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„Der Zauberer von Oz“ eröffnet als Wiederaufnahme das neue Jahr im theater im e.novum. (Foto: a/t&w)

Brauche 13 Spieler, habe 14

Lüneburg. Margit Weihe geht wie immer mit Vorfreude und mit einem Schuss Zweifel in eine neue Spielzeit. Sie hat zwei davon, pro Halbjahr bringt ihr theater im e.novum einen Spielplan heraus. Immer stellt Margit Weihe ein Motto voran, jetzt kommt es von Rainer Maria Rilke: „Unsere Welt ist ein Theatervorhang, hinter dem die tiefsten Geheimnisse verborgen bleiben.“
Natürlich lüftet sie den Vorhang für die Stücke, die von Kindern und Jugendlichen für Kinder und Jugendliche gespielt werden – und für Gastspiele, die es seit eh und je im kleinen Theater am Munstermannskamp gibt. 10 773 Besucher kamen 2017, in diesem Jahr werden es ähnlich viele werden.

Zwei Eigenproduktionen prägen das erste Halbjahr und eine Wiederaufnahme. „Im zweiten Halbjahr werde ich vier neue Produktionen haben“, sagt die Theaterleiterin. „Ich weiß gar nicht, wie ich das alles unterbringen soll.“ Es wird ihr gelingen. Im ersten Halbjahr ist es ja vielleicht leichter.

Inszenieren wird im theater im e.novum wieder Antje Femfert, diesmal im Gespann mit Philip Richert, der zurzeit nebenan im großen Theater gerade mit Robert Wilsons „The Black Rider“ befasst ist. Am Munstermannskamp haben sie einen modernen Klassiker am Wickel: „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch, in einer Fassung für das Jugendensemble 4. Premiere ist am 17. Februar.

Nicht nur auf vermeintliche Hits schielen

Ein Problem, das Margit Weihe alle Jahre wieder mehrfach lösen muss: „Wofür eignet sich eine Gruppe? Was nehme ich für ein Stück für sie? Und ist es etwas, für das es Publikum gibt?“ Denn wer will sein mit Lust und Mühe Erarbeitetes schon vor mehr oder weniger leeren Sitzreihen spielen?

Das Schielen auf vermeintliche Hits allein kann es aber auch nicht sein. „Ich will Sachen machen, für die ich brenne“, sagt Margit Weihe. Und darum riskiert sie in diesem Halbjahr etwas. Sie hat einen Stoff von Georg Kaiser (1878-1945) aufgegriffen. Kaiser wird dem Expressionismus zugerechnet, zeitweise war er der meistgespielte Dramatiker seiner Zeit. Die Nazis verbrannten seine gesellschaftskritischen Werke, verfolgten den Autor, der in die Schweiz flüchten konnte. Heute sind Stücke wie „Von morgens bis mitternachts“, „Der Protagonist“ und „Das Floß der Medusa“ so gut wie vergessen.

„Das Floß der Medusa“ hat Margit Weihe für das Jugendensemble 7 umgeschrieben. Es heißt nun „Teufelsdutzend“. Der Begriff meint die 13, die Unglückszahl, die sich heute in Ausrufen wie „Jetzt schlägt‘s 13!“ erhalten hat. Die 13 ist also des Teufels. Das passt zu dem Stück, in dem zwölf junge Schiffbrüchige im Meer umhertreiben und einen Schiffbrüchigen aufnehmen. Es kommt zu Streit und harten Debatten, in die sich Aberglaube und Angst mischen. Das „Teufelsdutzend“ wird kein Spaß, aber vermutlich spannend und wird an 21. Mai gespielt.

Die Spielzeit beginnt am 14. Januar

Das typische Problem, das Margit Weihe wie so oft auch mit dieser Produktion hat, heißt: „Brauche für das Stück 13 Spieler, habe 14“. Das Jugendensemble ist also um einen Akteur zu groß. Margit Weihe wird das lösen.

Zuerst gespielt wird aber ein Stück, das bereits im Dezember Premiere hatte: „Der Zauberer von Oz“. Die Premiere B mit dem Kinderensemble 1 wird am 14. Januar sein, insgesamt wird der von Thomas Birkmeir theaterreif gemachte Klassiker noch viermal ausgeführt.

Ein Blick auf die Gastspiele: Werner Momsen breitet seinen trockenen Humor am 1. Februar um 20 Uhr aus. Das vierköpfige Ensemble KronaPercussion spielt am 3. Februar um 20 Uhr Klassisches und Populäres. Das Tamalan Theater bringt für Zuschauer ab vier Jahren am 25. Februar um 15 Uhr das Märchen „Der gestiefelte Kater“ auf die Bühne. Die Steife Brise (Improtheater) kommt am 2. März. Weiter geht es mit dem Theater Mär („Gute Nacht Gorilla“, ab drei Jahren) am 11. März, dem Mapili Theater („Großer kleiner Riese“, ab drei Jahren) am 15. April und dem Trotz-Alledem-Theater am 22. April („Kommissar Gordon. Der erste Fall“, ab sechs Jahren). Johannes Kirchberg gibt am 21. April einen Erich-Kästner-Abend, und zum Halbjahres-Finale (23./24. Juni) öffnet die „STarke STücke“-Werkstatt mit „Der kleine Prinz“, „Big Mouth & Ugly Girl“, „Die kleine Hexe“ und „In 80 Tagen um die Welt“.

Von Hans-Martin Koch

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