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Der Künstler Julian Sengelmann folgt vielen Spuren, in Lüneburg tritt er als Moderator auf. Foto: nh
Der Künstler Julian Sengelmann folgt vielen Spuren, in Lüneburg tritt er als Moderator auf. Foto: nh

Kanzel, Filme und Konzert

Lüneburg. Nummer eins ist Theologe. Nummer zwei Schauspieler. Nummer drei Buchautor. Nummer vier Musiker. Fernsehmacher, Moderator, Sprecher, das wären die Numm ern fünf bis sieben. Das Auflisten ließe sich locker fortsetzen. „Ich bin im Julian-Sengelmann-Geschäft“, sagt Julian Sengelmann, der alle diese Berufe ausübt, eng getaktet, gut gelaunt. Dass er eine kleine Tochter hat, das ist die eigentliche Nummer eins. Zeit findet der Mann, der gerade mal 35 Jahre zählt, auch noch dafür, das doppelte Neujahrskonzert im Theater zu moderieren. „Darüber darf ich nichts verraten.“

Was gespielt wird am ausverkauften Neujahrsabend und am – nicht ausverkauften – 2. Januar, das ist wie in den Vorjahren Geheimsache. Sicher, ohne Walzer, Schnellpolka und andere heitere Tritsch-Tratsch-Musik wird es nicht abgehen. Für das und alles andere, was Thomas Dorsch mit den Symphonikern spielt, wird Julian Sengelmann Worte finden. Das Motto des Konzerts kommt dem Hamburger sehr entgegen: „Die Suche nach dem richtigen Weg.“

Es könnte Titel der Predigt sein, die der Theologe in Sengelmann am 1. Weihnachtstag in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen hält. Dort ist er Vikar im Ehrenamt. Das Reformationsjahr hielt ihn auf Trab, er drehte eine TV-Serie namens „Tatorte der Reformation“ und war Reformationsbotschafter der Evangelischen Kirche, in Gesellschaft von Margot Kässmann, Jürgen Klopp, Eckart von Hirschhausen und vielen mehr. An seiner Doktorarbeit sitzt er auch noch, da geht es um ein religionspädagogisches, filmisches Projekt. Das aber ist nicht Thema beim Neujahrskonzert. Es wird nicht missioniert, auch wenn Sengelmann Lehrbeauftragter am Institut für Praktische Theologie in Hamburg ist. Morgens Lehre, abends Bühne – er packt das.

Rockstar war der zweite Berufswunsch des Jungen Julian

Ob der Autor in Sengelmann zu Wort kommt, verrät er natürlich auch nicht. Neujahr ist ja ein Feiertag, und Sengelmanns Buch heißt „Feiertag!“, erschienen bei Rowohlt. Sengelmann macht sich darin wie in seiner TV-Sendung „FEIERtag! Sengelmann sucht. . . (NDR) nach der Bedeutung der christlichen Feste. Darunter fällt Neujahr nicht.

Also könnte eher der Musiker in Sengelmann Thema werden. Rockstar war der zweite Berufswunsch des Jungen Julian, Schauspieler der erste. Als es mit beiden nicht zu klappen schien, begann er, Theologie zu studieren. Ein „Luxusstudium“ meint er: Philosophie, Altphilologie, Geschichte, auch Soziologie – lauter Themen, die ihn reizen. Zwölf von 14 Hausarbeiten schrieb Sengelmann im Zug, denn das Schauspielen und die Musik wurden Semester um Semester präsenter.

Es gab da zum Beispiel die Band Feinkost mit Sengelmann als Sänger und Gitarrist, sie war bei „Inas Nacht“ und bei der „NDR Talkshow“ zu Gast. Im April dieses Jahres brachte Julian Sengelmann ein Album namens „13“ heraus. Dabei wäre zu erwähnen, dass er nebenbei den begehrten Kontaktstudiengang Popularmusik an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater absolvierte. Eine Gitarre, so die Vermutung, wird Julian Sengelmann zu den Konzerten mitbringen.

„Mein Größtes ist es, die Menschen zu erreichen“

Wie macht ein Mann allein das alles? „Ich habe mich sehr bewusst für alles entschieden“, sagt Julian Sengelmann. „Mein Größtes ist es, die Menschen zu erreichen.“ Er steht immer unter Strom. Und muss aufpassen, denn der Körper hat ihm schon mal einen Warnschuss verpasst – „aber alles ist gut“.

Dass er nun den Lüneburg-Doppel-Moderator gibt, machen „Familienbande“ möglich. 2013 kam der gleichnamige Liederabend von Franz Wittenbrink auf die Bühne der Hamburger Kammerspiele. Sengelmann sang und spielte mit. Violaine Kozycki, heute die Frau für die Medien am Theater Lüneburg, war zu der Zeit ebenfalls bei den Kammerspielen beschäftigt. Der Kontakt blieb, und nun sengelmannt es zweimal im Hamburger Süden.

Was er genau macht als Moderator, das darf er ja nicht verraten, „aber alles, was ich sonst mache, wird irgendwie darin vorkommen.“ Das wird also nicht allein wegen der Musik ein möglicherweise langer Abend, in jedem Fall ein vergnüglicher. Dafür sorgt außerdem ein Überraschungsgast. Über den ließe sich auch ein Lied singen.

Von Hans-Martin Koch