgroßer Punkt im Mittelpunkt, als Kulmination des Sonnenlichtes. Und es gibt freie Arbeiten, wiederum Gemälde vom Licht und vom Miteinander der Elemente.

Die Ausstellung „Lichtspuren – Wege nach innen“ startet heute, die Vernissage ist aber eher eine Midissage: Sonntag, 14. Januar, angebunden an den Gottesdienst.

Von Frank Füllgrabe