Dienstag , 18. September 2018
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Dorothea Maria Müller, Regina Pätzer, Kristian Lucas und Steffen Neutze in einem Stück, das die dunklen, meist gern verdrängten Seiten der Seele beleuchtet. (Foto: t&w)

„Murder Ballad“ im T.NT: Kuschelig wird es nicht

Lüneburg. Ein bisschen Jekyll, ein bisschen Hyde steckt in jedem, in fast jedem. Am Tag leuchten die hellen Seiten, in der Nacht glühen die dunklen. Wie im Leben, so auf der Bühne: Ein kleines, hartes, rockiges Musical namens „Murder Ballad“ erzählt von einer jungen Frau zwischen zwei Männern und zwischen zwei Lebenswelten. „Murder Ballad“ kam als Off-Broadway-Produktion 2012 in einer Bar zur Welt, zog nach London und feiert seine deutschsprachige Erstaufführung im Theater Lüneburg, am kommenden Donnerstag, 11. Januar.
Geschrieben haben das Stück zwei Frauen, die Singer/Songwriterin Juliana Nash und die Autorin Julia Jordan. Worum geht es? Sara hat ein Nachtleben der wilderen, intensiven Art mit dem Barkeeper Tom hinter sich. Jetzt lebt sie mit dem sanften Michael, einem Lyrikstudenten, sie heiraten, haben ein Kind. Alles schön, alles brav, alles langweilig. Als Sara zufällig Tom trifft, bricht die andere, die düstere Seite in ihr wieder auf – und nun nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Friedrich von Mansberg hat das Musical bei einem Verlag entdeckt. „Ich bin immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und Stücken jenseits des Ausgetretenen“, sagt der Chefdramaturg des Lüneburger Theaters. Friedrich von Mansberg hat schon mehrere Musicals ins T.NT-Studio gebracht, die sich von gängigen Genremustern abesetzen, etwa „Fast normal“ über eine Familie mit einer psychisch erkrankten Mutter.

Publikum kann an Bühnen-Bar Getränke ordern

„Murder Ballad“ zeige, dass moralische Urteile nicht immer einfach zu treffen sind. Es gebe viele Liebeskonzepte, auch Farben von Liebe, die eher Lust und Schmerz meinen. Das Musical „ist relativ hart, nicht kuschelig, es setzt moralische Kriterien ein Stück weit außer Kraft“.

Sara wird im T.NT-Studio des Theaters von Dorothea Maria Müller gespielt, sie stand zuletzt als Evita auf der Lüneburger Bühne. Kristian Lucas (Michael), Steffen Neutze (Tom) und Regina Pätzer als Erzählerin ergänzen das Team. Dazu kommt eine vierköpfige Band um Daniel Stickan (Klavier, Keyboard). Stickan ist Kirchenmusiker, er ist Jazzmusiker, und „er kennt sich unglaublich gut in Bauformen von Rockmusik aus“, sagt von Mansberg. Stickan gebe dem Stück aber auch einen leichten Touch von Jazz. Mit Daniel Stickan spielen Martin Dohrmann (Gitarre), Jonas Krischke (Bass) und Moritz Constantin (Schlagzeug).

Das Stück spielt in einer Bar. Mansberg führt nicht nur Regie, er richtet das Stück auch ein – mit einer Bar im T.NT. Das Publikum könne sich an der Bar auch etwas bestellen, so wird es Teil des Geschehens, das in 80 Minuten ohne Pause abschnurren soll. Für Kinder ist das Stück definitiv nicht geeignet.

„Murder Ballad“ hieße nicht so, wenn nicht zugleich eine schneidend scharfe Kriminalgeschichte erzählt würde. „Es ist eine spannende Aufgabe, Fährten auszulegen“, sagt der Regisseur – bis zu einem wohl überraschenden Finale.

Von Hans-Martin Koch